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Hohe Abfindung beim BR : Wie die Intendantin Wildermuth ihren Kulturchef loswurde

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Katja Wildermuth im Oktober 2020 in München Bild: dpa

Als Katja Wildermuth Intendantin des Bayerischen Rundfunks wurde, setzte sie schnell den Kulturchef Reinhard Scolik vor die Tür. Er soll eine hohe sechsstellige Abfindung erhalten haben. Der Sender schweigt sich dazu eisern aus.

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          Angesichts der Vorwürfe von Vetternwirtschaft und Filz im Rundfunk Berlin-Brandenburg ist beim Bayerischen Rundfunk abermals Kritik wegen angeblicher Geldverschwendung laut geworden. Es geht um die Zahlung für die vorzeitige Vertragsauflösung des früheren Programmdirektors Kultur, Reinhard Scolik, zum Jahresende 2021. Der BR-Rundfunkrat und Medienmanager Helmut Markwort sagte der „Bild“-Zeitung, es könne nicht sein, dass der Sender einem ausscheidenden Direktor eine „hohe sechsstellige Abfindung zahlt und dem Rundfunkrat genaue Informationen vorenthält“.

          Der Bayerische Rundfunk wiederholte sinngemäß eine Stellungnahme, die er schon vor Monaten abgegeben hatte: „Wie bereits bekannt, hat Herr Dr. Scolik den BR in gegenseitigem Einvernehmen verlassen, darüber hinaus wurde Stillschweigen vereinbart“, sagte der Sendersprecher Markus Huber. Hier gelte zudem: „pacta sunt servanda“. Scolik selbst wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Auch er verwies auf die Verschwiegenheitsklausel.

          Scoliks Ablösung war eine sehr ungewöhnliche Personalentscheidung der im Februar 2021 als Intendantin gestarteten Katja Wildermuth. Der Vertrag des 63-jährigen Scolik wäre noch bis zum Beginn seines Ruhestands Ende September 2024 gelaufen. Seine Amtszeit war erst kurz vor Wildermuths Start unter ihrem Vorgänger Ulrich Wilhelm vom Rundfunkrat verlängert worden. Im Sender sagten bei Scoliks Ausscheiden viele, dass Wildermuth und er recht unterschiedliche Vorstellungen hatten. Scolik war 2016 vom ORF zum BR gekommen – damals als Fernsehdirektor.

          BR-Sprecher Huber sagte zur Vertragsauflösung: „Die Vereinbarung wurde von dem dafür zuständigen Gremium, dem Verwaltungsrat des BR, nach Prüfung genehmigt.“ Der BR wolle sich weder zu den Gründen des Ausscheidens noch zu Details der Vereinbarung äußern.

          Die Vorsitzende des BR-Verwaltungsrats, Bayerns Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU), wollte auf Anfrage nichts zu den Konditionen der Trennung sagen. „Da hierüber Stillschweigen vereinbart wurde, werde auch ich mich daran halten.“ Sie könne sich aber „vorstellen, künftig – im Sinne von öffentlicher Transparenz – im Einzelfall durchaus anders zu verfahren“. Eine Trennung nach Vertragsverlängerung sei „sicher nicht gerade üblich – und ich bin auch nicht sehr glücklich darüber“. Doch würde sie von Verschwendung „in diesem Zusammenhang nicht sprechen: Schließlich muss sich der BR an ausgehandelte Verträge halten. Diese Vertragsauflösung ist arbeitsrechtlich korrekt.“

          Die Direktoren bilden nach der Intendantin die höchste Führungsebene. Im Jahr 2021 verdienten BR-Direktoren der ARD zufolge im Schnitt rund 20.800 Euro pro Monat – ein Spitzenwert in der ARD. Rechnerisch würden bei diesem Durchschnittsgehalt in verbleibenden 33 Monaten rund 686.400 Euro anfallen. Zum genauen Einzelgehalt der damaligen Direktoren macht der BR keine Angaben, für die heutigen dagegen inzwischen schon. Neuer Programmdirektor Kultur des BR ist seit Jahresbeginn Björn Wilhelm, der vom Norddeutschen Rundfunk kam. Er verdient dem BR zufolge knapp 235.000 Euro pro Jahr.

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