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Bürger-Journalismus in Burma : Die Geheimbotschaften des Rikschafahrers

  • -Aktualisiert am

Nicht mehr unter Hausarrest: Aung San Suu Kyi kann sich in diesen Tagen öffentlich zeigen Bild: dpa

2007 schlugen Burmas Machthaber den Aufstand der Opposition nieder. Unter Gefahr für Leib und Leben schmuggeln zivile Reporter aber noch immer Bilder des Widerstands außer Landes. Das Regime hat berechtigte Angst.

          Eine ganze Weile schon läuft der junge Mann im blauen Wickelrock und einem sorgfältig gebügelten weißen Hemd in der Nähe der Shwedagon-Pagode - dem Wahrzeichen des Landes - umher. Unter seinem Arm klemmt eine Ausgabe der Juntazeitung „The New Light of Myanmar“. Das ist das verabredete Zeichen. Er will nicht mit einem Ausländer gesehen werden. Deswegen muss ich ihm in ein Slum-Viertel der burmesischen Hauptstadt Rangun folgen.

          In der Wohnung eines Freundes begrüßt er mich. Sein Händedruck ist so weich, als hätte er keine Knochen. Er schaut immer wieder aus dem Fenster, lässt seinen Blick über die Straße schweifen. „Nennen Sie mich Nyan Win“, sagt er. Es ist nicht sein richtiger Name. „Hier war damals unsere Zentrale. Morgens trafen wir uns, diskutierten und zogen los, um der Welt zu zeigen, dass wir von brutalen Generälen beherrscht werden.“

          Bilder von schlechter Qualität, aber hoher Brisanz

          Drei Jahre sind vergangen, seit die Machthaber abermals gegen das Volk vorgegangen sind. Ende September 2007 waren Hunderttausende auf den Straßen und hatten demokratische Reformen verlangt. Die friedliche „Safran-Revolution“ war von den Militärs mit Waffengewalt niedergeschlagen worden. Hunderte Mönche und Oppositionelle kamen ins Gefängnis, viele sind in den Untergrund gegangen oder ins Ausland geflohen.

          Rangun, September 2007: Das Militär schlägt die friedliche „Safran-Revolution” mit Gewalt nieder

          Nyan Win sagt, er habe sein Leben lang auf diesen Moment gewartet. Schon immer habe er sich für die Demokratie einsetzen wollen, aber aus Angst geschwiegen. Bis zum September 2007 hat er sich nicht journalistisch betätigt, er gehörte keiner regimekritischen Gruppe an. Er ist Rikschafahrer, muss seine Familie mit den wenigen Kyat über die Runden bringen, die er verdient. Es sei Zufall gewesen, dass er zum Netzwerk von Undercover-Journalisten der „Democratic Voice of Burma“ (DVB) gestoßen sei. Der Sender wird von Exil-Burmesen betrieben und hat seine Zentrale im norwegischen Oslo. Neben fünfzig Journalisten berichten etwa fünfzig Bürger-Reporter verdeckt aus Burma. Weil Nyan Win nicht auf der Straße demonstrieren wollte, nur „um mich dann dort erschießen zu lassen“, hat er sich der Gruppe angeschlossen.

          Es drohen Folter und lebenslange Haft

          Ein Netzwerk einheimischer Videoreporter übermittelte zwei- bis dreimal am Tag per Internet Botschaften, Fotos und Digitalfilme der Proteste. Die Bilder waren oft von technisch magerer Qualität, aber hochbrisant. Einer von Nyan Wins Mitstreitern hielt fest, wie ein burmesischer Soldat den japanischen Journalisten Kenji Nagais auf offener Straße regelrecht hinrichtete. Weil die Videoreporter heimlich drehen mussten, ist vieles auf Hüfthöhe gefilmt. Es sind verwackelte Szenen demonstrierender Mönche und grobkörnige Aufnahmen aufmarschierender Sicherheitskräfte. Bis heute arbeiten die Videoreporter im Verborgenen. Sie riskieren Folter und lebenslange Haft. Es gilt nicht nur, ungesehen zu filmen, sondern auch das Material aus dem Land zu schmuggeln.

          Dass es den Generälen nicht gelang, den Nachrichtenfluss zu unterbinden, ist ein Glücksfall für die burmesische Opposition und für die Welt. Denn bei der blutigen Niederschlagung der Aufstände von 1988 war noch kaum Material zu bekommen, von der ausländischen Presse fast unbemerkt, metzelte die Armee Tausende Demonstranten nieder. Bei der „Safran-Revolution“ tauchten ständig neue Bilder auf, die Weltöffentlichkeit nahm Notiz.

          Ausländische Berichterstatter nicht zugelassen

          „Wir haben die Polizisten heimlich gefilmt, und sie haben uns ganz offensichtlich gefilmt“, sagt Nyan Win, lacht und zeigt seine vom Kauen der Betelnüsse geröteten Zähne. Sie schickten oder schmuggelten ihr Material ins thailändische Chang Mai, wo sich ein Büro des Senders DVB befindet. Von hier aus gingen die Nachrichten an die Zentrale in Oslo und dann per Satellit zurück nach Burma und in den Rest der Welt. Die Bilder liefen bei CNN und bei der BBC. Die Videoreporter waren die einzigen Augenzeugen, die der Welt von dem Drama berichten konnten. Ausländische Journalisten sind unerwünscht, viele Korrespondenten stehen auf der schwarzen Liste, bekommen also kein Visum für Burma. Bei der letzten inszenierten Wahl im November des vergangenen Jahres wurden ausländische Berichterstatter nicht zugelassen.

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