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Berggruen und „Huffington Post“ : Die Macht des Wortes

Die Welt im Kopf: Nicolas Berggruen geht unter die Zeitungsgründer Bild: dapd

Arianna Huffington und Nicolas Berggruen kündigen ein neues Onlinemedium an. Die „World Post“ soll die Expansion der „Huffington Post“ beflügeln. Die Mächtigen erhalten ein Sprachrohr.

          2 Min.

          Der Gedanke, sich ein eigenes Medium zu verschaffen, ist für die Reichen und Mächtigen verführerisch. Der Amazon-Gründer Jeff Bezos erwarb im vergangenen August die „Washington Post“. Im Oktober folgte ihm der amerikanische Ebay-Gründer Pierre Omidyar  und warb den Enthüllungsjournalisten und Snowden-Vertrauten Glenn Greenwald vom britischen „Guardian“ ab, um mit ihm ein eigenes Onlinemedium aus der Taufe zu heben. Jetzt haben sich der Investor Nicolas Berggruen und die amerikanische Online-Heroine Arianna Huffington zusammengeschlossen. Ende Januar soll die „World Post“ an den Start gehen, die sich offenbar als Plattform einer schmalen Elite mächtiger Menschen versteht.

          Bill Gates und Tony Blair schreiben selbst

          Thomas Thiel

          Redakteur im Feuilleton.

          Politische und wirtschaftliche Prominenz wie Google-Geschäftsführer Eric Schmidt, Microsoft-Gründer Bill Gates und der ehemalige britische Premier Tony Blair sollen den Dienst mit regelmäßigen Beiträgen schmücken, der standesgemäß zum Weltwirtschaftsforum in Davos erstmals erscheinen soll. Die Genannten sind nicht nur weltweit, sondern über das Berggruen Institute on Governance auch mit dem funkelnden deutsch-amerikanischen Investor bestens vernetzt und sitzen teilweise im Beirat der neuen Online-Publikation.  Nathan Gardels, der Senior Advisor des politischen Think Tanks, soll der erste Chefredakteur der „World Post“ werden. 

          Nicolas Berggruen, der sich die Anteile an dem neuen Medium  mit dem „Huffington Post“-Eigner AOL teilt, beeilte sich, einem elitären Image entgegenzutreten. Die berühmten Namen seien nur die Zugpferde. Daneben wolle man  auch jungen, unbekannten Publizisten eine Stimme geben.  Berichte eines Arbeitslosen aus Spanien würden neben denen eines brasilianischen Studenten zu finden sein, ganz wie es dem Konzept der „Huffington Post“ entspreche, fügte Arianna Huffington hinzu. Dass sie anders als bei der „Huffington Post“ üblich für ihre Beiträge bezahlt werden, darf man für sie hoffen.

          Das finanzielle Investment bleibt geheim

          Das neue Magazin bekommt zwar eine eigene Onlinepräsenz, wird aber in einigen Bereichen eng mit der „Huffington Post“ verzahnt sein. Während es für die „Huffington Post“ die „Weltberichterstattung“ übernimmt, sollen Anzeigengeschäft und Marketing über deren etablierte Strukturen laufen.  Offenbar will die „Huffington Post“, die seit 2011 weltweit expandiert, mit der Neugründung ihren internationalen Charakter stärken.  42 Prozent ihrer Leser kommen nach den Worten ihrer Gründerin nicht aus den Vereinigten Staaten.

          Über die Höhe des Investments gibt es von beiden Seiten keine Angaben. Klar ist aber, dass die „World Post“ ein profitorientiertes Unternehmen sein soll, das sich nicht als philantropisches Accessoire versteht. Im redaktionellen Beirat sitzt neben dem Gründungsherausgeber der spanischen Tageszeitung „El Pais“, Juan Luis Cebrian, dem indischen Publizisten Dileep Padgaonkar und Googles Eric Schmidt auch Pierre Omidyar, der die Erfahrung aus seinem Medienprojekt „First Look Media“ einspeisen soll. Der schwer ausrechenbare Berggruen hat hier sicher ein dankbares Forum zur Inszenierung seines Kosmopolitismus gefunden.

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