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Fridtjof Küchemann, Redakteur im Feuilleton

Messenger-Bot „Google Reply“ : Chatte für mich

Was, wenn man sich einander wieder zuwenden könnte? Paar beim zeitgleichen Chat Bild: Picture-Alliance

Google entwickelt einen Chat-Bot, der uns die lästige Whatsapp-Kommunikation abnehmen soll. Auch wenn er bereits auf Kalender und Ortsdaten zugreifen kann: Die Möglichkeiten des Programms sind noch nicht ausgereizt.

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          Zahlreich nannte der griechische Philosoph Sokrates der Anekdote nach die Dinge, deren er nicht bedurfte. Noch häufiger sind vielleicht nur die Errungenschaften des digitalen Lebens, mit deren Hilfe wir Probleme lösen, die wir ohne sie gar nicht gehabt hätten. Die neue App „Reply“ aus Googles Erfinderwerkstatt „Area 120“ soll jetzt einem ganz dringenden Bedürfnis Abhilfe schaffen. Wer, schwärmen die Entwickler in einer E-Mail an mögliche Tester, würde sich nicht angesichts einer Fülle von Chat-Nachrichten lieber mit Menschen, auch mit Menschen im wirklichen Leben befassen wollen, ohne in den sozialen Netzwerken etwas Wichtiges zu verpassen?

          Wie das Online-Magazin „Android Police“ berichtet, soll es bald einen Assistenten geben, der nicht nur in Googles eigenen Diensten, sondern auch bei Whatsapp, Skype oder dem Facebook Messenger sortiert, welche Nachricht wirklich wichtig ist, wann ihr Empfänger - etwa, weil er gerade Auto fährt - besser nicht gestört werden sollte und welche Antwort nach Abgleich mit Kalender und gegenwärtigem Aufenthaltsort die passende wäre: „Bin in dreizehn Minuten zu Hause“, „Bin wirklich im Restaurant“ oder „Bin im Urlaub“. Zwar soll der Nutzer fürs Erste die Antwort noch persönlich losschicken, doch auch diesen Schritt wird uns eine Künstliche Intelligenz bestimmt bald abnehmen können. Und wenn beide Seiten entsprechend aufgerüstet wären, könnte man die lästige Kommunikation getrost ganz den Maschinen überlassen.

          Im vergangenen Sommer hatte die Nachricht von zwei Systemen aus einem Facebook-Programm für Aufregung gesorgt, die eine gemeinsame Sprache entwickelten, die sonst niemand verstanden haben soll. Schleunigst hätten Menschen die beiden Systeme abgeschaltet, hieß es damals. Später entpuppte sich die Geschichte als aufgeblasen und verzerrt, aber die Richtung stimmt: Vielleicht sollten wir Messenger überhaupt nur noch in Sprachen miteinander sprechen lassen, die wir nicht einmal mehr verstehen. Um gar nicht erst versucht zu sein, doch nachzusehen, ob uns nicht etwas entgeht. Um sicherzugehen, dass da auch wirklich nur Maschinen miteinander zu tun haben. Um uns in aller Ruhe wieder anderen Menschen zuwenden zu können. Im wirklichen Leben.

          Fridtjof Küchemann
          Redakteur im Feuilleton.

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