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„Big Brother“-Werbekampagne : Zuschauer sollen bestimmen, „wie viel ein Mensch wert ist“

  • Aktualisiert am

Sieht offenbar nicht alles: Bild aus der „Big Brother“-Werbekampagne. Bild: dpa

Mitten im Auschwitz-Gedenken: Der Sender Sat.1 hat mit einer Werbekampagne zur Reality-Show „Big Brother“ Kritik auf sich gezogen. In der Werbung sollen Zuschauer bestimmen, „wie viel ein Mensch wert“ ist.

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          Sat.1 hat am vergangenen Wochenende eine Werbekampagne für die 13. „Big-Brother“-Staffel veröffentlicht und damit für Entrüstung gesorgt. Denn während am vergangenen Wochenende deutschlandweit der Auftakt zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust (27. Januar), zugleich der 75. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz, beginnt, wirbt der Privatsender für seine Reality-Show in Clips und auf Bannern mit Sätzen wie „Wie viel ein Mensch wert ist, bestimmst du“, „Neu im Programm: Menschen bewerten“ und „Entscheide du, wer einen Stern verdient“.

          Das Timing der Kampagne, ihre Sprache und ihre Einbettung wurden daraufhin als schamlose Provokation gedeutet: In sozialen Medien wurde die Kampagne als „geschichtsvergessen“ angeprangert, eine Nutzerin warf den Verantwortlichen vor, die Opfer des Nationalsozialismus zu verhöhnen. Einige Zuschauer fühlten sich nach eigenen Worten an die gelben Sterne erinnert, die Juden in der NS-Zeit tragen mussten. Auf Kritik stieß auch der Song zu der Staffel mit dem Titel „Follow the Leader“ („Folge dem Führer“).

          Sat.1 findet die Vorwürfe „absurd“, heißt es in einem Statement: „Für und bei SAT.1 hat jegliches antisemitisches Gedankengut keinen Platz.“ „Big Brother“ benutze in der neuen Staffel ein Bewertungssystem „wie es internationale Unternehmen schon seit Jahren oder sogar Jahrzehnten tun“. Die Show sei „schon immer ein Sozialexperiment“ gewesen, heißt es weiter. In der Jubiläumsstaffel 2020 hätten die Zuschauer erstmals die Möglichkeit, „nicht nur übers Telefon-Voting, sondern mit direkter Bewertung den Bewohnern Feedback zu geben – so wie es viele Menschen tagtäglich offline und online z.B. auf Social Media-Kanälen tun.“

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