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Krach bei „Spiegel“ und „Stern“ : Nicht alle wollen alles können

In der Dämmerung: Das Verlagsgebäude des „Spiegel“ an der Hamburger Ericusspitze Bild: dpa

Der interne Kampf beim „Spiegel“ geht weiter. Jetzt schreiben die Ressortleiter des Magazins, was sie von den Plänen des Chefredakteurs halten. Sie wollen keinen „Totalumbau“. Aber was dann?

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          Beim „Spiegel“ und bei Gruner + Jahr korrespondieren die Belegschaften und die Chefs zurzeit schriftlich. Die „Stern“-Redaktion schickt der Vorstandsvorsitzenden Julia Jäkel ein Schreiben, in dem sie gegen die Kündigung von 26 Mitarbeitern der Redaktion protestiert. Das sei ein „brutaler Einschnitt“, von dem insbesondere die Frauen beim „Stern“ betroffen seien.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Die zwölf Ressortleiter des „Spiegel“ teilen den Gesellschaftern und den Kollegen derweil mit, dass sie den „Totalumbau der hierarchischen Struktur“ der Redaktion nicht gutheißen. Sie wollen an den Zielen des vom Chefredakteur Wolfgang Büchner entworfenen „Spiegel 3.0“ festhalten, hätten aber gerne eine „Übergangsstruktur“, um die Zusammenarbeit zwischen Print- und Online-Kollegen in einem evolutionären Prozess zu steuern.

          Sie marschieren lieber getrennt

          Es sei nicht sinnvoll, schreiben die Ressortleiter, dass alle alles können sollten und müssten und zwar möglichst gleich. Dann käme man zwar schnell zu einer neuen, einheitlichen Führungsstruktur, gefährde aber die Arbeitsabläufe und die journalistische Qualität – sowohl des gedruckten „Spiegel“ als auch von „Spiegel Online“. Deshalb sei es ratsam, für eine Übergangszeit „die getrennten Ressortleitungen von Print und Online“ zu erhalten, aber für die einzelnen Ressorts „gemeinsame Kopfstellen“ zu schaffen. Erst im Laufe des Prozesse werde man erkennen, wie die Redaktionen und Ressorts am Ende am besten zu steuern sind.

          Damit stellen sich die Ressortleiter zwar gegen den Chefredakteur und legen einen eigenen Plan vor, signalisieren den Gesellschaftern – also der Mitarbeiter KG, Gruner + Jahr und den Erben Rudolf Augsteins – aber zugleich, dass sie nicht in der Fundamentalopposition sind, nach dem Motto: „Spiegel 3.0“ ja, aber nicht zu Lasten der bestehenden Qualität, die auch auf der bestehenden Struktur der Redaktion beruhe.

          Wandel durch Annäherung?

          Die Ressortleiter der gedruckten „Spiegel“ verstehen sich ganz offenkundig gut auf Politik – auch in eigener Sache. Sie wollen ihre Claims bewahren und (verständlicherweise) nicht untergepflügt werden. Das klingt ein bisschen nach „Wandel durch Annäherung“, durchkreuzt aber die Pläne des Chefredakteurs, der eine „Spiegel“-Gesamtredaktion gern schnell hätte.

          Die Gesellschafter freilich hatten ihm zuletzt bedeutet, dass er die Redaktion des gedruckten „Spiegel“ unbedingt hinter sich bringen müsse. Bei „Spiegel Online“ dürfte die Initiative der Print-Kollegen nicht so gut ankommen.

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