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Hessischer Filmförderchef : Das Treffen mit dem AfD-Chef hat Folgen

Sorgt mit seinem Treffen mit AfD-Mann Meuthen für Kritik: Hans Joachim Mendig, Chef der hessischen Filmförderung Bild: Wonge Bergmann

Weil er mit dem AfD-Politiker Jörg Meuthen an einem Tisch saß, wird der Chef der hessischen Filmförderung, Hans Joachim Mendig, zum Rücktritt gedrängt. Ein scheinbar privates Treffen wird zum Politikum.

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          Wegen eines Treffens mit dem AfD-Parteivorsitzenden Jörg Meuthen ist der Geschäftsführer der hessischen Filmförderung Hessen-Film, Hans Joachim Mendig, in den vergangenen Tagen massiv unter Druck geraten. Die Begegnung, bei welcher der PR-Berater Moritz Hunzinger der Dritte im Bunde war, hatte schon Ende Juli stattgefunden, ohne dass jemand davon besondere Notiz genommen hätte. Vor ein paar Tagen indes machte ein Bild die Runde und fand seinen Weg in die Presse, das Jörg Meuthen von dem Dreier-Plausch in einem Frankfurter Restaurant auf Facebook verbreitet hatte. Es sei ein „sehr angeregter und konstruktiver politischer Gedankenaustausch“ gewesen, schrieb der AfD-Politiker dazu.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Das soll Hans Joachim Mendig nun zum Nachteil gereichen. In einer kurzen Stellungnahme gegenüber der hessischen Kunstministerin Angela Dorn von den Grünen wies Mendig das Treffen als ein rein privates aus. Man nehme dies, ließ die Ministerin verlauten, mit Verwunderung zur Kenntnis. Damit geben sich Mendigs Kritiker aber nicht zufrieden. Ihm wird unterstellt, er öffne der AfD die Tür zur Kulturpolitik. Die Deutsche Filmakademie und der Bundesverband Regie haben ihr Missfallen ausgedrückt. Dreihundertfünfzig Filmschaffende aus ganz Deutschland – ein Who’s who der gesamten Branche – haben eine Erklärung unterzeichnet, in der Mendig mit harschen Worten zum Rücktritt aufgefordert wird. Die Regisseurin Julia von Heinz bekundete, Unterzeichner nähmen Fördergelder aus Hessen nicht mehr an, schon geförderte Projekte ruhten. Die Initiative Hessen Film, zu der die hessischen Kreativen-Verbände und die Hessische Filmwirtschaft gehören, meint, Mendig schade dem Filmstandort Hessen, „ein vertrauensvolles Miteinander“ sei nicht mehr möglich.

          Wie es scheint, soll der Druck auf den Filmförderungschef, der auf Anfrage nicht zu erreichen war, derart ansteigen, dass ihm nichts anderes als ein Rücktritt bleibt. Wer weiß, dass die Hessen-Film pro Jahr gerade einmal 11,5 Millionen Euro an Fördergeldern vergibt, kann ermessen, dass das für 350 aufgebrachte Filmschaffende und deren Projekte kaum reicht. Und wer den früheren Serien-Produzenten („Die Kommissarin“, „Ein Fall für zwei“) und Chef der Odeonfilm kennt, weiß auch, wie absurd es ist, Mendig AfD-Parteigängerei zu unterstellen.

          Doch wäre er gut beraten, sich von der politischen Instrumentalisierung, die der AfD-Vorsitzende mit seinem Facebook-Post vorgenommen hat, zu distanzieren. Sonst könnte es sein, dass er zum Opfer des Gehabes wird, mit dem die AfD gerne Leute für sich vereinnahmt, um hernach, wenn es diesen an den Kragen geht, sich selbst wiederum als Opfer der Intoleranz auszugeben. Mendig würde dann auch das nächste Skandal-Opfer des PR-Beraters Hunzinger, dessen Netzwerkerei schon den Absturz des Sozialdemokraten Rudolf Scharping und für Cem Özdemir von den Grünen eine Karrieredelle bewirkte.

          Dass dies eine günstige Gelegenheit ist, alte Rechnungen zu begleichen, die offen sind, seit Mendig vor vier Jahren mit Unterstützung aus der hessischen CDU in sein Amt kam, liegt auf der Hand. Auch die Mitarbeiter der Hessen-Film scheinen ihren Chef loswerden zu wollen. Anders jedenfalls ist die öffentliche Stellungnahme, die am Donnerstag verschickt wurde, nicht zu verstehen. Man könne nachvollziehen, heißt es da, „dass dieses Treffen über den Geschäftsführer hinaus in Zusammenhang mit der Hessen-Film als Organisation gebracht wird. Die politische Brisanz dieses Treffens ist uns bewusst.“ Mit aller Deutlichkeit distanziere man sich „von jeder Partei, Organisation oder Gesinnung, die die Freiheit von Kunst und Kultur einschränken will oder unsere Freiheit, Gleichheit und Demokratie in Frage stellt“. Man hoffe „auf eine Lösung im Sinne des Film- und Medienstandorts Hessen“.

          Darin kann man wohl die Aufforderung zum Rauswurf Mendigs erkennen. Wie das ausgeht, wird sich weisen, wenn in ein paar Tagen der Aufsichtsrat der Hessen-Film zusammenkommt. Bis dahin hätte Hans Joachim Mendig noch genügend Zeit, sich deutlich zu erklären. Auch wenn seine zahlreichen Gegner schon jetzt nichts mehr von ihm hören wollen.

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