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Burmas Presse : Freies Schreiben, freies Lesen

  • -Aktualisiert am

Die Schleier der Zensur lichten sich: Ein Zeitungsleser ist in den Straßen von Rangun eine emphatische Erscheinung Bild: Laif

Ein halbes Jahrhundert lang waren Burmas Journalisten Knechte der Zensur. Doch das Land öffnet sich. Zwar steckt die Freiheit noch in Kinderschuhen, erste Schritte aber sind getan.

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          Fast fühlt man sich verfolgt von ihr. Das Bild der Lady ist überall, füllt mehrspaltig die Titelseiten. Vor wenigen Monaten wären die Stände der Zeitungsverkäufer in der Bogyoke Aung San Road noch von der Polizei geräumt worden, die verantwortlichen Journalisten womöglich ins Gefängnis gewandert. Alles wegen eines Fotos von Oppositionspolitikerin Aung San Suu Kyi.

          Jahrzehntelang galt Burma - das von der Junta in Myanmar umbenannt wurde - als eines der restriktivsten und zensurwilligsten Länder der Welt: abgekapselt, ein Gefängnis mit Bergpanorama. Seit der Machtübernahme des Militärs im Jahr 1962 muss jeder Artikel, jedes Lied, Buch oder Kunstwerk von der Zensurbehörde freigegeben werden. Der Rotstift legt fest, was gestrichen oder geändert wird. Selbst über Bildgrößen und Anzeigen urteilen die Zensoren.

          Titelbilder von ihr waren nicht erwünscht

          Das änderte sich auch nicht, als die Generäle ihre Uniform auszogen und sich nach den umstrittenen ersten Wahlen vom November 2010 ins Parlament setzten. Seit einigen Monaten ist der prüfende Blick der Zensoren jedoch milder geworden. „Jede Woche ändert sich etwas - das gilt für die Medien wie für die Politik“, sagt Zeya Thu, stellvertretender Chefredakteur von „The Voice“. Seit sieben Jahren gibt es die Wochenzeitung - fünf Mal durfte sie für mehrere Wochen nicht erscheinen. „Im Moment wissen wir nicht, was wir eigentlich veröffentlichen dürfen und was nicht. Also probieren wir einfach alles aus.“

          Die Geschwindigkeit des Wandels hat viele überrascht: Internetseiten wie Youtube oder die der BBC sind frei zugänglich. Private Radiosender werden neu zugelassen. Special-Interest-Magazine dürfen ihre Texte über Sport, Gesundheit oder Unterhaltung ohne Vorzensur veröffentlichen. Im Dezember wurde außerdem die Vorzensur für die Wirtschaftspresse aufgehoben.

          Die Auflage von „The Voice“ habe sich in den vergangenen Monaten verdoppelt, sagt Zeya Thu: „Das ist aber nicht so, weil wir plötzlich brillant geworden sind, sondern weil wir über Themen schreiben können, die vorher verboten waren.“ 17 000 Exemplare werden Woche für Woche gedruckt; damit gehört „The Voice“ zu den führenden Zeitungen im Land. Auflage bringt vor allem Aung San Suu Kyi, die Lady, die Ikone der Demokratie, der Opposition. Als sie 2010 aus jahrelangem Hausarrest freikam, druckte „The Voice“ ein ganzseitiges Foto. „Dafür haben sie uns zwei Wochen dichtgemacht“, erzählt Zeya Thu. Sieben anderen Publikationen ging es ähnlich. Fotos der Lady durften nicht auf die Titelseite - und nicht größer sein als acht mal 13 Zentimeter.

          Was den Menschen am Herzen liegt

          Im April wurden die Fesseln gelockert: Die Medien dürfen weitgehend frei über Suu Kyi berichten - mit Fotos in beliebiger Größe. Allerdings: Wenn sie gemeinsam mit Ministern abgebildet ist, müssen diese noch immer zuerst genannt werden. „In der Vergangenheit durfte man nicht einmal ihren richtigen Namen nennen, Jetzt ist sie das Covergirl“, so Zeya Thu.

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