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Sichtbarkeit von Likes : Instagräm dich doch!

Wir lieben Likes: Instagram Bild: AFP

Entmündigung als Fürsorge: Instagram erklärte, weltweit das Verstecken von Likes seiner Nutzer erproben zu wollen. Jetzt soll eine Browser-Erweiterung sie wieder sichtbar machen.

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          Es war eine wohlfeile Beteuerung, mit der Adam Mosseri, Instagram-Chef im Facebook-Imperium, im Sommer im Gespräch mit dieser Zeitung Experimente im populären sozialen Netzwerk für Fotos und Videos begründete: „Wir wollen nicht, dass sich die Menschen schlecht fühlen, während sie die Plattform verwenden, wir wollen das Gegenteil.“ In einer Zeit, in der vor allem Facebook selbst in der Kritik steht, weil der Konzern keine akzeptable Lösung gegen die Verbreitung von Hass, Hetze und Lüge findet, erprobte Mosseri ein einfaches Verfahren, damit es den Nutzern auf Instagram bessergeht: In einigen Ländern ließ er einige Nutzer die bei allen Beiträgen angezeigten Likes aller Nutzer schlicht nicht mehr sehen.

          Wer die eigenen Zahlen mit denen anderer verglichen und sich herausgefordert oder missachtet, in jedem Fall emotional abhängig fühlt, wird dadurch, so die Annahme des Unternehmens, von diesem Druck befreit. Die Möglichkeit für die Nutzer, ihre Begeisterung mit einem Like auszudrücken, blieb selbstverständlich ebenso bestehen wie die Auswertung dieser Interaktion für Werbeausspielungen und die Sortierung der angezeigten Beiträge: Wann immer Facebook beteuert, mit Einstellungen die Privatsphäre seiner Nutzer besser zu schützen, geht es nicht um die Erzeugung, Speicherung und Auswertung von Daten durch das Unternehmen selbst, sondern nur um die Sichtbarkeit solcher Daten für andere. Einmal mehr wird Entmündigung als Fürsorge verkauft.

          Erst Mitte November hatte die Instagram-Managerin Tara Hopkins die Ergebnisse der ersten Tests positiv genannt und deren Ausweitung auf die ganze Welt angekündigt – schließlich wäre die erwogene Ausblendung der Likes eine „grundlegende Änderung für Instagram“, die man nicht ohne Feedback der „globalen Community“ vornehmen wolle. Jetzt hat die Firma Socialinsider, auf Datenanalyse spezialisiert, eine Erweiterung für den von Google entwickelten Browser Chrome vorgestellt, mit der auch die Likes der anderen wieder zu sehen sein sollen –wenn schon nicht in der Smartphone-App des naturgemäß mobil äußerst beliebten Netzwerks Instagram, so doch zumindest in der Internet-Variante. Wer will, kann die eigenen Zahlen wieder mit denen anderer vergleichen, wie es das Unternehmen selbst nach wie vor macht.

          Im Jahr 2011 war es der Künstler und Kunstdozent Ben Grosser, der mit einem selbstgeschriebenen Add-on für seinen Browser die Anzeige der Likes bei Facebook ausblendete, weil er merkte, welche unsinnige Wichtigkeit er ihnen beizumessen begann. Jetzt hat „The Return of the Likes“ die gegenteilige Absicht, aber ein verwandtes Motiv: Beide Zusatzprogramme belassen die Handlungshoheit bei emotionaler Abhängigkeit dort, wohin sie gehört – bei den Nutzern.

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