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Bruno Jonas : Eine lahme Ente will er nicht sein

Die Pause könnte länger dauern als ein Sabbat-Jahr: Jonas lässt den „Scheibenwischer” ruhen Bild: ddp

Der Kabarettist Bruno Jonas verlässt den „Scheibenwischer“ für ein Jahr - oder auch für immer. Jonas' Auszeit wurde durch eine Indiskretion seitens der ARD bekannt und beschert ihm nun eine achtmonatige „Scheibenwischer“-Abschiedstournee.

          Die Kreativpause hat im Fernsehen eine gewisse Tradition, selten aber wird sie so zeitig angekündigt wie diesmal. Bruno Jonas, so war zu hören, nimmt eine einjährige Auszeit vom „Scheibenwischer“ - und zwar vom Jahr 2009 an . Sein vorerst letzter Auftritt in der Kabarettsendung wird am 30. Dezember sein. Vorbildlich, wie früh in der ARD über personelle Wechsel informiert wird? Das Gegenteil ist der Fall. Jonas selbst wollte seinen Rückzug erst im Herbst bekanntgeben; eine Indiskretion hat ihm nun eine achtmonatige „Scheibenwischer“-Abschiedstournee beschert und setzt ihn der Gefahr aus, als kabarettistische lame duck zu gelten. Parallelen zwischen sich und dem amerikanischen Präsidenten sieht Jonas freilich keine, schon gar nicht mit dem derzeit amtierenden.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Seit 1985 tritt Jonas im „Scheibenwischer“ auf, seit acht Jahren zählt er zu dessen Stammbesetzung - zunächst noch an der Seite Dieter Hildebrandts, seit Januar 2004 mit Mathias Richling. Dritter Mann war zunächst Georg Schramm, der nach zwei Jahren im Streit um die künstlerische Linie ging und kurz darauf beim neuen ZDF-Konkurrenten „Neues aus der Anstalt“ einstieg. Schramms Nachfolger Richard Rogler blieb nur anderthalb Jahre. Nun verabschiedet sich auch noch Jonas, dessen „schonungslose Politsatire“, wie es auf der „Scheibenwischer“-Homepage heißt, ihn „auch für den neuen Scheibenwischer unverzichtbar“ mache. Anders als Schramm führt Jonas rein persönliche Gründe für seinen Ausstieg an: „Ich möchte noch mal was anderes machen, etwas Distanz gewinnen und den Horizont neu aufspannen“, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung. Zu viele andere Projekte seien über die Jahre liegengeblieben. Er lege kein Sabbatjahr ein, wohl aber ein „fernsehfreies Jahr“, werde weiterhin schreiben und auf der Bühne stehen - und mit den Sendern RBB und BR „über andere satirische Formate nachdenken“.

          Würden sich jüngere Kollegen im „Scheibenwischer“-Korsett wohlfühlen?

          Ungewollt nährt Jonas die Debatte, ob sich der „Scheibenwischer“ überlebt habe. Die Quote ist mit rund zwei Millionen Zuschauern für den späten Sendeplatz ordentlich, allerdings wirkt „Neues aus der Anstalt“ frischer und hat häufig die interessanteren Gäste. Noch ist offen, ob Richling vom kommenden Jahr an allein mit wechselnden Gästen oder mit einem neuen festen Partner weitermachen wird - womöglich mit einem, der diesseits der fünfzig ist, bislang das inoffizielle Mindesteintrittsalter für „Scheibenwischer“-Gastgeber. Doch würden jüngere Kollegen sich im starren „Scheibenwischer“-Korsett wohlfühlen? Jonas will der Redaktion keine Ratschläge geben und hält Alter selbst für kein Kriterium. Auch der Litanei, dass das Kabarettpublikum überaltert sei, mag er sich nicht anschließen. „Das Alter ist die Zukunft“, glaubt er.

          Möglich, dass seine „Scheibenwischer“-Abstinenz von Dauer sein wird. Befragt, ob er zu der Sendung zurückkehren werde, antwortet Jonas: „Ich will's nicht ausschließen.“ Ein Schwur ewiger Treue klingt anders. So bleibt als feste Größe nur Richling, der sein Parodienpanoptikum in der letzten Sendung um Andrea Ypsilanti erweitert hat: „Das war keine Lüge, weil jeder vor der Wahl gewusst hat, dass es eine Lüge ist. Ich habe nur die Lüge wahrheitsgemäß umgesetzt.“ Für solche launigen Nummern, die das Publikum am Ende fast jedes „Scheibenwischers“ für zuvor durchgekaute härtere Kost entschädigen, dürfte er künftig noch mehr Zeit haben.

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