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Fußball im Fernsehen : Wir Dreifachzahler

So übersichtlich wie das leere Stadion des FC Augsburg ist die Aufteilung der Senderechte für den Profifußball leider nicht. Bild: Hoermann/SvenSimon/Pool/Witters

DAZN geht in die Offensive, Sky muss kämpfen, die Sportschau fasst zusammen – wer zeigt was in der kommenden Fußballsaison?

          3 Min.

          Wie auf so vielen Feldern hat die Pandemie auch im Fußball wie ein Vergrößerungsglas funktioniert: Deutlicher als zuvor ist der internationale Profifußball als Fernsehsportart kenntlich geworden. Nicht nur, weil keine Zuschauer in die Stadien durften und wir uns vor den Bildschirmen der Dramaturgie der Bildregie unterwerfen mussten.

          Peter Körte
          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Sondern auch, weil der Profifußball nur überlebensfähig blieb dank der immensen Summen, die Fernsehsender und Streamingportale für die Übertragungsrechte bezahlen. Auch in der neuen Saison, die für die Bundesliga am kommenden Freitag beginnt, wird das so bleiben, selbst wenn eine limitierte Anzahl von Zuschauern nun in die Stadien darf.

          Zugleich hat jedoch die Konkurrenz um die Rechte in den letzten Jahren zu Bewegung und Machtverschiebungen auf dem Markt geführt. Das bisschen Live, das sich die öffentlich-rechtlichen Sender noch gönnen können oder wollen, kann man gleich vergessen.

          Machtverschiebungen auf dem Markt

          Wer Bundesliga sehen will und Champions League, wird nun zwangsläufig zum Dreifachzahler, weil er neben der Zwangsabgabe für Zusammenfassungen in ARD und ZDF auch Sky und DAZN bezahlen muss, die nun die erste Liga untereinander aufgeteilt haben.

          106 Partien (die Freitags-und Sonntagsspiele) wird der Streamingdienst übertragen, die übrigen 200 bleiben bei Sky. Wer seinen Club durch die Saison begleiten will, den kostet das 14,99 Euro monatlich (oder umgerechnet 12,50 Euro im Jahresabo) bei DAZN und dazu noch 25 Euro für das Bundesligaabo bei Sky.

          Bei Sky ist die Zweite Bundesliga im Preis inbegriffen. Wer auch noch den DFB-Pokal, die englische Premier League oder die Formel 1 haben möchte, bekommt das Gesamtpaket bei Sky für 30 Euro monatlich.

          Oder man entscheidet sich für ein Sky-DAZN-Bundesliga-Kombiangebot für 32,50 Euro – ohne Pokal und britische Kicker. Aus der Champions League ist Sky ganz verdrängt, die bekommt man dafür mit dem DAZN-Abo, zusammen mit spanischer, italienischer und französischer Liga, mit Basketball, Baseball und Football.

          DAZN will eine „neue Ära“

          Bei DAZN spricht man deshalb von einer „neuen Ära“ und geht in die Offensive: „Ab August sind wir die Nummer eins für alle Fußballfans in Deutschland.“ Klar, dass sich da auch einiges verändern wird auf der Plattform.

          Man wird den Vorlauf bei den Freitagsspielen und mindestens einem Sonntagsspiel auf eine Stunde erweitern. Außerdem soll es statt eines klassischen Fernsehstudios einen „DAZN-Space“ geben, aus dem am Samstagnachmittag zwischen 15 und 17.30 Uhr, wenn Sky die Bundesliga überträgt, verschiedene Showformate gesendet werden sollen, mit „Comedy- und Gamification-Elementen“.

          Über eine tägliche Fußballshow wird ebenfalls nachgedacht. Ob man mit mehr Beiwerk, mit Moderatorinnen wie der neu verpflichteten Laura Wontorra dem bisherigen Präsentationsstil und der Maxime „Das Stadion ist unserer Studio“ treu bleiben kann, wird man sehen.

          Interessant wird auch, wie Sky sich weiter behauptet im seit Jahren andauernden Rückzugsgefecht. Alle Fans, deren Club in die zweite Liga abgestiegen ist oder einfach nicht wieder aufsteigen will, werden dem Bezahlsender erhalten bleiben und können, wie ihr Club, mit einem kleinerem Etat wirtschaften.

          Trost für Drittligisten

          In den Drittligafußball Verbannte müssen, und sei es nur für eine Saison, Magenta-TV buchen. Wer Festnetz- oder Mobilfunk-Kunde der Telekom ist, guckt zwei Jahre lang gratis; ist der eigene Verein dann immer noch nicht wieder aufgestiegen, werden 4,95 Euro pro Monat fällig. Dass man mit den dritten Programmen der ARD, die insgesamt 86 der 380 Spiele übertragen, auskommt, ist sehr unwahrscheinlich.

          Preiswerter wird es dann, wenn der eigene Club auch noch in der Europa League spielt, da ist man bei den RTL-Sendern (RTL, Nitro, TVNow) meist umsonst dabei. Und wer, wie Union Berlin, das zweifelhafte Vergnügen hat, in der völlig überflüssigen neuen Europa Conference League zu spielen, auf die nicht nur Union-Profi Max Kruse keinen Bock hat, wird ebenfalls bei RTL bedient.

          Und weil man, wie schon Trude Herr wusste, niemals so ganz geht, werden alle, deren Verein kurz vorm Verschwinden aus dem bezahlten Fußball steht oder schon verschwunden ist, vom Streamingportal Sporttotal.tv getröstet.

          Niemals geht man so ganz

          Das Unternehmen, das auch Übertragungen von Großveranstaltungen für Fernsehsender und Wirtschaftsunternehmen ausrichtet, stellt Amateurvereinen die Videotechnik zur Verfügung, mit der Partien live und vollautomatisch im Internet übertragen werden können.

          In Kooperation mit dem DFB zeigt man Regionalligapartien und Begegnungen aus tieferen Klassen. So können auch diejenigen sichtbar sein, die sportlich tief gefallen oder nie höher gestiegen sind.

          Für alle Internationalisten oder in Deutschland ansässigen Anhänger von Fußballclubs aus aller Welt schließlich, die von DAZN und Sky nicht versorgt werden, bleibt das Angebot von Sport digital.

          Für seriöse 4,99 Euro pro Monat kann man die polnische, niederländische, portugiesische, tschechische und zweite englische Liga gucken. Auch die argentinische, brasilianische und die nordamerikanische Liga gehören zum Paket, dazu die Copa Libertadores, das südamerikanische Pendant zur Champions League. Und wem das noch immer nicht reicht, den sättigen vielleicht die Topspiele aus Japan, Südkorea und Australien.

          Dafür allerdings wird, wer unbedingt live gucken will, wohl seinen Schlafrhythmus umstellen müssen wie gerade noch für die Olympischen Spiele in Tokio, obwohl die vor Ort im Grunde kaum einer wirklich haben wollte. Im Profifußball jedenfalls wäre es heute undenkbar, dass man um 13 Uhr mitteleuropäischer oder 9 Uhr lateinamerikanischer Zeit ein WM-Finale überträgt.

          Das war, als die WM 2002 in Japan und Südkorea ausgetragen wurde, ein mittleres Desaster. Und das beweist ein weiteres Mal, auch ohne Pandemie, dass es sich bei der Fernsehsportart Fußball und dem Fußball, den man im Stadion sieht, zumindest in ökonomischer Perspektive um zwei sehr verschiedene Sportarten handelt.

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