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Flut in Pakistan : Bitte keine negativen Berichte!

Bilder, die sich im Hirn festsetzen: Opfer von Überschwemmungen in der pakistanischen Provinz Sindh Bild: Fähnders

Die verheerende Flut in Pakistan verdient mehr Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit. Reporter müssen vor Ort allerdings etliche Hürden überwinden, nicht nur bürokratische.

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          Manchmal liegen zwischen zwei Anrufen nur knapp zehn Minuten. Am häufigsten melden sich die örtlichen Vertreter des Militärgeheimdiensts. Aber auch die Polizei lässt das Telefon des lokalen Übersetzers in Pakistan dauerläuten. Ihre Anrufe gehen anfänglich bis in die Nacht hinein und beginnen frühmorgens wieder von Neuem. Die Fragen der Agenten und Polizisten wiederholen sich über die Zeit des Aufenthalts dutzendfach: Wo fahrt ihr hin? Wo seid ihr jetzt? Was macht der Korrespondent? Was sagt er über die Situation? Was wird er schreiben? Für dieses Interesse am Krisenjournalismus scheint nicht nur die in Pakistan fraglos angespannte Sicherheitslage ausschlaggebend zu sein, sondern vor allem der Wunsch nach einer möglichst wohlwollenden Berichterstattung.

          Till Fähnders
          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Dank seiner Erfahrung mit Pakistans Behörden weiß der Übersetzer zum Glück, wie er die Anrufer durch gutes Zureden beruhigt. Die „großartige Arbeit“, die vor allem das Militär im Flutgebiet leiste, habe der Korrespondent schon erkannt und gewürdigt, behauptet er. Dabei ist das Land, das im Hintergrund von Generälen dominiert wird, mit der Katastrophe überfordert. Seit Wochen liegen große Teile Pakistans unter Wasser. Die Regierung ist auf Hilfe angewiesen. Das Journalistenvisum, dessen Ausstellung sonst Wochen dauern kann, wird per Express erteilt. Das Interesse wird geschätzt, da die globale Presse bisher nicht so berichtet hat, wie es bei einer Katastrophe dieser Dimension eigentlich zu erwarten wäre. Die Welt hat andere Sorgen, den Krieg in der Ukraine etwa, die strapazierte Weltwirtschaft und den Tod der Queen.

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