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Chris Charla im Interview : Die Games-Branche ist vielstimmiger geworden

  • -Aktualisiert am

Unterstützt unabhängige Videospiel-Entwickler: Chris Charla leitet das Förderprogramm ID@Xbox. Bild: Getty

Die Demokratisierung der Videospielentwicklung? Chris Charla fördert bei Microsoft unabhängige Spieleentwickler. Hier erklärt er, wie er versucht, ihnen zu helfen.

          3 Min.

          Im Jahr 2014 hat Microsoft die Initiative ID@Xbox gegründet. Mit ihr sollen Videospiel-Entwickler aus dem Independent-Bereich gefördert werden, das heißt solche, die normalerweise ohne die Unterstützung großer Studios im Rücken mit kleinen Teams arbeiten. Laut Microsoft haben auf diesem Weg etwa 4000 Entwickler mehr als 1500 Spiele für den PC oder die Xbox-Konsole veröffentlicht, 1,5 Milliarden Dollar hat das Unternehmen dafür investiert. Chris Charla leitet die Initiative als Senior Director und spricht im Interview über das Programm und die Situation von Spieleentwicklern heute.

          ***

          Herr Charla, welche Art von Spielen wird bei Microsoft gefördert?

          Uns ist vor allem Vielfalt wichtig. Wir halten nicht Ausschau nach bestimmten Kriterien, wir unterstützen erst mal die Menschen hinter den Spielen. Das hat bisher regelmäßig zu Titeln geführt, die wir uns vorher nicht hätten vorstellen können und letztendlich dazu, dass es bei uns Angebote für jede Art von Spielern und Spielerinnen gibt.

          Kann man aktuell trotzdem Trends ausmachen?

          Ein Trend, den wir in den letzten drei bis fünf Jahren beobachten, ist, dass immer mehr Spiele stark regional geprägt sind. So wie man in den Neunzigern sagen konnte: „Diese Band klingt nach L.A., die andere nach New York“, ist das heute bei Spielen. Bei manchen spürt man sofort, dass sie in Melbourne oder Seattle entwickelt wurden. Ich finde das sehr spannend.

          Wie fühlt sich ein deutsches Spiel an?

          Zu Deutschland fällt mir spontan nur ein, dass von dort gerade viele spannende Adventure Games kommen.

          Sie waren selbst mehr als zehn Jahre Entwickler. Wie hat sich die Arbeit in den vergangenen fünfzehn Jahren verändert?

          Die größte Veränderung ist der breite Zugang zum Game Development-Kits für die Konsolen (Anm. d. Red.: Hardware, die für die Entwicklung von Spielen für bestimmte Konsolen gebraucht wird) und Entwickler-Software. Als ich angefangen habe, musste man sich sehr gut mit Technologie auskennen und künstlerisch begabt sein. Heute können die meisten Entwickler und Entwicklerinnen auf bestehende Technologie zurückgreifen, die Hürden sind also viel kleiner geworden. Man muss kein Technik-Experte mehr sein.

          Wie wirkt sich das auf die Spiele aus?

          Es hat den Entwicklungsprozess demokratisiert, es können einfach viel mehr Menschen ihre Geschichten mit Videospielen erzählen. Früher musste man in einer Großstadt leben und jemanden kennen, der jemanden in der Konsolenherstellung kannte. Natürlich gibt es immer noch Dinge zu verbessern, aber heute kann fast jeder ein Spiel entwickeln, der talentiert und bereit ist, hart zu arbeiten. Deshalb kommt eine viel größere Bandbreite an Stimmen zu Wort, und das ist wunderbar.

          Führt das nicht auch dazu, dass zu viele Spiele entwickelt werden und die wirklich guten in der Masse untergehen?

          Gute Frage – und eine komplizierte. Wie in jedem Unterhaltungsmedium werden Computerspiele an ihren Zugriffen gemessen, und unter diesem Kriterium kann nicht jedes Spiel ein Erfolg sein. Die „Entdeckung“ von Kulturprodukten ist eine der großen Herausforderungen des Digitalen Zeitalters. Wir sprechen mit den Entwicklern deshalb viel häufiger als früher über Marketing. Allerdings ist kommerzieller Erfolg auch nicht alles, auch wenn man sich darauf leicht einigen kann. Es gibt auch künstlerischen Erfolg oder einfach den Triumph, ein Spiel zu veröffentlichen.

          Welche Art von Unterstützung brauchen Spieleentwickler am dringendsten?

          Das bringt uns zur vorigen Frage zurück. Ich denke, es ist die Information, wie sie ihr Spiel bekanntmachen können in einem Markt, der sich stetig rapide verändert. Entwicklerinnen und Entwickler vergraben sich im Schnitt drei bis fünf Jahre in ihrem Spiel. Die Art, wie man Spiele vermarkten kann, wird sich in diesem Zeitraum schon wieder drastisch verändern. Bei Microsoft beobachten wir diese Entwicklung ständig, weil wir, im Gegensatz zu den meisten Independent-Entwicklern, die Ressourcen dafür haben. Und diese Informationen geben wir weiter.

          Welches Spiel-Genre ist gerade am erfolgreichsten?

          Das fragen uns Entwickler auch ständig, aber es gibt keine klare Antwort. Wenn ich mir die zehn meistverkauften Titel des letzten Jahres anschaue, gehören fast alle einem anderen Genre an. Action Adventure, Plattformer, Open World, alles dabei. Es gibt keine garantierten Hits und auch kein Genre, von dem man sich fernhalten sollte. Es kommt immer auf das Spiel an.

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