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Nachrichten im Rundfunk : Erst der Kommentar, dann die Nachricht?

Auf die Idee, dass, wer eine Burka trägt, keinen Rucksack mehr braucht, um etwas Gefährliches zu transportieren und zu verbergen, könnte man auch jetzt schon kommen. Bild: dpa

Im Deutschlandfunk gerät die Informationsgebung durcheinander. Bei den Themen Steuerreform und Sicherheitspolitik zeigt es sich. Da wirkt sogar das Fernsehen besser. Bis auch dort der Kommentar kommt.

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          Erst kommt die Kommentierung, dann die Nachricht. Diesem Prinzip scheint sich inzwischen auch der Deutschlandfunk verschrieben zu haben, der von Hause aus für die beste und hintergründigste öffentlich-rechtliche Informationsgebung steht. Selbst die Nachrichten zur vollen Stunde beginnen inzwischen mit einer kritischen Einlassung, bevor es um die Sache geht. Besonders gut war das bei zwei Themen zu beobachten: den Vorschlägen der CDU-Mittelstandsvereinigung für eine Steuerreform und dem Paket von Sicherheitsmaßnahmen, das Bundesinnenminister Thomas de Maizière zur Terrorbekämpfung unterbreitet.

          In beiden Fällen hatten im Deutschlandfunk zuerst die Grünen und die Linken das Wort. Es war schon ziemlich schwierig, als Hörer überhaupt in Erfahrung zu bringen, dass Sinn und Zweck der Steuerreform nicht die Bereicherung der Superreichen, sondern die Entlastung unterer und mittlerer Einkommen ist, die von der Progression zurzeit relativ schnell erwischt werden. Dass die Opposition in solchen Fällen zitiert wird, ist schon klar. Dass unter ihrer Polemik die Grundinformation begraben wird, allerdings nicht.

          Auf diese Kommentare darf man wetten

          Das machen sogar die Fernsehnachrichten der ARD besser, etwa im Fall der „Tagesthemen“, die den Innenminister im Interview hatten und die Kritik an seinen Vorstellungen in einen eigenen Kommentar packten. Wobei dieser, beigesteuert vom SWR-Chefredakteur Fritz Frey, ganz dem Duktus entsprach, in dem die Sicherheitsdebatte hierzulande vom Mainstreamjournalismus begleitet wird: Burkas gefallen Frey zwar ganz und gar nicht, aber ist es notwendig und sorgt es für mehr Sicherheit, sie zu verbieten?

          Auf die Idee, dass, wer eine Burka trägt, keinen Rucksack mehr braucht, um etwas Gefährliches zu transportieren und zu verbergen, könnte man bei der Gelegenheit schon kommen. Als der frühere hessische Ministerpräsident Roland Koch vor Jahren ein Burka-Verbot anregte, wurde er verhöhnt und verlacht – schließlich seien diese doch gar nicht im Straßenbild zu finden. Inzwischen aber hat sich die Komplett-Verhüllung von Frauen im öffentlichen Raum eingebürgert; sie als Ausweis von Unterdrückung zu benennen, sollte man nicht der AfD überlassen.

          Und was die innere Sicherheit angeht, darf man gespannt sein, wie diskutiert wird, wenn das Ausmaß islamistischen Terrors in unserem Land Dimensionen wie in Belgien oder Frankreich angenommen hat. Auf Kommentare, die auf das „Versagen“ von Politik und Polizei abheben, darf man wetten, auch wenn es vorher hieß, die geplanten Sicherheitsmaßnahmen gingen zu weit. Aber vielleicht sorgt wenigstens der Deutschlandfunk dafür, dass man seine Nachrichten nicht von hinten nach vorne hören muss, sondern sie in sachdienlicher Weise aufbereitet sind.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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