https://www.faz.net/-gqz-9044p

Löhne beim Rundfunk : BBC-Chef verspricht Gehältergerechtigkeit

BBC-Hauptsitz in London Bild: AP

Seit die BBC die Gehälter ihrer Mitarbeiter offengelegt hat, wird über gerechte Bezahlung debattiert. In den Mittelpunkt geriet der Lohnvergleich zwischen Männern und Frauen.

          Wie beurteilt man den Wert einer Arbeitskraft? Ist es nachvollziehbar, dass der Moderator Chris Evans bis zu hundertmal mehr verdient als einer seiner Kabelträger? Lässt sich überhaupt ein Jahresgehalt von mehr als zweieinhalb Millionen Euro rechtfertigen – in einem von öffentlichen Gebühren finanzierten Staatssender? Die Offenlegung der BBC-Gehaltsliste hat eine ganze Reihe von Fragen aufgeworfen, die nicht nur dank des Sommerlochs umso leidenschaftlicher diskutiert werden.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          In den Mittelpunkt geriet die „ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen“ – und wie soll man es auch anders nennen, wenn sich unter den zehn Bestverdienern bei der BBC nur eine einzige Frau befindet? Dass Journalistinnen und Moderatorinnen im Durchschnitt schlechter bezahlt werden als ihre männliche Kollegen, ist nach Lektüre der Liste schwer von der Hand zu weisen. Andererseits, auch unter den Mitgliedern desselben Geschlechts sind zum Teil beträchtliche Gehaltsunterschiede zutage getreten – für angeblich „dieselbe Arbeit“. Das hat mit Gründen zu tun, die nicht allesamt auf dem Boden der Ungerechtigkeit zu suchen sind: nicht alle BBC-Mitarbeiter sind in gleichem Maße einsatzfreudig, nicht alle gleichermaßen brillant, nicht alle besitzen den selben, schwer zu objektivierenden „Marktwert“. Es gibt sogar Redaktionen, in denen Frauen für „denselben Job“ mehr Geld bekommen als ihre männlichen Kollegen – was zum Beispiel im Fall der „Today“-Moderatorin Mishal Husain, die ihrem Kollegen Justin Webb mindestens 60.000 Euro voraus ist, durchaus gerechtfertigt erscheint.

          Die Realitäten eines auf Kreativität und Individualität ausgerichteten Arbeitsmarkts lassen sich nicht ohne weiteres mit den Konsequenzen aus dem auch im Königreich geltenden Diskriminierungsverbot in Einklang bringen. Das könnte einer der Gründe dafür sein, dass die erbosten Frauen der BBC noch keine Klage angestrengt haben. Stattdessen schrieben mehr als vierzig der höchstbezahlten weiblichen Stars einen Brief an den Generalsekretär der BBC, Tony Hall, und forderten ihn auf, die angestrebte Gehältergerechtigkeit nicht erst im Jahr 2020, sondern möglichst rasch herzustellen.

          Hall hat zugesichert, dass schon die Gehaltsoffenlegung im kommenden Sommer eine Verbesserung reflektieren werde. Dabei sprach er vom prozesshaften „Schließen der Lücke“. Ob das am Ende mehr Geld für die Frauen oder weniger Geld für die Männer bedeutet, wird man sehen. Vollendete „Gerechtigkeit“ wird sich in den Spitzenpositionen einer dem Markt unterworfenen Branche jedenfalls nie erreichen lassen.

          Weitere Themen

          „It Must Be Heaven“ Video-Seite öffnen

          Trailer : „It Must Be Heaven“

          „It Must Be Heaven“ ist eine französisch-kanadische Komödie aus dem Jahr 2019 von Elia Suleiman. Der Film kämpft in Cannes um die Goldene Palme.

          Ein Abbild der modernen Ewigkeit

          Caillebotte in Berlin : Ein Abbild der modernen Ewigkeit

          Die Impressionisten sahen ihn als Nachzügler, aber als Maler des modernen Lebens war er ihnen einen Schritt voraus. Die Alte Nationalgalerie in Berlin feiert den Maler Gustave Caillebotte.

          „All my Loving“ Video-Seite öffnen

          Trailer : „All my Loving“

          „All my Loving“ ist der neue Film von Edward Berger und zeigt drei Geschwister, die an einem Punkt angelangt sind, an dem sie schnell etwas verändern müssen, bevor die zweite Hälfte ihres Lebens beginnt.

          Topmeldungen

          Bayern-Sieg im DFB-Pokal : Geballte Münchner Klasse

          Nach dem Meistertitel in der Fußball-Bundesliga sichert sich der FC Bayern nun das Double. Die Münchener setzen sich im Pokalfinale gegen RB Leipzig durch. Vorstandschef Rummenigge bestätigt anschließend: Trainer Kovac bleibt.
          Regisseur Bong Joon-ho hat mit seinem gesellschaftskritischen Thriller die erste Goldene Palme für Südkorea geholt.

          Blog | Filmfestival : Hochverdienter Gewinner

          Mit „Parasite“ siegt in Cannes ein gesellschaftskritisches Drama mit teils schwarzem Humor aus Südkorea. Zwei Entscheidungen der Jury überraschen allerdings.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.