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Bayern-Wahl bei ARD, ZDF, BR : Als die Grünen fast allein gewannen

  • -Aktualisiert am

Wahrlich historisch: Das Ende der Sozialdemokratie

Das ist das wahre „historische“ Ereignis dieses Wahlsonntags: das Ende der Sozialdemokratie als ernstzunehmende Partei. Jörg Schönenborn kennt die Gründe. Es ist die Unfähigkeit der SPD, ein eigenständiges Profil zu entwickeln. Die Bayern-SPD ist zu einer Kopie der Grünen degeneriert. Wer im Bund meint, als Kopie der Linken eine Chance zu haben, mag das gerne versuchen. Die SPD könnte in den östlichen Bundesländern sogar an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Pistorius kann dazu nur auf die sozialdemokratische Idylle in Niedersachsen hinweisen.

So ist dieser Wahlabend in der ARD recht interessant, allerdings auf andere Weise, als dies manche Beobachter noch um achtzehn Uhr freudig erwarten. Am Ende ist die Allmacht der CSU gebrochen, nicht aber aber die Vorherrschaft des Mitte-Rechts-Lagers. Die Sozialdemokraten scheinen jedoch ernsthaft anzunehmen, dass der CSU-Parteivorsitzende Horst Seehofer zurücktreten müsse. Doch wer weiß das jetzt schon? Bei Frank Plasbergs „hart aber fair“ wird es darum bestimmt gehen.

Mit dem Zweiten sieht man Schwarz-Grün

Zu Beginn des Wahlabends im ZDF sieht das Ergebnis der Landtagswahl nach Folgendem aus: eine Katastrophe für die CSU, mehr noch für die SPD, und ein überragender Erfolg für die Grünen. Die Bürger, sagt der Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte, hätten viel „bunter“ gewählt, es zeige sich eine ganz andere Gesellschaft. Die Einschätzung hat viel mit der Ergebnis-Prognose zu tun. Derzufolge liegt die CSU bei knapp über 35 Prozent, die SPD unter zehn, die Grünen liegen bei neunzehn Prozent. Erst im Laufe des Abends dämmert den Journalisten, wer der eigentliche Gewinner der Wahl ist – die Freien Wähler.

Die Disziplin der CSU auch in der Niederlage kann man nur bewundern. Kaum ist die Prognose raus, steht die bayerische Bauministerin Ilse Aigner, von der man weiß, dass sie die schärfste und aussichtsreichste Rivalin Markus Söders in der Partei ist, im Studio und verkündet, was nach ihr Söder und Horst Seehofer so ähnlich von sich geben werden: Jetzt gehe es nicht um persönliche Dinge und Schuldzuweisungen, sondern darum, das Wahlergebnis genau zu analysieren und in die Zukunft zu schauen. Man sei in dem bundesweiten Trend mitgefangen, der die Parteien der großen Koalition in Berlin treffe. Dass für diesen Trend die CSU in Person des Innenministers Seehofer Mitverantwortung trägt, klingt in den Fragen der Journalisten an, wird aber souverän beiseite gewischt.

Der Auftritt der SPD hat im Vergleich dazu etwas Geisterhaftes. Die Rede der Spitzenkandidatin Natascha Kohnen klingt wie der Abgesang auf den eigenen Untergang (Glauben wiederherstellen, Haltung, keine halben Wege mehr gehen, „über alles reden“), den die Parteivorsitzende Andrea Nahles nur noch bestätigt. Der Eindruck, den die große Koalition den Wählern vermittle, müsse sich ändern. Weitere Nachfragen? Keine.

Für Robert Habeck und die bayerische Spitzenkandidatin der Grünen, Katharina Schulze, sieht das selbstverständlich ganz anders aus. Sie ist immer noch im Wahlkampfmodus. Bayern habe „Herz statt Hetze“ gewählt, sagt sie, die Wahl habe das Land schon jetzt verändert. In ähnlichem Duktus ist Habeck unterwegs. Die Wahl sei „historisch“, die Menschen in Bayern hätten sich gegen eine Sprache und eine Politik gewehrt, die nicht mehr alle mitnehmen wolle und sich durch Engherzigkeit, Ausgrenzung und spaltende Sprache auszeichne. Es gebe einen klaren Veränderungsauftrag. Autoritäre und antieuropäische Politik sei mit den Grünen nicht zu machen.

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