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Bully Herbigs neue Sitcom : Wir trinken Prosecco, und die Indianer sprechen Dialekt

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Die Sehnsüchte des Bully Herbig: Seine neue Sitcom ist kein Marketing-Gag, auch wenn es auf den ersten Blick danach aussieht. Bild: Pro Sieben

„Wir machen hier keinen Komödienstadl“: Michael „Bully“ Herbig offenbart in seiner Sitcom „Bully macht Buddy“ neue Qualitäten. Und sorgt für eine Pointendichte, die man hierzulande kaum kennt.

          Selbstverständlich wird hier geklaut. Für die Sitcom „Bully macht Buddy“ haben sich die Autoren Tanja Sawitzki und Markus Barth amerikanische Vorbilder angesehen. „Two and a half Men“ lassen grüßen, wenn ein Filmproduzent (Herbig) gezwungenermaßen seinem arbeitsscheuen Freund Rick (Rick Kavanian) und dessen furzender und fressender Schwester Aida (Gisa Flake) in seiner Wohnung widerwillig Asyl gewährt, während seine Freundin Nina (Sandra Koltai) mit ihm Schluss macht. Denn statt ihren fünften Jahrestag zu feiern, denkt Bully nur an die Finanzierung seines nächsten Films. Dafür flirtet er mit Sarah Connor, umgarnt einen schwäbischen Müsli-Hersteller oder verspricht potentiellen Finanziers, dass im neuen Film Prosecco getrunken werde und Indianer und lustige Dialekte vorkommen.

          Tun sie natürlich nicht. Denn Bullys neuer Film „Buddy“ ist längst fertig, kommt am 25. Dezember in die Kinos und zeigt den Münchner Comedian und Filmemacher in der Rolle eines Schutzengels. Die Wartezeit kann man sich nun an sechs Montagen mit der Sitcom „Bully macht Buddy“ bei Pro Sieben vertreiben: ausdrücklich kein Marketing-Gag oder der am längsten verlängerte Trailer der Filmgeschichte, sondern ein eigenständiges Werk.

          Keine gute Aussicht: „Two and a half Men“ sind nicht weit, wenn  Filmproduzent (Herbig) seinem arbeitsscheuen Freund Rick (Rick Kavanian)  widerwillig Asyl gewährt.

          Der Pro-Sieben-Geschäftsführer Wolfgang Link mochte sein Glück bei einer internen Vorführung in der Münchner Bavaria, wo die Sitcom vor 180 Zuschauern in Halle 9 aufgezeichnet worden war, kaum fassen. Er sei „megaglücklich“, ließ er alle Anwesenden wissen, dass Bully Herbig zu seinem Sender zurückgekehrt sei, „in einem Genre, das er bisher noch nicht bedient hat: eine Sitcom, die gedreht ist wie amerikanische Sitcoms - vor Livepublikum.“ Glaubt man den Schilderungen, dann reichte ein Anruf von Herbig: „Da sagt man sofort ja, und dass das auf einen Film hinführt, ist ganz toll.“ Link, bei dessen Sender die „Bullyparade“ (bis 2004) und „Bully & Rick“ (bis 2006) liefen, hätte gern gleich mehr: „Diese Sitcom steht für sich, das heißt, sie könnte auch in die Verlängerung gehen. Wir könnten sofort nächstes Jahr weitermachen.“ Doch davon will Bully Herbig noch nichts wissen. Er habe mal wieder nicht geahnt, auf was er sich einlasse. Kaum habe er den Kinofilm im Rohschnitt gesehen, habe er an den Büchern für die Sitcom feilen müssen.

