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Britneys Comeback : Zur Abwechslung mal ein blondes Dummchen

  • -Aktualisiert am

Erstaunlich komisch: Britney Spears als Gaststar in einer CBS-Sitcom Bild: CBS/Cliff Lipson

Die Leute, die derzeit die Öffentlichkeitsarbeit für Britney Spears machen, sind offenbar keine Anfänger. Nach turbulenten Monaten ist die Sängerin jetzt selbstbestimmt ins Fernsehen zurückgekehrt - als Witzfigur im geschützen Raum einer Sitcom-Episode.

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          Als blondes Dummchen namens Abby hat Britney Spears die populäre Serie beehrt, die eine peppige Neuauflage von „Friends“ darstellt - es geht um fünf Freunde und um deren Beziehungsnöte. Britney Spears gastierte schon zum zweiten Mal bei „How I Met Your Mother“; Ende März war sie dort unter Pseudonym erschienen, was der Serie prompt hohe Einschaltquoten und die Verlängerung für eine weitere Saison bescherte. Schon da vermochte es Britney Spears, ihr Image als selbstzerstörerisches Nervenbündel zu konterkarieren.

          Kein Absturz eines Stars ist so gnadenlos detailliert dokumentiert worden wie der ihre. 83 Millionen Platten hatte sie verkauft, bevor sie die Klatschmagazine beschäftigte. Anfang 2006 hatten Bilder die Runde gemacht, die sie zeigten, wie sie mit ihrem Säugling auf dem Schoß hinterm Steuer saß, um einer Meute Fotografen zu entkommen, über Nacht fiel sie als vermeintliche Rabenmutter in Ungnade. Als sie sich im selben Jahr, wenige Wochen nach der Geburt ihres zweiten Sohnes, in einer lauen Partynacht sans Dessous ertappen ließ, stand das Verdikt fest.

          Ein zaghafter Schritt zurück in die Öffentlichkeit

          Sie wies sich selbst in eine Entzugsklinik ein, zog schnell wieder aus und ließ sich eine Glatze rasieren. Ihr geplantes Comeback bei den „MTV Video Music Awards“ im September 2007 war ein Fiasko, sie stolperte lustlos über die Bühne und konnte dem Playback kaum folgen. Ihre Plattenfirma strich sämtliche Auftritte. Im Januar 2008 schließlich waren Paparazzi zur Stelle, als sie sich in einem hysterischen Anfall vor ihrem Haus weigerte, ihre Kinder dem Vater Kevin Federline zu übergeben und später mit einer Ambulanz abtransportiert wurde. Das Drama endete mit der Einweisung in die Psychiatrie, der vorübergehenden Aufhebung der Besuchsrechte bei ihren Kindern und der Entmündigung. Nun also ein zaghafter Schritt zurück in die Öffentlichkeit - nicht auf einer Bühne, sondern im geschützten Raum einer Fernsehkomödie.

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          Der Kontrast zu dem Gepräge, mit dem sich Tom Cruise in der vergangenen zurückgemeldet hat, könnte kaum schärfer sein. Cruise tat öffentlich Abbitte für sein skurriles Auftreten in den vergangenen Monaten - in der Talkshow von Oprah Winfrey war er seltsam (angeblich schwerverliebt) auf dem Sofa herumgehopst, er hatte wiederholt die Psychiatrie als eine Nazi-Wissenschaft gegeißelt und war schließlich in dem viel beachteten Werbevideo von Scientology zu sehen. Nun lud Cruise die Talkmasterin Oprah Winfrey in sein Haus in Colorado ein, ließ sich von der Päpstin der amerikanischen Unterhaltungskultur mit vermeintlich scharfen Fragen prüfen („Was war los, Tom?“) und am Ende die Absolution erteilen: Karriere gerettet.

          Aufräumarbeiten statt Provokation

          Britney Spears scheute den öffentlichen Kotau offenbar, und man kann es ihr nicht verdenken. Stattdessen trat sie, nicht ohne Selbstironie, als blonde Beschränktheit in Erscheinung, an ihrer Figur entzündete sich ein kleines, skurriles Eifersuchtsdrama. Und Britney Spears war darin erstaunlich komisch. Dies war keine angestrengte Selbstreinigung, wie sie Tom Cruise („Ich will niemandem sagen was er zu tun hat“) unternahm. Britney Spears machte einfach weiter, wo sie vor ihrem Nervenzusammenbruch aufgehört hatte. Im März 2006 nämlich war sie in der NBC-Serie „Will & Grace“ aufgetreten und hatte eine konservative Christin aus den Südstaaten gespielt, die mit ihrer lesbischen Neigung nicht klar kommt. Der Protest christlicher Gruppen kam wie erwartet. Britney Spears jetzigen Auftritt aber kann nur als Provokation verstehen, wer dahinter die perfekte Camouflage vermutet.

          Diesmal war nicht Provokation, sondern die Rückkehr zu einem aufgeräumten Image angesagt. Das ist Britney Spears gelungen. Ob ihr die kapriziöse Öffentlichkeit diese eher gelassene Geste als Renaissance durchgehen lässt, bleibt abzuwarten.

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