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Bettina Schausten im Gespräch : Es hätte auch live sein können

  • Aktualisiert am

Die Chefin des ZDF-Hauptstadtstudios und Ulrich Deppendorf haben gemeinsam das Interview mit Bundespräsident Christian Wulff geführt. Nun ist Bettina Schausten selbst gefragt.

          2 Min.

          Das Interview mit Bundespräsident Christian Wulff hat große Aufmerksamkeit erfahren. Warum ließ sich die Sendung nicht live gestalten?

          Eine Live-Sendung wäre auch denkbar gewesen, hätte aber den Nachteil gehabt, dass beim Sendeplatz 20.15 Uhr weder die Hauptnachrichtensendungen aller Sender noch die meisten Zeitungen für den nächsten Tag die Möglichkeit zur Berichterstattung gehabt hätten. Das wurde durch die Aufzeichnung „Live on Tape“ gewährleistet. Eine Bearbeitung des aufgezeichneten Interviews hat es nicht gegeben.

          Was war für Sie der wichtigste Punkt: die Frage nach dem Immobilien-Kredit, die Zeitabläufe oder wie Christian Wulff zur Pressefreiheit steht?

          Durch das lange Schweigen des Bundespräsidenten hat es zahlreiche gleichberechtigte Themenfelder gegeben. Ich denke, der Aufbau des Interviews war richtig und zielführend. Der Vorwurf an den Bundespräsidenten, die Pressefreiheit nicht zu respektieren, ist sicherlich der schwerwiegendste.

          Wie schätzen Sie den Umgang des Bundespräsidenten mit Journalisten generell ein? Ist er eher manipulativ, drohend oder offen?

          Ich kann nur für das Hauptstadtstudio des ZDF sprechen, das ich seit anderthalb Jahren leite. In dieser Zeit hat sich das Bundespräsidialamt angemessen verhalten.

          Hat es Sie nicht gewundert, dass Christian Wulff die Umstände des Telefonats mit dem „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann - aus seiner Sicht - so detailliert schilderte? Lässt sich Ihres Erachtens die Behauptung halten, er habe die Berichterstattung nicht verhindern, sondern nur einen Aufschub haben wollen?

          Nein, ich war nicht verwundert über die detaillierte Schilderung, weil der Bundespräsident ja gerade versuchen wollte, die Hintergründe seines Mobilbox-Anrufs beim „Bild“-Chefredakteur zu erklären. Außerdem haben wir an der Stelle mehrfach nachgehakt, was ja auch zu seiner Erwiderung führte, er habe Berichterstattung nicht verhindern, nur verschieben wollen. Den zweiten Teil der Frage kann ich erst beantworten, wenn der genaue Wortlaut des Anrufs auf der Mobilbox bekannt ist. Mir liegt er nicht vor. Hier besteht weiter Klärungsbedarf.

          Wie war das mit den 150 Euro Übernachtungskosten gemeint? Würden Sie diese Summe tatsächlich Freunden, die zu Besuch kommen, abknöpfen wollen?

          Nein, natürlich nehme ich kein Übernachtungsgeld für meine Gästematratze, darum ging es auch nicht. Es ging im Gesprächskontext darum, ob man als Ministerpräsident wirklich kostenlosen Urlaub bei Millionärsfreunden annehmen darf. Der Präsident versuchte, das Thema durch seine Gegenfrage auf eine rein privat-menschliche Ebene zu verschieben, nach dem Motto „Freunde besuchen Freunde“. Mir hingegen ging es darum, deutlich zu machen, dass man bei Urlaubsaufenthalten selbstverständlich auch bei Freunden einen finanziellen Beitrag leisten kann, was ich in der Vergangenheit in der Tat auch selbst schon getan habe.

          Kommt der Bundespräsident Ihres Erachtens mit seinen Einlassungen in dem Interview durch?

          Ich werte positiv, dass der Bundespräsident sein Schweigen aufgegeben hat und unserer Einladung in ein Fernsehstudio gefolgt ist. Wie groß sein Rückhalt in der Bevölkerung noch ist, werden die nächsten Tage zeigen.

          Die Fragen stellte Michael Hanfeld.

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