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Berichterstattung im Jemen : Die Ausweitung der Schweigezone

  • -Aktualisiert am

Radhya Almutawakel: „Sie wissen nicht warum sie kämpfen. Sie haben keinen Friedens- und auch keinen Kriegsplan.“ Bild: Reuters

Die Menschenrechtlerin Radhya Almutawakel musste den Jemen verlassen. Was sie den Vereinten Nationen aus ihrer Heimat berichtete, brachte sie in Gefahr. Wer informiert noch aus dem vergessenen Krieg?

          Radhya Almutawakel und ihr Ehemann Abdulrasheed al Faqih leiten die jemenitische Menschenrechtsorganisation „Mwatana“. Seit dem Beginn des Kriegs im Jemen berichten sie vom Leid der Gesellschaft des zerrissenen Landes. Und seit dem Beginn der Kämpfe im Jahr 2014 wurden Mitarbeiter ihrer Organisation immer wieder festgenommen und schikaniert, manchmal für Stunden, manchmal für Tage. Dass ihnen nicht mehr zugestoßen sei, sagt Radhya Almutawakel, liege an ihrer Neutralität: „Wir beschützen uns, in dem wir unabhängig und professionell sind.“

          Dennoch verließ sie im Juni gemeinsam mit ihrem Mann das Land. Als erste jemenitische Frau, die vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen sprach, hatte sie sich zu viele Feinde gemacht. In jüngster Zeit war das Paar immer öfter schikaniert, verhaftet und verhört worden. Minuten vor ihrer Ausreise wurden sie am Flughafen von saudischen Sicherheitskräften in Gewahrsam genommen. Erst nachdem sich internationale Organisationen einschalteten, ließ man sie widerwillig in den Libanon fliegen, von wo aus sie ihre Organisation weiterführen. Auf die Frage, ob ihr Aufenthalt im Libanon nur temporär sei, antwortet Almutawakel: „Ja, wir sollten zurückkehren.“

          Dass ihr Schicksal auch hätte anders ausgehen können, beweist der Fall von Anwar al Rokn. Der jemenitische Journalist ließ sich von der Bedrohung durch die Kriegsparteien nicht einschüchtern und berichtete weiter aus den Regionen des Landes. 2017 wurde er auf dem Gebiet der Houthi-Rebellen entführt. Nach einjähriger Gefangenschaft ließ man ihn frei. Wenige Stunden später starb al Rokn. Unterernährt und übersät mit Wunden, wurde sein lebloser Körper in den Gassen der einst so prächtigen Hauptstadt Sanaa gefunden.

          Der Ursprung allen Übels

          In ihrem Machtbereich, zu dem die Hauptstadt Sanaa und der wichtige Hafen von Hodeida gehören, haben die Houthi-Rebellen ein Terrorregime errichtet. Im Rest des Landes bekämpfen sich die von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten militärisch unterstützte Exilregierung von Präsident Hadi, der jemenitische Ableger von Al Qaida und der IS. Viele weitere Gruppierungen kontrollieren zudem einzelne Provinzen des Landes.

          Entwickelt hat sich die Lage nach einer Rebellion im Jahr 2015. Damals vertrieb eine schiitische Minderheit die sunnitisch geprägte Regierung aus der Hauptstadt Sanaa. Seitdem kontrolliert die Miliz unter Führung von Hussein Badreddin al-Houthi den Nordwesten des Landes. Die Regierung von Präsident Abd-Rabbu Mansur Hadi floh in die Hafenstadt Aden und „regiert“ von dort, gestützt von Saudi-Arabien.

          Zuletzt unternahmen die Truppen der von den Saudis angeführten Koalition eine Offensive auf die Hafenstadt Hodeida, über welche die Vereinten Nationen alle Hilfslieferungen für das von den Houthi beherrschte Gebiet abwickeln. Zurzeit ist die Offensive gestoppt, es wird darüber verhandelt, ob die UN die Kontrolle über die Stadt zugesprochen bekommen, weil sich sonst durch die Kämpfe die Lage für die Menschen in einem Teil des Landes nochmals verschlimmerte.

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