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Emmys 2014 : „Breaking Bad“, „Modern Family“ und andere alte Bekannte

  • -Aktualisiert am

Bryan Cranston wird von Julia Roberts als Hauptdarsteller der Serie „Breaking Bad“ mit einem Emmy ausgezeichnet. Bild: AFP

Bei der Verleihung des Fernsehpreises in Los Angeles liefen ungewöhnlich viele Oscar-Preisträger über den roten Teppich. Goldene Trophäen blieben für McConaughey & Co. aber aus.

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          Das Beruhigungsmittel, um das Julia Louis-Dreyfus auf dem roten Teppich gebeten hatte, war dann doch überflüssig. Nicht ganz unerwartet gewann die „Veep“-Darstellerin in der Nacht zu Dienstag den dritten Emmy für ihre Rolle als amerikanische Vizepräsidentin Selina Meyer, erwiderte auf dem Weg zur Bühne leidenschaftlich Bryan Cranstons Küsse und schaffte es auch noch, den Autoren, dem Sender HBO und überhaupt „Everybody“ zu danken. Mit der Mischung aus Professionalität und leichtem Beben in der Stimme, die in der Vergangenheit meist den Dankesreden der Oscar-Gala vorbehalten blieb.

          Vor Beginn der 66. Emmy Awards war schon das Schaulaufen auf dem roten Teppich vor dem Nokia Theater in Los Angeles ungewohnt glamourös ausgefallen. Stars wie Katherine Heigl, Kerry Washington und Claire Danes gaben brav über die Designer ihrer Roben Auskunft, ließen sich von den Moderatoren verschiedener Sender zu Selfies überreden und plauderten wohlwollend über die Konkurrenz. Matthew McConaughey, vor fünf Monaten für das Filmdrama „Dallas Buyers Club“ mit einem Oscar ausgezeichnet und in diesem Jahr auch als Detektiv Rust Cohle in der Krimiserie „True Detektive“ für den Fernsehpreis Emmy nominiert, lobte derweil die Gleichwertigkeit von Leinwand und der vermeintlichen Flimmerkiste.

          Emmy Awards : „Breaking Bad“ räumt ab

          Seriensieg im leichten Fach

          „Die Verbindung von Film und TV ist längst kein Tabu mehr“, verkündete der Schauspieler. Auf die goldene Emmy-Trophäe als bester Hauptdarsteller in einem Seriendrama musste der Texaner aber verzichten. Die amerikanische Fernsehakademie überreichte die Statue zum vierten Mal Louis-Dreyfus‘ Kusspartner und früherem „Seinfeld“-Kollegen Bryan Cranston, der bei „Breaking Bad“ nach einer Krebsdiagnose vom Chemielehrer zum Drogenmischer mutierte. Aaron Paul, bis zum Serienende im vergangenen Jahr als sein früherer Schüler Jesse Pinkman berühmt geworden, gewann den Emmy als bester Nebendarsteller in einem Seriendrama, während Ko-Star Anna Gunn als herausragende Nebendarstellerin in der Rubrik Drama geehrt wurde.

          Laudatorin Julia Roberts Bilderstrecke
          Laudatorin Julia Roberts :

          „Vielen Dank für diesen Abschied. Die Akademie war wirklich freundlich zu uns“, meinte Serien-Erfinder Vince Gilligan, als „Breaking Bad“ auch mit einer Goldstatue als bestes Fernsehdrama ausgezeichnet wurde. Als beste Drama-Hauptdarstellerin wurde Julianna Margulies („The Good Wife“) belohnt. „Es ist eine tolle Zeit für Frauenrollen im Fernsehen“, lobte die Schauspielerin, die im Jahr 2005 bereits für die Serie „ER“ und sechs Jahre später für „The Good Wife“ einen Emmy erhielt.

          Die Sitcom „Modern Family“ gewann zum fünften Mal in Folge in der Kategorie „Outstanding Comedy Series“. Damit holte sie die Serie „Frasier“ ein, die bislang als einzige einen fünfjährigen Emmy-Siegeszug vorweisen konnte. Netflixs Gefängniskomödie „Orange Is The New Black“ um den fünfzehn Monate langen Ausflug der bisexuellen Piper hinter Gitter überzeugte die Juroren der Academy of Television Arts & Sciences (ATAS) dagegen nicht. Nach einem optimistischen Gang über den fast 150 Meter roten Teppich saß die Hauptdarstellerin Taylor Schilling später betreten im Nokia Theater, während Moderator Seth Meyers vergleichsweise zahme Spitzen losließ.

          Ich schau dir in die Augen, um nicht zu weinen

          „Witze sind wie Nominierte. Sie können nicht alle gewinnen“, erkannte der frühere Autor des amerikanischen Comedy-Klassikers „Saturday Night Live“ selbstkritisch. Nur Jim Parsons, für die Rolle in der Serie „The Big Bang Theory“ mit seinem vierten Emmy als bester Komödiendarsteller ausgezeichnet, brachte Meyers mit dem Hinweis auf das Honorar von einer Million Dollar je Episode in Verlegenheit. Die Bemerkung „Aber du bist jeden Cent wert“ ließ Parsons noch ein wenig tiefer in den Sessel sinken.
          Gail Mancuso , die durch die Regie der Serie „Modern Family“ unter anderen die Oscar-Preisträgern Jodie Foster in der Rubrik Komödie ausstach, amüsierte das Publikum dagegen mit ihrer Affinität für McConaughey.

          „Ich muss Augenkontakt zu dir aufnehmen, um meine Schauspieler nicht anzusehen und dann in Tränen auszubrechen. Bleib bei mir Baby!“, trug sie dem Schauspieler auf. Als Mancuso die Geduld der Fernsehakademie mit ausufernden Danksagungen überstrapazierte, wurde sie schließlich durch Klaviertöne von der Bühne vertrieben. Ty Burrell, für die Rolle des Phil Dunphy in „Modern Family“ als bester Nebendarsteller in einer Komödie mit einem Emmy belohnt, beschränkte sich dagegen auf eine Dankesrede, die die jugendlichen Darsteller der Serie für ihn geschrieben hatten. „Ich sollte vermutlich meiner Frau danken, weil sie super hübsch ist“, las Burrell brav.

          Einen der bewegendsten Momente des Abends bot die Verleihung des Emmys für den besten Fernsehfilm. Als Julianna Margulies den blauen Umschlag öffnete, um den Gewinner „The Normal Heart“ bekannt zu geben, schleppte sich auch der Aids-Aktivist und Autor Larry Kramer auf die Bühne. „Wir möchten alle jungen Menschen auffordern, wie Larry Kramer zu werden. Setzt euch vor den Computer und sucht eine gute Sache, um euch zu engagieren“, forderte der Produzent und Regisseur Ryan Murphy. Nach Gedenkminuten an verstorbene Schauspieler wie Maximilian Schell, Paul Walker und Philip Seymour Hoffman erinnerte der Komiker Billy Crystal auf der in blaues Licht getauchten Bühne an Robin Williams, der sich vor zwei Wochen in seinem Haus in San Francisco das Leben nahm: „Er brachte uns zum Lachen, auf die harte Tour. Robin Williams, was für ein Konzept.“

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