https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/bild-kampagne-gegen-adidas-mathias-doepfner-in-der-kritik-18319018.html

Döpfner in der Kritik : „Bild“-Zeitung gegen Adidas

  • Aktualisiert am

Ist als Präsident des BDZV zurückgetreten: der Springer-Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner. Bild: dpa

Als Adidas neben anderen Firmen im März 2020 ankündigte, Mietzahlungen auszusetzen, berichtete „Bild“ groß darüber. Die „Financial Times“ meint, Springer-Chef Döpfner habe als Vermieter ein eigenes Interesse gehabt.

          1 Min.

          Am Dienstag hatte der Springer-Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner seinen vorletzten Auftritt als Präsident des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV). Zwei Tage darauf wirft ihm die „Financial Times“ einen Interessenkonflikt vor. Er habe, so der Vorwurf, in der „Bild“-Zeitung eine Kampagne gegen den Sportartikelhersteller Adidas lanciert und dabei verschwiegen, dass er selbst in den Vorfall involviert war.

          Es geht um die Berichterstattung der „Bild“ über Händler, die während des sogenannten Shutdowns zu Beginn der Corona-Krise ihre Filialen vorübergehend schließen mussten und keine Miete mehr zahlen wollten. Darunter waren Firmen wie der Sportartikelhersteller Adidas. „Adidas-Shops zahlen keine Miete mehr“, lautete einer von vielen Titeln. Adidas gab das Vorhaben, die Mietzahlung auszusetzen, nach kurzer Zeit auf, entschuldigte sich und zahlte weiter die Mieten für die Ladengeschäfte. Die „Financial Times“ verweist darauf, Döpfner habe – als Vermieter – möglicherweise eigene Interessen verfolgt. Gemeinsam mit zwei Partnern besitzt der Springer-Chef ein Gebäude im Zentrum Berlins, in dem Adidas zwei Etagen angemietet hatte. So bekam Döpfner Kenntnis von dem Vorgang und gab dem damaligen „Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt einen Tipp.

          Der Springer-Verlag sagte dazu auf Anfrage der F.A.Z., es sei richtig, dass Döpfner dem damaligen „Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt den Hinweis darauf gegeben habe, dass Adidas für seine Ladengeschäfte keine Miete mehr zahlen wolle. Doch sei es „Unsinn“, dass Döpfner eine Kampagne „angeordnet“ habe. Er habe die Information an die Redaktion weitergegeben, so werde er bei Themen, denen er ein überragendes öffentliches Interesse zumesse, auch weiterhin verfahren. Was die Redaktionen daraus machen, sei deren Sache, in die er sich nicht einmische.

          Es sei nicht darum gegangen, dass Adidas in einem Geschäft, sondern in sämtlichen Stores aus vermeintlichen Corona-Gründen keine Miete mehr zahlen wollte. Hätte man nicht offenlegen müssen, dass Döpfner gemeinsam mit zwei Partnern als Vermieter einer Immobilie in Berlin, betroffen war? Bei Springer ist man nicht dieser Ansicht. Es sei um die Information an sich gegangen, die viele andere aufgegriffen hätten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Viel Zeit bleibt nicht: In eineinhalb Jahren steht für Hansi Flick und die Nationalmannschaft die Europameisterschaft im eigenen Land an.

          Der Bundestrainer bleibt : Schlechte Voraussetzungen für Flick

          Was seit dem WM-Aus passiert ist, lässt schwer auf eine erfolgreiche Zukunft der Nationalelf mit Hansi Flick hoffen. Der DFB geht ein großes Risiko ein – es fühlt sich so an, als hätte man das alles erst erlebt.
          Zugriff: Polizisten führen am Montag Prinz Reuß ab

          Plante Umsturz : Wer ist Heinrich XIII. Prinz Reuß?

          Eine Gruppe aus der „Reichsbürger“-Szene plante offenbar den Umsturz der demokratischen Ordnung Deutschlands. Rädelsführer soll ein Prinz aus Frankfurt sein – mit Hang zur Esoterik und Geldproblemen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.