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China stoppt Film : Blockbuster ohne Publikum

Die chinesische Flagge weht über dem Tiananmen Platz in Peking: Zum 70. Jubiläum der Volksrepublik reagiert die chinesische Zensur besonders sensibel. Bild: AFP

In China ist schon wieder ein Film von der Zensur gestoppt worden. Offenbar zeigt das Kriegsdrama chinesische Nationalisten in einem zu heldenhaften Licht. Und dieses Monopol beanspruchen die Kommunisten für sich.

          Achtzig Millionen Dollar hat das Filmstudio Huayi Brothers in das Kriegsepos „Die Achthundert“ investiert. Womöglich ist das Geld schlecht angelegt. Denn der Filmstart wurde soeben auf unbestimmte Zeit verschoben. Ein Grund dafür wurde nicht genannt. Die Filmfirma teilte lediglich mit: „Nach Beratungen zwischen dem Produktionsteam und anderen Parteien wird ‚Die Achthundert’ seine geplante Premiere am 5. Juli streichen.“ Auch für den Rest der Sommersaison trete man zurück. Ein neues Datum für den Filmstart werde „später“ bekannt gegeben.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Beobachter vermuten, dass der Film deshalb in Ungnade gefallen ist, weil er die Truppen der Nationalisten im Kampf gegen die japanischen Besatzer im Jahr 1937 in Shanghai zeigt. Die chinesische Propaganda stellt es gern so dar, als hätten Maos Kommunisten allein Widerstand gegen die Japaner geleistet. Tatsächlich hatten aber die Nationalisten (Guomindang), die später den Bürgerkrieg gegen die Kommunisten verloren, einen erheblichen Anteil daran.

          Die Filmemacher waren sich dessen natürlich bewusst. Ihr Epos gestalteten sie immerhin so, dass es ein so genanntes Drachensiegel erhielt, das Plazet der Zensurbehörde. Dass es dennoch Vorbehalte gegen den Film gab, war schon Anfang des Monats deutlich geworden, als er aus dem Programm des Shanghaier Internationalen Filmfestivals gestrichen wurde. Eine Gruppe patriotischer Kommunisten mit dem Namen „China Red Culture Research Association“ hatte den Film offen dafür kritisiert, dass er die Republik China, die damalige Regierung der Guomindang unter Chiang Kai-shek verherrliche.

          70 Jahre Volksrepublik China: Sensibler Zeitpunkt

          Womöglich war der Zeitpunkt für einen solchen Blockbuster zu sensibel: Die Volksrepublik feiert in diesem Jahr ihr siebzigjähriges Bestehen. Der Mythos, dass Maos Truppen die Japaner besiegt hätten, gehört zur Gründungsfolklore. Der Aktienkurs des Filmstudios Huayi Brothers fiel nach der Verkündigung, dass die Premiere ausfällt, um mehr als acht Prozent.

          „Die Achthundert“ ist aber nicht der einzige Film, der in jüngster Zeit in letzter Minute von der Zensur gestoppt wurde. Medienberichten zufolge sind die Zensoren ebenso kritisch gegenüber Werken, die allzu patriotisch daherkommen. Man sei besorgt, so heißt es, dass solche Filme im Ausland als Beleg für das aggressive Auftreten Chinas gesehen werden könnten. Deshalb wurde der Plan, einen dritten Teil des Heldenepos „Wolf Warrior“ zu drehen, vorerst verworfen.

          Ein weiteres Zensuropfer ist die Produktion „Better Days“ von Derek Tsang, die schon aus dem Programm der Berlinale gestrichen werden musste. Der Streifen sollte eigentlich an diesem Donnerstag landesweit anlaufen. Doch die Produktionsfirma teilte kurzfristig mit, dass „ein neues Datum“ zu einem späteren Zeitpunkt verkündet werde.

          Manchmal stören sich die Zensoren auch nur an dem Namen eines Werkes. Der Film „Der große Wunsch“ wurde soeben in „Der kleine Wunsch“ umbenannt. Als Grund wurden die Anforderungen des Marktes genannt. „Kleine Wünsche sind auch groß“, teilte die Filmfirma mit. Und das Drama „Weine mir einen traurigen Fluss“ nach dem gleichnamigen Roman wurde kurzerhand in „Die guten Zeiten“ umbenannt. Denn Xi Jinping hat den Kulturschaffenden „positive Energie“ verordnet.

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