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Reif für Karlie? : „Charlie Hebdo“ kommt nach Deutschland

Siebzigtausendmal wurde die Solidaritätsausgabe nach dem Anschlag auf „Charlie Hebdo“ allein in Deutschland verkauft. Jetzt kommt die erste fremdsprachige Ausgabe der französischen Satirezeitung. Bild: AP

Startauflage zweihunderttausend: Am Donnerstag wird die erste deutsche Ausgabe von „Charlie Hebdo“ erscheinen. Die deutschen Politiker und natürlich Erdogan in der Türkei dürfen sich freuen.

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          Illustrationen und Karikaturen brauchen keine Übersetzer, und die Texte in „Charlie Hebdo“ sind relativ kurz. Daraus zu schließen, dass eine deutsche Ausgabe mit einem Minimum an Aufwand hergestellt werden kann, wäre ein fataler Trugschluss. Schon am kommenden 1. Dezember soll es indes so weit sein. Erst kurz vor dem Start wurde das Projekt überhaupt bekannt: Die französische Satirezeitschrift wird jeweils gleichzeitig zu ihrem Erscheinen in Paris nun auch in Deutschland erscheinen - zum Start in einer Auflage von 200.000 Exemplaren. Und nicht nur aus Übersetzungen bestehen.

          Jürg Altwegg

          Freier Autor im Feuilleton.

          In Deutschland sei das Echo auf die Solidaritätsausgabe nach den tödlichen Anschlägen ganz besonders groß gewesen, sagt die Sprecherin der Zeitschrift. Es wurden mit 70.000 mehr Exemplare als in jedem anderen Land verkauft. Auch zu deutschen Veranstaltungen seien die Mitarbeiter eingeladen worden. Vor den Attentaten wurden hierzulande tausend Exemplare des Originals abgesetzt. Vor dem Attentat auf die Redaktion stand das Blatt am Rande des Ruins und verkaufte weniger als 30.000 Exemplare. Danach schnellte die Auflage in die Höhe, inzwischen hat sie sich bei 110.000 eingependelt.

          Ein Pariser Projekt

          Die Herausgeber glauben an eine Marktlücke, die keineswegs mit einer islamfeindlichen Haltung begründet wird. Sie sind sich bewusst, dass Humor und Satire in der deutschen Kultur eine ganz andere Tradition haben. Ob es ein Publikum für den sehr französischen Antiklerikalismus und den manchmal pubertär und primitiv wirkenden gallischen Humor gibt, wird sich erweisen. Auch weil „Charlie Hebdo“ seit dem Nachdruck der Mohammed-Karikaturen zum Symbol der Pressefreiheit geworden ist, wird man das Experiment mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgen.

          Freuen dürfen sich die deutschen Politiker und natürlich Erdogan in der Türkei. Eine Redaktion in Deutschland ist nicht vorgesehen, aber man will durchaus mit deutschen Textern und Karikaturisten zusammenarbeiten. Das Projekt werde seit Monaten in Paris vorangetrieben, Konkreteres ist nicht in Erfahrung zu bringen. Außer dem Detail, dass „Charlie Hebdo“-Herausgeber Riss eine Reportagereise unternommen habe. Die deutsche Ausgabe wird die erste in einer Fremdsprache gedruckte sein und vier Euro kosten. Bonne chance!

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