https://www.faz.net/-gqz-8ajxd

Terror in Paris : Restaurantbesitzer verkaufte Video des Massakers

Eine Trauernde steht vor der Pizzeria Casa Nostra in Paris. Bild: AFP

Es ist der erste große Medienskandal seit den Anschlägen in Paris: Der Besitzer der attackierten Pizzeria „Casa Nostra“ bot Aufnahmen seiner Überwachungskamera an – und die „Daily Mail“ ging darauf ein.

          1 Min.

          Fünf Menschen hatten die Attentäter der Terrorgruppe IS am 13. November auf der Terrasse der Pizzeria „Casa Nostra“ erschossen. Die Überwachungskamera filmte die Morde. Das Video stellte das englische Boulevardblatt „Daily Mail“ vergangene Woche ins Internet, Auskunft über die Herkunft gab es nicht.

          Jürg Altwegg

          Freier Autor im Feuilleton.

          Jetzt enthüllte „Le Petit Journal“ von „Canal+“, wie die Aufnahmen nach England gelangten. Schon seit ein paar Tagen hatte das „Petit Journal“ über den Handel mit Amateur-Videos von den Attentaten berichtet. Er findet auf der Straße statt. Für Handy-Aufnahmen werden ein paar Hundert Euro bezahlt, die französischen Sender haben aber kaum schockierende Bilder gezeigt. Ein Verantwortlicher des Senders BFMTV berichtete, ihnen sei das Video aus der Pizzeria für 50.000 Euro angeboten worden.

          Diesen Preis bezahlten Journalisten der „Daily Mail“. Sie verhandelten, hatten aber natürlich nicht so viel Bargeld bei sich. Eine Überweisung scheiterte an der Höhe des Betrags. Mehrere Stunden dauerte das Geschacher am Montag nach dem Attentat. Djaffar Ait Aoudia, Reporter des „Petit Journalist“ war praktisch die gesamte Zeit dabei. Er hatte die englischen Reporter tags zuvor getroffen, als er den Eigentümer der Pizzeria aufsuchte. Niemand störte sich an seiner Anwesenheit: „Ich saß da wie ein Möbel, sie hatten sich an mich gewöhnt.“ Er beobachtete, wie der Preis ausgehandelt wurde. Und er verfolgte, wie die Reporter das Geld aus verschiedenen Quellen zusammentrugen.

          Die Polizei hatte die Aufnahmen chiffriert, aber offensichtlich nicht beschlagnahmt. Um alles auf den Bildern wieder sichtbar zu machen, hatte der Besitzer der „Casa Nostra“ eine schnelle Lösung zur Hand: einen Hacker, „ein Freund, ein As“. Ein Vertrag wurde nicht unterschrieben, zur Wahrung der Exklusivität und angesichts des Preises forderten die Reporter, dass die Festplatte der Kamera zerstört wurde – das gehöre zum Deal. Die Geldübergabe hat Djaffar Ait Aoudia seinerseits mit dem Handy gefilmt. Man sieht, wie die 50.000 Euro abgezählt werden. „Le Petit Journal“ bat die Verantwortlichen des „Daily Mail“ und den Chef der Pizzeria „Casa Nostra“ hernach um Stellungnahme – erfolglos.

          Weitere Themen

          Alles ans Licht

          FAZ Plus Artikel: Coup von Böhmermann : Alles ans Licht

          TV-Moderator Jan Böhmermann hat die vier Gutachten zu den Entschädigungsansprüchen des Hauses Hohenzollern veröffentlicht. Jetzt kann die Öffentlichkeit endlich frei über den Fall diskutieren.

          Topmeldungen

          Neue Abstandsregel : Der harte Kampf um jedes Windrad

          Der Protest der Deutschen gegen Windräder wächst, und der Ausbau ist beinahe zum Erliegen gekommen. Kann der Mindestabstand von 1000 Metern für mehr Frieden sorgen – oder wird nun alles noch schwieriger?

          Amtsenthebungsermittlungen : Der Oberstleutnant und der Amigo

          In den Impeachment-Ermittlungen im Kongress werden heute Alexander Vindman und Kurt Volker angehört. Die Demokraten wollen der Öffentlichkeit darlegen, wie Donald Trump die Ukraine-Politik für seine Wiederwahl missbrauchen wollte.
          Eine Randfigur? Kronprinz Wilhelm von Preußen (r.) mit Joseph Goebbels (M.) und Georg Heinrich von Neufville beim Polizeisportfest 1933 in Berlin

          Coup von Böhmermann : Alles ans Licht

          TV-Moderator Jan Böhmermann hat die vier Gutachten zu den Entschädigungsansprüchen des Hauses Hohenzollern veröffentlicht. Jetzt kann die Öffentlichkeit endlich frei über den Fall diskutieren.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.