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Blizzard bannt Gamer : Buckeln vor China

Verstimmter Panda: In „Blizzards“ Fantasy-Kartenspiel „Hearthstone“ ist „Herr Chu“ ein „Schwarzmarkt-Bodyguard“ und der „neue Muskel des B.Ö.S.E.N“. Bild: Blizzard Entertainment

Das falsche Gesicht wahren: Nachdem ein Teilnehmer eines Videospielturniers sich zu den Protesten in Hongkong äußerte, reagierte die Videospielfirma „Blizzard“ schnell und rabiat. Mit China soll das gar nichts zu tun haben.

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          Im Videospiel-Universum von „Warcraft“ aus dem Hause „Blizzard Entertainment“ geht es um Unterdrückung, Rebellion und den Bund mit teuflischen Mächten. Orks suchen eine Heimat, Untote versuchen sich vom verderblichen Einflüssen zu befreien und Menschen müssen sich der Ränkespiele großer Drachen erwehren. Merkwürdige Allianzen entstehen – und auch Pandas spielen eine Rolle. Neben „Diablo“ und „Starcraft“ gehört die „Warcraft“-Reihe zum Kern des Unternehmens. Das bringt Blizzard nun in einen Konflikt zwischen dem propagierten Selbstverständnis in puncto Heldentum – Blizzard-Mitarbeiter bekamen einst Schild, Schwert und Siegelring, je nach Dauer ihrer Betriebszugehörigkeit – und einer Wirklichkeit, in der die Firma sich Märkte für ihre Produkte offen halten will.

          Axel Weidemann

          Redakteur im Feuilleton.

          In der vergangenen Woche hat die Firma aus Kalifornien den E-Sportler Chung „Blitzchung“ Ng Wai aus Hongkong auf Turnierebene disqualifiziert, nachdem dieser beim „Hearthstone Grandmasters Tournament“ in Taiwans Hauptstadt Taipeh in einem Live-Stream-Interview zu den Protesten in Hongkong gesagt hatte: „Befreit Hongkong, Revolution unserer Epoche.“ Kurz darauf wurde der Stream unterbrochen, Ng Wai vom Turnier ausgeschlossen und für ein Jahr gesperrt, das Preisgeld wieder einkassiert, und selbst die Kommentatoren wurden abberufen. Sie hatten sich während des Statements hinter ihre Computerbildschirme geduckt.

          Blizzard reagierte zunächst damit, in einem offiziellen Blog-Post auf seine „Regeln“ hinzuweisen: Demnach dürfen Spieler nichts tun, was sie oder den Hersteller „öffentlich in Verruf“ bringt. Der Protest erhob sich umgehend: #Blizzardboycott zeigte über Twitter weltweite Empörung an, Videos auf Youtube dokumentierten den Vorfall und amerikanische Politiker wie Floridas Senator Marco Rubio oder Oregons Senator Ron Wyden äußerten sich enttäuscht: „Kein amerikanisches Unternehmen sollte Rufe nach Freiheit zensieren, um einen schnellen Dollar zu machen.“

          Zwei Tage später versuchte „Blizzard“-Chef J. Allen Brack sich zu rechtfertigen: Bei „Blizzard“ haben man die Vision, „die Welt durch epische Unterhaltung zu vereinen“. Die Grundwerte seien: „Denk global; führe verantwortlich“, und: „Jede Stimme zählt.“ Nun hätten die Leute Zweifel, ob man sich diesen Werten verpflichtet fühle. Doch habe Ng Wai gegen Regeln verstoßen. Man wolle die offiziellen Kanäle auf das Spielgeschehen fokussieren. Dass Ng Wais Worte ausschlaggebend für seinen Rauswurf gewesen seien, bestreitet Brack vehement: „Unsere Beziehungen in China hatten keinen Einfluss auf unsere Entscheidung.“ Nach einer Reihe von Beschwerden habe man die Sperre auf sechs Monate reduziert, das Preisgeld soll ausgezahlt werden.

          In den Augen von Mark Kern, der von 1997 bis 2005 bei Blizzard in leitender Position Spiele mitentwickelte, kann die Firma nicht bestehen. Das Statement von Blizzard habe man viel zu spät veröffentlicht. Entstanden sei es wohl in Zusammenarbeit mit dem chinesischen Kooperationspartner „Netease“. Die Stellungnahme richte sich dem Wortlaut nach zwar an die „Community“, wende sich in Wahrheit aber an die Politik. Wichtig sei die Bemerkung, China habe „keinen Einfluss“ auf die Entscheidung gehabt. Dass es sich dabei um eine Lüge handele, belege unter anderem die Einlassung von „Netease“, das sich „höchst enttäuscht“ über den Vorfall zeigte. Den Widerspruch, meint Kern, wolle Blizzard aushalten, weil es ein paar empörte Gamer wohl weniger fürchtet als den Verlust des chinesischen Marktes. Ng Wai indes bedankte sich artig bei Blizzard für den Strafnachlass. Allerdings wolle er sich erst einmal Zeit nehmen, zu entscheiden, ob er weiterspiele oder nicht.

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