          Bully Herbig ist ein Perfektionist

          Was dann geschah, schildert Rick Kavanian: „Bully ist der entscheidende Faktor. Er ist ein großer Perfektionist. Er hat Spaß daran, das Beste aus seinen Möglichkeiten herauszuholen. Er hat bei den Aufzeichnungen bis zuletzt an den Texten poliert. Wenn eine Pointe beim Publikum nicht so gezündet hat, wie wir uns das vorstellten, haben wir unterbrochen und noch einen alternativen Take gedreht und Sätze umgestellt, bis es gefunkt hat.“ Kavanian ist nicht nur Freund, sondern geradezu Fan von Bully Herbig. Schon bei der früheren Zusammenarbeit habe sein Kumpel Tempogefühl bewiesen, und rasend schnell Bilder geschnitten. Für eine Fortsetzung veranschlagt Kavanian wegen Herbigs Perfektionismus „ein Jahr Vorbereitungszeit“. Er selbst würde „das gern noch mal machen“. Kavanian ist ehrlich genug, „Bully macht Buddy“ einzuordnen: „,Two and a half Men‘, zu dem es natürlich Ähnlichkeiten hat, und ,Big Bang Theory‘ spielen noch in einer anderen Liga. Das ist ja Wahnsinn, wie die sich auf den Text verlassen. Charlie Sheen konnte sich deshalb diese Lässigkeit leisten, manchmal nichts zu machen. Dafür musst du bombige Texte haben. Ich sag mal vorsichtig: Das ist Zukunftsmusik. So weit sind wir noch nicht.“

          Quatsch mit Soße, so soll es sein: Sarah Connor hat für Michael „Bully“ Herbig etwas übrig.

          Gleichwohl ist die Pointendichte von „Bully macht Buddy“ für hiesige Verhältnisse extrem hoch. Manche Schenkelklopfer gibt es freilich auch. Wenn Rick etwa seinem Freund Bully erklärt, er müsse bei ihm unterschlüpfen, weil sein Haus renoviert werde und er Angst habe, dass seine Schwester Aida von den Arbeitern angebaggert werde, entgegnet Herbig stoisch: „So einen großen Bagger gibt’s doch gar nicht.“ Auch für einen Gag mit den Namen für die Brüste seiner Freundin ist sich Herbig nicht zu schade. Aber wahrscheinlich wäre es keinem außer ihm gelungen, Prominente in Cameo-Auftritten zu so viel Selbstironie zu bewegen. Sarah Connor lacht, wenn er in Anspielung auf ihren Nationalhymnen-Fauxpas lästert, die Sängerin könne sich ohnehin nur die Textzeile „From Sarah with Love“ merken. Elyas M’Barek bekommt als „deutsche Ausgabe von George Clooney“ sein Fett ab. Und auch Sascha, Bosshoss und Wigald Boning müssen Nehmerqualitäten beweisen.

          Herbig hat bei den Aufzeichnungen erfasst, wie scharf die Trennlinie zwischen Sitcom-Gag und Volkstheater-Lacher ist. „Wir machen hier keinen Komödienstadel“, habe er sich und die Mitspieler ermahnen müssen, wenn man im Beifallssturm des Publikums zu sehr auf die Tube drückte. Der Vorwurf, er habe bei amerikanischen Sitcoms geklaut, wurmt ihn sichtlich. Er schwöre, er habe noch nie eine Folge einer amerikanischen Sitcom zu Ende gesehen, da seien die vielen Werbepausen vor und der Hunger seines Sohnes. Die Tatsache, dass die meisten Dialoge auf einer Couch stattfinden, sei auch kein Indiz: „Jede Sitcom spielt auf einer Couch.“ Die vielen englischen Sitcom-DVDs, die ihm der Constantin-Produzent Otto Steiner unter die Tür schob, habe er auch nicht angeschaut. Man merkt, dass Herbig stolz auf diese, seine Sitcom ist: „Mich hat es bei der Vorführung jetzt gerade schon wieder gerissen.“ Ein Comedian, der über sein eigenes Werk lachen kann - auch das ist Qualitätsnachweis. Und Bully Herbig hat bei dieser Vorführung wirklich nicht allein gelacht. Mit ihm ist die deutsche Sitcom auf einem guten Weg.

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