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Bundeswehr wirbt auf „Gamescom“ : Game over

Das ist kein Spiel: Ausschnitt aus einem der beiden Werbeplakate der Bundeswehr zur Gamescom 2018. Bild: Bundeswehr

Die Bundeswehr wirbt auf der Gamescom mit Videospielbegriffen um Rekruten. Man wolle junge Leute zum Nachdenken anregen, heißt es. Das ist scheinheilig.

          General Zorn, Generalinspekteur der Bundeswehr, findet, dass in der Öffentlichkeit viel zu wenig über die deutschen Streitkräfte geredet wird. Das erzählte er der „Zeit“ in einem Interview. Geredet werden solle darüber, „was wir tun, was unser Auftrag ist, warum wir bei Auslandseinsätzen dabei sind“. Dafür gehe er „auch dorthin, wo sich keine Experten tummeln, die ohnehin ständig über unsere Themen diskutieren, ob vom Spielfeld oder von der Seitenlinie“.

          Axel Weidemann

          Redakteur im Feuilleton.

          Seit dieser Woche wird wieder über die Bundeswehr geredet. Weil sie – was sie seit Jahren tut – dorthin gegangen ist, wo sich vordergründig keine Experten tummeln, auf die Kölner Videospielemesse Gamescom. Dort ist rund um das Messegelände jede Werbefläche fest in den Händen der Videospielindustrie. Motive mit Soldaten und Waffen sind durch Spielereihen wie „Battlefield“ oder „Call of Duty“ nichts Besonderes. Zwei Plakate bedienen sich exakt aus diesem Gestaltungsrepertoire. Eines zeigt eine Gruppe Soldaten im Gegenlicht, im Hintergrund ein Militärfahrzeug samt Geschütz. In weißen Lettern steht dort geschrieben: „Multiplayer at its best!“. Ein anderes Plakat zeigt eine Waldlandschaft, hineinmontiert sind die Gesichter von Soldaten, dazu der Spruch „Mehr Open World geht nicht!“. Rechts unter den beiden Sprüchen steht in kleinen Buchstaben: „bundeswehrkarriere.de“. Noch weiter unten und in großen Buchstaben ist der Hinweis auf den Standort der Bundeswehr bei der Messe abgedruckt. Ganz am unteren Ende ist noch zu lesen: „Echte Kameradschaft statt Single-Player-Modus? Mach, was wirklich zählt. Lerne Teamwork kennen, und bewirb dich für eine Karriere bei der Bundeswehr.“ Am unteren Ende der zweiten Version ist zu lesen: „An deine Grenzen gehen statt in deinem Level festhängen?“

          „Krieg spielen oder für den Frieden kämpfen?“

          Es dauerte keinen Tag, da erregten sich die Menschen in sozialen Netzwerken – darunter eingefleischte Videospieler ebenso wie Menschen, die Videospiele allenfalls aus der Zeitung kennen. Das führte so weit, dass manche auf satirische Fälschungen reinfielen, die später die Runde machten. Der Tenor der Vorwürfe: Hier wird Krieg mit Videospielen gleichgesetzt. Auf ihrem Twitterkanal legte die Bundeswehr nach: „Schon unsere Werbung zur #Gamescom gesehen? Wir wollen zum Nachdenken darüber anregen, was wirklich zählt: Krieg spielen oder Frieden sichern?“ In einer Stellungnahme schreibt ein Sprecher der Bundeswehr: „Die Kernfrage, die wir dabei stellen, ist: ,Krieg spielen oder für den Frieden kämpfen?‘ Mit der Plakatierung wollen wir junge Erwachsene im Umfeld der Gamescom zum Nachdenken bringen, wofür sie ihre Zeit bzw. Zukunft einsetzen.“

          Im Kontext der Gamescom versagt die von der Bundeswehr noch einmal betonte Wirkmechanik der Kampagne jedoch: Die Plakate stören die Gestaltung der üblichen Videospielwerbeplakate weder, noch unterlaufen sie diese – der vermeintliche Denkanstoß geht im Gedränge unter. Hängenbleiben im Vorbeigehen vier Begriffe: „Multiplayer“, „Open World“, „Karriere“ und „Bundeswehr“. Bei einer auf den ersten Blick – und nur der zählt bei Werbekampagnen – derartigen Eindimensionalität dürfte es den meisten Betrachtern schwerfallen, um die Ecke zu denken. Der Sprecher aus Köln schreibt: „Auf den zweiten Blick erkennt man darin jedoch die Werte der Bundeswehr – Kameradschaft und der Einsatz für eine freie Welt.“

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