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BR-Chefin Katja Wildermuth : „Wir müssen unsere Inhalte noch weiter verbreiten“

  • -Aktualisiert am

Ein Plan für den BR und die ARD: Katja Wildermuth Bild: BR/Markus Konvalin

Katja Wildermuth ist seit neun Monaten Intendantin des Bayerischen Rundfunks. Was sind ihre Pläne? Sie will ARD-alpha zum Wissenschaftsportal machen und online eine Führungsrolle spielen. Vom ZDF grenzt sie sich ab. Ein Interview.

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          Sie sind seit neun Monaten Intendantin der viertgrößten ARD-Anstalt. Wie haben Sie die neun Monate medienpolitisch erlebt: keine Beitragserhöhung, Sparapelle, Streit über den Auftrag.

          Wir haben durch die Corona-Pandemie gelernt, flexibler zu arbeiten und schneller auf neue Situationen zu reagieren. Eine größere Flexibilität ist aus meiner Sicht eine der wichtigsten Voraussetzungen für unsere Zukunft. Ich war in dieser schwierigen Zeit mit vielen Unwägbarkeiten von den Leistungen der Kolleginnen und Kollegen hier im BR sehr beeindruckt, die äußerst professionell gearbeitet und unter Corona-Bedingungen auch zusätzliche Aufgaben, wie die Hochwasser- oder Wahlberichterstattung, sehr gut bewältigt haben. Zudem hilft eine gewisse Gelassenheit, denn wir wissen, dass politische Prozesse und Entscheidungen manchmal ihre Zeit benötigen. Als klar war, dass die vorgesehene Beitragsanpassung nicht zu Jahresbeginn kommen wird, habe ich, auch im Vertrauen auf die Zuverlässigkeit der KEF-Empfehlung, entschieden, dass wir unsere Angebote nicht verringern. Wir haben umgeschichtet und Investitionen verschoben, aber nicht unseren Auftrag reduziert. Das war ein wichtiges Signal an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Reichweiten unserer Inhalte haben sich in den vergangenen Monaten über alle Verbreitungswege erhöht, und wir haben viel Lob für deren Aktualität und Qualität erhalten, auch das hat die Leute motiviert. Die regionale Stärke des Bayerischen Rundfunks hat sich in dieser schwierigen Zeit ausgezahlt.

          Wie wichtig ist es für Sie, dass die Politik sich bald über den Auftrag einig ist?

          Wir benötigen vor allem Planungssicherheit. Alle ARD-Anstalten befinden sich gegenwärtig in tiefgreifenden Umbauprozessen. Da ist es wichtig zu wissen, was die Gesellschaft in Zukunft von uns erwartet. Wir benötigen die Sicherheit einerseits im finanziellen Bereich, da wir längerfristige Investitionen vornehmen müssen, andererseits hat die Definition des Auftrages Auswirkungen auf unsere Angebote. Die Entscheidung über die Beauftragung – oder Nichtbeauftragung – von Programmen hat weitreichende Konsequenzen für Konzepte, Strukturen und Investitionen.

          Zu den Programmen, die nicht mehr beauftragt werden, soll auch ARD-alpha gehören.

          Jenseits der politischen Debatte über Auftrag und Struktur des öffentlich-rechtlichen Rundfunks haben wir in den vergangenen Monaten sehr intensiv diskutiert, wie sich ARD-alpha zeitgemäß weiterentwickeln kann. Wir haben analysiert, wie wir das große Potential, das dieser Sender mit seinem Wissens- und Bildungsangebot hat, auch für andere Zielgruppen jenseits der linearen Verbreitung bereitstellen können. Es besteht in der Öffentlichkeit – das bestätigt auch der ARD-Zukunftsdialog – ein großes Interesse daran, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk seine Angebote zu Bildung, Wissen und Wissenschaft besser präsentiert und bündelt, und das über alle Kanäle. So könnte sich nach unseren Überlegungen ARD-alpha zu einem multimedialen Bildungs- und Wissensangebot weiterentwickeln. Wenn der deutsche Astronaut Matthias Maurer am 30. Oktober zur ISS fliegt, planen wir als ersten Schritt ein Weltraum-Special im linearen Programm, aber auch als Online-Schwerpunkt mit zusätzlichen Gadgets. Im November wird es ergänzend zur ARD-Sendung „Wissen vor acht – Erde“ im Vorabendprogramm des Ersten ein vertiefendes Online-Angebot auf ardalpha.de geben. Dazu gehört unter anderem unser junges Format „PlanetB“. Die Data-Redaktion des BR hat zudem sehr anschauliche Datenvisualisierungen zur Erderwärmung oder zum Ausbau erneuerbarer Energien entwickelt. Unter dem Hashtag #DeinKlimaprojekt wollen wir ein Community-Projekt starten, an dem sich unsere Nutzerinnen und Nutzer mit guten Beispielen und eigenen Initiativen beteiligen können. Außerdem haben wir einen passenden Podcast, „Grünphase“, der von unserem jungen Angebot PULS in Kooperation mit funk erstellt wird. Während Eckart von Hirschhausen als Moderator von „Wissen vor acht – Erde“ im linearen ARD-Programm die Zuschauer erreicht, wollen wir mit ARD-alpha online zusätzliche Zielgruppen ansprechen, die Informationen zunehmend jenseits des klassischen Fernsehens suchen. ARD-alpha soll künftig vor allem auf langfristige Themen und vertiefende Hintergründe setzen, die auf allen Ausspielwegen verbreitet werden, und so die starken Inhalte, über die die ARD bereits verfügt, bündeln, ergänzen und auch für andere Zielgruppen bereitstellen.

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