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Börne-Preisverleihung : Schwarzer und Schmidt rechnen mit den Girlies ab

  • Aktualisiert am

Die ausgezeichnete Alice Schwarzer und ihr Laudator Harald Schmidt Bild: ddp

Entertainer Harald Schmidt hat den Börne-Preis an Deutschlands bekannteste Feministin überreicht. In ihren Reden bedachten er und Alice Schwarzer selbst die neuen Girlies mit satter Ironie, jene erwachsene Frauen, die einen „Wellness-Feminismus“ propagierten.

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          Die selbst ernannten neuen deutschen Mädchen (Girlies) sehen in Alice Schwarzers feministischer Scharfzüngigkeit „olle Rethorik“. Doch bei der Vergabe des Ludwig- Börne-Preises an Schwarzer am Sonntag in Frankfurt zeigte sich die Frauenrechtlerin als höchst aufgeweckte Meisterin der respektlosen Zunge. Ätzend und witzig rechneten sie und ihr Laudator Harald Schmidt in der Paulskirche mit der sogenannten neuen Girlie-Welle ab. Vor hunderten Zuhörern rief Schwarzer: „Ich bin, mit Verlaub, liebe späte Mädchen, auch nicht abzusetzen.“ Sie kämpfe weiter für Menschenrechte.

          Die 65-Jährige verwies auf Bücher wie „Wir Alphamädchen“ und „Neue deutsche Mädchen“, deren Autorinnen ihren Feminismus teils für überholt erklärt hatten. „Diese späten Mädchen sind Propagandistinnen eines Wellness-Feminismus“, sagte die Gründerin der Frauenzeitschrift „Emma“. Als neue Kaltherzigkeit bezeichnete Schwarzer Forderungen nach einem offeneren Umgang mit Prostitution, den auch Demonstranten vor der Tür forderten. Zwangsprostitution sei weiter „ganz und gar ungeil“.

          Girlies in den Chefetagen nicht angekommen

          TV-Entertainer Schmidt spielte genüsslich auf Charlotte Roches Roman „Feuchtgebiete“ an, der unter anderem das Thema Körperbeharrung aufgreift. So werde der Krieg der Generationen bis ins Erotische erweitert, spottete der 50-jährige Schmidt. Man solle ihm sagen, „wo die Girlies sind“. In den Chefetagen und Gehaltsklassen der Männer seien sie jedenfalls nicht angekommen. „Wir brauchen keinen neuen Feminismus, sondern nur genügend Elan, den alten erstmal durchzusetzen“, sagte Schmidt. So sehr sprang er Schwarzer zur Seite, dass diese witzelte, vom Schreiben der Laudatio profitiere sicher auch seine Lebensgefährtin.

          Die Lehrstunde in bissiger Rede bekam reichlich Beifall von Publikum und Vertretern der Börne-Stiftung. Sie erinnert mit der Auszeichnung seit 1993 an den scharfzüngigen Schriftsteller Ludwig Börne (1786-1837), über den Schmidt respektlos sagte: „Nach den Maßstäben der Massenmedien ist Börne heute vergessen.“ Schwarzer aber betonte, wie aktuell der im Exil gestorbene jüdische Autor und die von ihm wegen seiner Herkunft erlebte „Illusion der Emanzipation“ sei.

          Anderen gekonnt auf die Nerven gehen

          Zugespitzt wie Börnes Arbeiten ist die Vergabe des mit 20.000 Euro verbundenen Preises. Statt einer ausgewogenen Jury kürt ein Juror den Preisträger allein. Seine Entscheidung für Schwarzer begründete Schmidt mit deren Fähigkeit, anderen gekonnt auf die Nerven zu gehen: „Du, liebe Alice, bist größer als der Feminismus in Deutschland.“ Schwarzer sagte, sie sehe sich nicht „als Feministin vom Dienst“, sondern streite im eigenen Namen. Dass sie dies mindestens so gut kann wie die neuen Mädchen, bestätigte Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU): „Sie haben der Frauenbewegung gezeigt, wie wichtig professionelles Marketing ist.“

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