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rbb-Kultur soll sparen : Kann das auch weg?

  • -Aktualisiert am

Der Slogan von rbb-Kultur klingt gut. In den Ohren von Mitarbeitern klingt er zurzeit aber vielleicht etwas sarkastisch. Bild: rbb

Der Hessische Rundfunk macht seine Radiowelle hr2-kultur klein. Beim Rundfunk Berlin Brandenburg droht nach Ansicht einer Journalistengruppe Ähnliches. Die Intendantin Patricia Schlesinger widerspricht.

          Eine „Freieninitiative“, zu der sich freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Senders rbb-Kultur zusammengeschlossen haben, kritisiert die dort vorgesehenen Kürzungen am Programmetat scharf. Von 2021 an plant der Rundfunk Berlin-Brandenburg eine Million Euro weniger für das rbb-Kultur-Radio ein. Die Kürzung entspricht nach Angaben der Freieninitiative zwanzig Prozent des aktuellen jährlichen Programmbudgets. Der RBB selbst teilte auf Anfrage mit, die Einsparung mache zehn Prozent des Gesamtbudgets des Kulturradios aus. Die freien Mitarbeiter sehen durch diese Maßnahme, „viertausend journalistische Beiträge über gesellschaftliche Debatten, über Bildung und Stadtentwicklung, Musik und Film, Theater und Literatur“ bedroht. „Jeder einzelne ,Tatort‘“, merkt die Initiative an, „kostet die ARD mehr.“

          Geschieht beim Rundfunk Berlin-Brandenburg also Ähnliches wie beim Hessischen Rundfunk, dessen „Reform“ des Senders hr2-kultur – wie an dieser Stelle mehrfach berichtet –, auf eine Klassikabspielstation ohne oder mit wenig journalistischem Programm hinauslaufen könnte? Auf Nachfrage heißt es beim RBB, es sei bisher noch nicht beschlossen worden, wie sich die „Verringerung konkret auswirkt“. Mitte September solle ein „breit angelegter, transparenter Diskussionsprozess“ beginnen. Angeleitet von der Programmchefin Verena Keysers, sollen mögliche Änderungen gemeinsam diskutiert werden. Der Reformbedarf des Kulturradios sei im gesamten Haus „unstrittig“, hieß es.

          Die RBB-Intendantin Patricia Schlesinger sagte: „In diesem Prozess nehmen wir die sehr verständlichen Sorgen der freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf, vor allem freue ich mich aber über die Bereitschaft, sich an diesem Verfahren aktiv zu beteiligen. Der RBB hat alle internen Veränderungsprozesse bislang sozial verträglich gestaltet und wird es auch in diesem Fall tun.“ Einsparungen erwarteten den gesamten Rundfunk Berlin-Brandenburg, die Redaktion von rbb-Kultur sei jedoch die erste, die sich dem „wichtigen und unausweichlichen Prozess“ stelle, sagte Schlesinger. Dieser sei mit dem Fall von hr2-kultur nicht zu vergleichen, hieß es auf Anfrage beim RBB.

          Die Freieninitiative hat sich mit ihrem Anliegen indes in einem offenen Brief an die Intendantin und mit einer Protestnote an den Rundfunkrat des Senders gewendet. Das Protestschreiben ist von 88 freien und dreißig festen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von rbb-Kultur gegengezeichnet. Die Sparmaßnahmen bei rbb-Kultur vergleichen die Freien sehr wohl mit dem Prozess bei hr2-Kultur. Auch dort seien „Programmeinschnitte und eine weitgehende Entwortung“ des Programms angekündigt. rbb-Kultur, so die Initiative, mache die Kultur der Region Berlin-Brandeburg „sicht- und hörbar“: „Statt diesen Bereich kaputtzusparen, sollte er in der ARD noch viel sichtbarer werden als bisher.“

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