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Bergsteiger-Posse : Das ist der Gipfel, oder ist er es nicht?

  • -Aktualisiert am

Teil der „Seven Second Summits“: der K2, zweithöchster Berg Asiens Bild: dpa

Hans Kammerlander, Bergsteiger, wollte die zweithöchsten Berge der Kontinente bezwingen. Als es daran Zweifel gab, ging er auf die Presse los.

          Mittlerweile ist gar nicht mehr ganz klar, wovon diese merkwürdige Bergsteiger-Geschichte eigentlich handelt. Sie handelt von Hans Kammerlander, dem Südtiroler Alpinisten, und von einem Berg namens Mount Logan, dem zweithöchsten Nordamerikas. Sie handelt davon, dass Kammerlander 2010 nicht auf diesem Gipfel stand und folglich - obwohl er es behauptete - nicht der erste Mensch war, der die „Seven Second Summits“ bestiegen hat - die jeweils zweithöchsten Berge der sieben Kontinente. Sie handelt davon, dass Kammerlander den Mount Logan im Mai 2012 tatsächlich bestieg und eingestand, er habe sich beim ersten Mal getäuscht.

          Und doch ist das nur ein kleiner Teil dieser Geschichte. Denn diese handelt noch von viel mehr - davon, wie Hans Kammerlander, einer der besten Bergsteiger unserer Zeit, mit Kritik und Vorwürfen umgeht und dabei die Wahrheit aus dem Blick verliert.

          Der Reihe nach: Im Dezember vergangenen Jahres war Kammerlander in die Antarktis geflogen, um mit der Besteigung des Mount Tyree seine Besteigungsserie der „Seven Second Summits“ zu beenden. Den Mount Logan hatte er neben dem K2 (Asien), dem Ojos del Salado (Südamerika), der Puncak Trikora (Ozeanien), dem Dychtau (Europa) und dem Batian (Afrika) abgehakt. Das Marketing war angelaufen, der Druck gewaltig. Und doch wusste Kammerlander von seinem Fehler am Mount Logan. In einem Telefoninterview mit dieser Zeitung, das Kammerlander vor der Abreise in die Antarktis gab, räumte er ein, die Eisaxt, die den Gipfel markiert, nicht gesehen zu haben.

          Ich war oben!

          Nun kommt ein zweiter Ausnahmebergsteiger, der nach seiner K2-Gipfellüge im Jahr 2010 als erfahrener Havarist gilt, ins Spiel: der Österreicher Christian Stangl. Er hatte im Herbst 2011 die Antarktistour initiiert und sich mit Kammerlander zusammengetan. Die beiden standen in Kontakt, als Kammerlanders Unstimmigkeiten publik wurden. Stangl brauchte den Mount Tyree für seine eigene Serie, die er „21 Weltgipfel“ nennt; er will die jeweils drei höchsten Berge der Kontinente besteigen. Stangl ist seit der Geschichte am K2 ein gebranntes Kind. Er war damals bei schlechten Verhältnissen allein vom Basislager aus aufgebrochen. Keiner hatte ihm den Gipfel zugetraut. Doch als Stangl zurückkam, behauptete er: Ich war oben! Und präsentierte ein Gipfelfoto, das nicht am Gipfel entstanden war. Als ihn die Medien zerpflückten, wehrte er sich, sah Verschwörungen und verhielt sich eine Weile so wie Hans Kammerlander jetzt. Doch schließlich gab Stangl zu, er habe sich den Gipfel „nur eingebildet“. In der Bergsteigerszene hat er seither einen schweren Stand. Wenn eine Besteigung angezweifelt wird, sprechen einige von „stangln“.

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