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Mathias Döpfner in der Kritik : Western war gestern

Springer-CEO Mathias Döpfner Mitte März in Berlin Bild: Picture Alliance / AP / Bernd von Jutrczenka

Springer-Chef Mathias Döpfner trauert Julian Reichelt nach. Er hat offenbar nicht verstanden, dass er Teil des Problems ist. Auf einer informellen Ebene hat ihm sein Vorgehen nachhaltig geschadet, heißt es aus dem Silicon Valley.

          5 Min.

          Es gebe nicht im ganzen Haus Springer ein Kulturproblem, hat der Springer-Konzernchef, Mathias Döpfner, in dieser Woche in einer Videobotschaft an seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gesagt, in der er sich zur Entlassung des Bild-Chefs Julian Reichelt äußert. Es gebe dieses Problem bei Bild. Doch ist nach einer Woche verschiedener Erklärungen durch den Springer-Verlag und dessen Vorstandsvorsitzenden immer noch nicht ganz klar, ob Mathias Döpfner verstanden hat, worum es überhaupt geht – und dass das „Kulturproblem“ sehr wohl auch ihn selbst betrifft.

          Julia Encke
          Verantwortliche Redakteurin für das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Nachdem die New York Times am vergangenen Sonntag in ihrem aufsehen- erregenden Springer-Sittengemälde unter anderem den Machtmissbrauch gegenüber Frauen in der Redaktion durch den Bild-Chefredakteur enthüllt hatte und zeitgleich die Veröffentlichung einer investigativen Recherche der Ippen-Gruppe gestoppt worden war, sah sich Döpfner vor allem wegen seiner aktuellen Amerika-Geschäfte gezwungen, Reichelt als Chef zu entlassen – um ihm gleich darauf schon wieder nachzuweinen: In einer ersten, internen Ansprache an die Mitarbeiter beteuerte er – so berichtet es jemand, der dabei war –, dass es nichts gebe, was ihn so traurig mache; dass er Julian Reichelt immer noch persönlich sehr verbunden sei und dass jeder im Raum Reichelt dankbar sein müsse für das, was dieser für die Bild und vor allem für das Fernsehformat Bild live getan habe. Kein Wort des Mitgefühls gegenüber den betroffenen Frauen, keine Entschuldigung.

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