Auch die „Brigitte“ ist dran : Bertelsmann-Chef bereitet Ausverkauf von Gruner + Jahr vor
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Das Verlagshaus von Gruner + Jahr am Baumwall in Hamburg. Bild: dpa
Der Bertelsmann-Chef Thomas Rabe hat bei der Fusion von RTL und Gruner + Jahr alle Zeitschriftentitel auf den Prüfstand gestellt. Jetzt gibt es Hinweise, welche Magazine es erwischen könnte.
Dass die „Fusion“ der RTL-Sendergruppe mit dem Verlag Gruner + Jahr unter der Ägide des Bertelsmann- und RTL-Chefs Thomas Rabe auf eine Zerschlagung des traditionsreichen Zeitschriftenhauses hinauslaufen könnte, zeichnet sich immer deutlicher ab. Alle dort verlegten Titel kämen auf den Prüfstand, hatte Rabe Anfang Oktober angekündigt. „Das Magazingeschäft“ stehe „besonders unter Druck“, sagte Rabe intern: „Darum werden wir das Titelportfolio überprüfen und nur solche Titel mit RTL zusammenführen, die wirklich synergetisch sind.“
Dass dabei nichts außer der Magazin „Stern“ übrig bleiben könnte, legt ein Zwischenstand der „Portfolioprüfung“ nahe, von dem die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet. Demnach stehen die Zeitschriften „Brigitte“ (mit ihren Tochtermagazinen), „Geo“, „Gala“ und „Schöner Wohnen“ auf der Verkaufsliste, Interessenten gebe es, geboten seien pro Titel zwischen 50 und 100 Millionen Euro, schon im ersten Quartal 2023, so wird ein möglicher Käufer zitiert, könne der Ausverkauf über die Bühne gehen. Die „Brigitte“ erscheine als besonders lukrativer Verkaufskandidat. Die RTL Group sagte dazu auf Anfrage der Agentur Reuters, man nehme alle Titel unter die Lupe, Ergebnisse stünden noch nicht fest, seien aber für das erste Quartal des kommenden Jahres zu erwarten. Bis dahin wolle man sich zu Spekulationen nicht äußern.
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) fordert RTL Deutschland und Bertelsmann angesichts dessen zu einer „Bestandsgarantie für die Arbeitsplätze“ bei den Zeitschriften von Gruner + Jahr auf. „Wir appellieren an die Eigentümer der Gruner + Jahr-Magazine, die traditionsreichen und wichtigen Blätter zu erhalten“, sagte der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall. Der Betriebsrat von Gruner + Jahr müsse beteiligt werden. „Die Vertreter der Beschäftigten müssen eingeweiht und eingebunden werden, sagte Überall. „Im Fokus muss der Erhalt der Arbeitsplätze stehen. Es geht auch um menschliche Schicksale.“
Im September hatte der Bertelsmann-Vorstandsvorsitzende Rabe angekündigt, er wolle den Umsatz des Konzerns bis 2026 auf 24 Milliarden Euro steigern. 2021 lag der Gesamtumsatz bei 18,7 Milliarden, in diesem Jahr werden mehr als 20 Milliarden Euro erwartet.