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Bayerischer Fernsehpreis : Sein Mann ist geborener Münchner

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Hape Kerkeling mit Trophäe und Bier nach der Verleihung Bild: dpa

Bei der Verleihung der „Blauen Panther“ zeigt Markus Söder, dass er kurze, pointierte Reden halten kann. Der von ihm gelobte Ehrenpreisträger Hape Kerkeling macht es natürlich noch besser und erlaubt sich einen Ausflug in die Politik. Kann der Entertainer nicht endlich ins Fernsehen zurückkommen?

          Es ist müßig, über Sinn und Unsinn der Übertragung langweiliger Preisverleihungen zu lamentieren. Zum dreißigsten Mal ist am Freitagabend der Bayerische Fernsehpreis, der Blaue Panther, in dreizehn Kategorien vergeben worden. Hätte es dabei nicht drei Preise für RTL-Produktionen gegeben, hätte der Sender kaum Grund, das Ganze ins Fernsehen zu rücken. So kann RTL zeigen, dass es einen Preis für Mark Land gab, den Producer der RTL-Show „Ninja Warrior Germany“, einen für Daniel Hartung, Amai Haukamp und Anne Morgan für ihre Vox-Reportage „Mann oder Frau – Leben im falschen Körper“ und einen für Stefanie Albrecht als Autorin der Reportage „Faktenverdreher und Fake-News: Undercover bei alternativen Medien“.

          Doch ob das reicht, um die Zuschauer vor den Bildschirm zu bannen und sich die langen Danksagungen der mit 10.000 Euro belohnten Preisträger anzusehen? Die Moderatorin Barbara Schöneberger macht in der ihr eigenen Manier das Beste daraus. Die Sparmaßnahmen von RTL, sagt sie, hätten dazu geführt, dass sie als „Heimschläfern“ bei ihren Eltern in Gröbenzell übernachtet habe, um dann mit der S4 zum Hauptbahnhof zu fahren, wo sie dann weiter mit dem Nahverkehr zum Prinzregententheater gefahren sei. Alles klar? Das ist eine nette Anspielung auf Edmund Stoibers legendäres Transrapid-Gestammel, mit dem er einst erklären wollte, wie man vom Münchner Hauptbahnhof zum Flughafen kommt. Das Publikum klatscht dankbar.

          Söder hört „Ich bin dann mal weg“

          Der neue Ministerpräsident Markus Söder ist ungewöhnlich früh eingetroffen: eine knappe Stunde vor Veranstaltungsbeginn. Vier Stunden später hält er seine Laudatio auf den Ehrenpreisträger Hape Kerkeling. Sie ist angenehm kurz und selbstironisch. Am Ende glaubt man Söder sogar, dass er auf langen, einsamen Autofahrten der Hörbuchfassung von „Ich bin dann mal weg“ lauscht und sich vornimmt, es diesem Hape Kerkeling einmal gleichzutun. Irgendwann: „Wenn ich nicht mehr dem bayerischen Landtag angehöre. So wie Hape Kerkeling, der von einem meiner Vorgänger, Max Streibl, schon einen Bayerischen Fernsehpreis bekam, als ich noch nicht dem Bayerischen Landtag angehörte.“ Söder glaubt sogar, dass es „Wetten, dass“ noch gäbe, hätte Kerkeling damals Thomas Gottschalk beerbt.

          Hape Kerkeling ist für diesen Abend aus seinem selbst gewählten TV-Exil aufgetaucht. Seine kurze Dankesrede erinnert alle daran, was unserem Fernsehen mit ihm fehlt. „Ja Kruzifix“ legt er los, „was mischt sich dieser moppelige, vorlaute Rheinländer in die Angelegenheiten des Freistaats Bayern ein?“ Um dankbar Artikel 6 der Bayerischen Verfassung zu zitieren, wonach man auch durch Eheschließung zum Bayern werden könne. „Und mein Mann ist gebürtiger Münchner“.

          Vor 34 Jahren, sagt Hape Kerkeling, sei er als jüngster Preisträger mit dem Bayerischen Fernsehpreis geehrt worden, nun sei er froh, froh den Ehrenpreis zu bekommen „solange man halbwegs bei Trost ist.“ Erst in der Rückschau sei ihm bewusst geworden, wie treu sein Publikum jede Volte seiner Karriere mitgemacht habe. Und nicht wenige seiner Fans kämen aus dem Ausland, aus der Türkei, Syrien, Ghana, Iran: „Sie haben mir immer gesagt: Durch dich wissen wir, dass Deutschland nicht nur aus VW BMW, Mercedes Opel besteht, sondern auch ein bisschen lustig ist.“ Im Juni endet Kerkelings mediales Sabbatical übrigens. Dann erscheint sein neues Buch, ein Film könnte folgen.

          Drei Nobodys und ein Heizlüfter

          Der Preisträger Thomas Hermanns, der von seinem Geschäftspartner und Freund Michael Mittermeier für 25 Jahre „Quatsch Comedy Club“ gelobt wird, dreht derweil im Herbst für Sky eine weitere Staffel seiner Show. „Babylon Berlin“-Regisseur Tom Tykwer ist nicht nur glücklich über die zwölf Stunden Kino von „Babylon Berlin“, sondern auch über die Zusammenarbeit mit 700 Kreativen. Gerade arbeitet er an Folge 22 der Serie. Zuschauer in mittlerweile 106 Ländern warteten schließlich auf die Fortsetzung. Den Stolz auf den internationalen Erfolg möchte der X-Film-Produzent Stefan Arndt an diesem Abend keinesfalls verbergen.

          Bestärkt sind auch die Macher der Neuesuper GmbH, einer Produktionsfirma, die das vielgelobte aber quotenschwache „Hindafing“ für den Bayerischen Rundfunk erstellt hat und „Blockbustaz“ für ZDFneo: Simon Amberger, Korbinian Dufter und Rafael Parente pflegen ihr Image der drei Nobodys, die erst kürzlich in einer zusammengenagelten Hütte mit einem Heizlüfter anfingen und nun weltweit agieren. Ihren „Hindafing“-Hauptdarsteller Maximilian Brückner, der als bester Schauspieler ausgezeichnet wird, bitten sie, nur nicht die Bodenhaftung zu verlieren und weiter mit ihnen zu arbeiten. Julia Jentsch, ausgezeichnet als beste Schauspielerin in dem ARD-Mehrteiler „Das Verschwinden“, lobt die Arbeit der beiden mit ihr nominierten Kolleginnen Paula Beer und Claudia Michelsen, die keinen Preis bekommen. Der Preisträger Stephan Lamby, der auch für seinen Fleiß ausgezeichnet wird, 2017 drei investigative Filme 2017 produziert zu haben (unter anderem „Bimbes – Die schwarzen Kassen des Helmut Kohl“), sagt nicht ohne Pathos: „In diesem Land kann guter Journalismus systemrelevant sein.“  Auch dafür ist so eine Porzellanpantherverleihung gut. Weitere Preisträger sind Claudia Garde für die Regie von „Eine gute Mutter“ (ARD) und „Das Nebelhaus“ (Sat.1), Robert Löhr als Autor von „Das Institut“ und Christian Schwochow als Regisseur von „Bad Banks“. Er bat seine Hauptdarstellerin Paula Beer, ihn auf der Bühne zu stützen. Die Bankerserie, die auch fortgesetzt werden soll, entwickelt sich nämlich gerade zum internationalen Verkaufsschlager.

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