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Christchurch-Attentat : Massaker wird zum Videospiel

  • -Aktualisiert am

Neuseeland, Christchurch: Ein bewaffneter Polizist patrouilliert auf dem Gelände der Al-Nur-Moschee, die nach dem Terroranschlag wiedereröffnet wurde. Bild: dpa

In den „dunklen Ecken“ des Internets wird der Christchurch-Attentäter seit geraumer Zeit glorifiziert: Ein selbstgemachtes Videospiel bedient sich nun bei Originalszenen aus dem Tätervideo.

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          Knapp vier Monate ist nun der Terroranschlag von Christchurch her. 51 Menschen tötete der Rechtsextremist Brenton Tarrant in zwei Moscheen der größten Stadt der neuseeländischen Südinsel – und filmte dabei seine schreckliche Tat. Den Namen des Attentäters wollte die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern nicht einmal mehr aussprechen, um der rechtsextremistischen Szene keine Plattform zu geben. Doch im Internet wird in rechtsextremen Kreisen nicht nur der Name genannt, der Attentäter wird zum Helden stilisiert, wie die „New York Times“ berichtet.

          Premierministerin Ardern hatte dem rechten Terror in ihrem Land den Kampf angesagt. Nur eine Woche nach dem Anschlag folgte ein verschärftes Waffengesetz, Zugriff und Teilen des vermeintlichen Manifests des Attentäters, das nach dem Anschlag im Umlauf war, wurden verboten. Auch die Verbreitung des Videos des Täters wurde zur Straftat erklärt. Mit dem „Christchurch Call“ versuchte Ardern, wie die „Times“ in Erinnerung ruft, auch die Online-Konzerne Facebook, Google, Twitter und Youtube zu sensibilisieren und zur Eindämmung von rechtem Hass und extremistischen Inhalten im Internet zu aktivieren, wissend, dass eine Regierung allein diese Aufgabe nicht bewältigen kann.

          In den „dunklen Ecken“ des Internets werde der Christchurch-Attentäter weiter glorifiziert, berichten zwei Autoren der „Times“. Die Verbreitung des Videomaterials konnte nicht vollständig eingedämmt werden, es wurde sogar vielmehr in ein Ego-Shooter-Videospiel eingearbeitet. Originalszenen aus dem Tätervideo tauchen in einem Spiel auf, dessen Spieler sich ebenfalls in einer Moschee befindet und wahllos auf betende Muslime schießt. Neben dem Videospiel kursieren auch sogenannte Memes, also bearbeitete Bilder des Attentäters, die ihn als Heiligen darstellen („St. Tarrant“), sowie Aufrufe, seinem Beispiel zu folgen.

          Um der Verbreitung von Hass und extremistischen Inhalten Einhalt zu gebieten, müssten die Konzerne viel mehr tun, sagen Experten im Gespräch mit der „Times“. Dazu zähle auch, dass die Unternehmen transparenter werden müssten. Man könne beim Aufspüren von Hass-Inhalten auch auf Künstliche Intelligenz setzen, aber nicht nur.

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