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Berichterstattung aus Somalia : Sechshundert Dollar Kriegskasse

  • -Aktualisiert am

Ahmed Jimale Bild: Lutz Mükke

Jahrelang brillierte das Erste mit Reportagen aus Somalia. Großen Anteil daran hatte der Einheimische Ahmed Jimale. Er nahm die Bilder des ermordeten amerikanischen Soldaten in Mogadischu auf, die um die Welt gingen. Von der ARD gekündigt, lebt Jimale heute als Flüchtling in Schweden.

          Ein paar hart umkämpfte Straßenzüge in Somalias Hauptstadt Mogadischu waren seine Demarkationslinie. Heute sind es die Wälder und Seen rings um das beschauliche schwedische Nest Katrineholm. Wie genau er als Flüchtling nach Schweden kam, erzählt Ahmed Jimale nicht. Wohl aber, wie er mehr als zehn Jahre lang in einem der gefährlichsten Berichterstattungsgebiete der Welt für die ARD arbeitete und wie ihn das aus seiner Heimat katapultierte.

          Der einstige freie Mitarbeiter hat großen Anteil daran, dass die ARD mit ihrer Somalia-Berichterstattung glänzen konnte. Von 1992 an arbeitete der heute Vierzigjährige exklusiv für das Erste Deutsche Fernsehen. Wann immer Korrespondenten nach Somalia kamen, besorgte Jimale Geländewagen, Unterkünfte, dolmetschte und stellte Kontakte her. Auch bewaffnete Milizen heuerte er an. Denn ohne deren Geleitschutz können sich westliche Kamerateams in Somalia nicht bewegen, gerade bei schwierigen Recherchen. Für vergleichsweise wenig Geld (600 Dollar monatlich) lieferte Jimale Vorschläge, Radio-O-Töne und Bilder.

          Nur einmal wurde es brenzlig

          Fünfzehn Jahre ist es her, dass Albrecht Reinhardt, damals Afrika-Korrespondent, in Mogadischu auf Ahmed Jimale traf. Reinhardt suchte einen ortskundigen Fahrer. Zu dieser Zeit wollte Jimale mit seinem Freund Dahir die ausweglose Misere, in der Somalia steckte, wenigstens nutzen, um ein paar Dollar zu machen. Sein Plan war, ein Auto an Hilfsorganisationen oder Journalisten zu vermieten. 1992 war Mogadischu zerschunden und zerbombt. Der Diktator Siad Barre war zwar vertrieben, aber die Oberhäupter verfeindeter Großclans stießen ihr Land immer tiefer in Gewalt und Armut. Milizionäre und Zivilisten starben in Straßenschlachten, bis die Clans Mogadischu in Sektoren teilten. Hunger grassierte, und aus der Ferne bahnte sich die „Operation Restore Hope“ an, die Militärintervention der Amerikaner und der Vereinten Nationen.

          ARD-Team im zerbombten Mogadischu

          Das Treffen mit dem ARD-Korrespondenten Reinhardt krempelte Jimales Leben um: Noch verstand er wenig von Journalismus. Doch bald zeigte sich, was Jimale und Dahir zu bieten hatten: Da sie zwei bis ins Mark verfeindeten Clans angehören, konnten sie mit Korrespondenten sowohl in Nord- als auch in Südmogadischu recherchieren. Denn der eine Stadtteil wurde von Jimales Clan, der andere von Dahirs Leuten kontrolliert.

          Während die Korrespondenten im Shamo- oder Sahafi-Hotel warteten, zog Jimale los und sondierte die Lage. Er entschied, wo und wann man drehen konnte. Nur einmal in zehn Jahren wurde es für ARD-Korrespondenten richtig brenzlig, als es an der „Green Line“, der Grenzlinie zwischen Nord- und Südmogadischu, zu einem Handgemenge kam und Schüsse fielen. Ein paar Ausrüstungsgegenstände gingen verloren, niemand wurde verletzt.

          Szenen, auf die die Welt starrte

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