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Charlotte Roche : Eine Arbeit wie jede andere auch

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Sie stellt die richtigen Fragen: Charlotte Roche beim Bestatter Ferdinand Pfahl Bild: Jochen Schmitz

Charlotte Roche ist für eine neue 3sat-Reihe in die Rolle der Praktikantin geschlüpft. Für einen Tag war sie Bestatterin, Müllfrau in Duisburg oder ist als Truckerin nach Frankreich gefahren. Ihren Eintagsjob erledigt sie sympathisch und unbeschwert.

          „Was soll ich bloß werden?“, fragen sich junge Leute, wenn sie vor dem Schulabschluss stehen und herausfinden sollen, welcher Job zu ihnen passen könnte. Bei manchen dauert es etwas länger, aber irgendwann hat jeder eine Antwort gefunden. Charlotte Roche ist inzwischen ja Bestseller-Autorin – und für ihre neue 3sat-Reihe trotzdem noch mal in die Praktikantenrolle geschlüpft. Für einen Tag war sie Bestatterin, Müllfrau in Duisburg, hat im Altenheim ausgeholfen und ist als Truckerin nach Frankreich gefahren. Daraus sind halbstündige Mini-Reportagen geworden, und die erzählen nicht nur anschaulich, wie in diesen Berufen gearbeitet wird, sondern wer die Menschen sind, die diese Arbeit erledigen.

          Michael Wolski ist Müllmann, weil es sein Vater schon war. Dem Sohn sagte er: Mach das, da hast du eine sichere Arbeit. „Es gibt keinen bei uns, der nicht Verwandte bei der Müllabfuhr hat“, erklärt Wolski und nimmt Charlotte Roche mit ruppigem Ton, wie er unter den Kollegen üblich ist, morgens um halb sieben mit ins „Kellerrevier“, wo die Tonnen zum Leeren aus den Kellern geschleppt werden müssen. Roche packt mit an, freut sich wie ein kleines Kind, als sie verstanden hat, wie die Tonnen an den Wagen angesetzt werden, und weiß nach anderthalb Stunden: „Das ist ja die totale Rennerei.“

          Sympathisch und unbeschwert

          Mit großem Respekt schüttelt sie, ganz in Schwarz, dem Bestatter Ferdinand Pfahl die Hand und lässt sich dessen Betrieb zeigen: den Raum, in dem die Leichen gekühlt werden, das Zimmer mit den Särgen, die Werkstatt. „Das ist ja eine Arbeit wie jede andere auch“, erzählt Pfahl seinem Gast, der erstaunt ist, wie gut gelaunt es im Betrieb zugeht. Als es dann so weit ist, einen Verstorbenen fürs Krematorium vorzubereiten, ist Roche ernst und still. Sie schafft es, einfühlsam und trotzdem nicht mit übertriebenem Ernst die Fragen zu stellen, die auch die Zuschauer interessieren, und stellt eine Verbindung zu den Menschen her, denen es sichtlich Freude bereitet, über ihre Arbeit Auskunft zu geben. Das ist lustig und lehrreich, weil Roche sich nicht in den Vordergrund drängelt.

          Ein Segen ist, dass die Reihe auf einen Off-Erzähler verzichtet. Hier plappert niemand dazwischen. Was wichtig ist, muss Charlotte Roche selbst herausfinden. Und manches wird über den Schnitt erzählt, der den Protagonisten auch mal erlaubt, sich anzuschweigen. In „Charlotte Roche unter ...“ geht es nicht ums Ausfragen, sondern ums Kennenlernen. Und in vielen Situationen steckt ein ganz alltäglicher Humor. Als Charlotte Roche sich von den Müllmännern verabschiedet hat und der Abspann läuft, ist aus dem Off zu hören, wie die beiden Männer im Wagen scherzen: „Ich hab’ ja noch das Mikro.“ – „Macht nix, das verticken wir.“ „Und hat die ihre Handschuhe mitgenommen? Die wollte der Weber bei Ebay versteigern.“ Dann folgt ein lautes Lachen – und Schwarzbild. So viel sympathische Unbeschwertheit könnte das Fernsehen öfter vertragen.

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