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Bayerischer Fernsehpreis : Vom Glück, gebraucht zu werden

  • -Aktualisiert am

Laudatorin Annette Frier mit Regisseur Richard Huber Bild: dpa

Der „Blaue Panther“ gilt in der Branche zurecht als Fernsehpreis von Rang. Die richtigen Preisträger fanden sich in diesem Jahr auch. Über die Moderation allerdings kann man nur schweigen.

          Ein gutes Drehbuch wäre wünschenswert gewesen. Denn was die Sky-Moderatorin Aline von Drateln mit gespielter oder echter Ahnungslosigkeit an Fragen produzierte, ließ gleich den ersten Geehrten des Bayerischen Fernsehpreises 2016 verstummen. Ob er nur viel Talent habe oder sich die Rollen hart erarbeiten müsse, fragte die glitzernde Moderatorin den fassungslosen Martin Brambach, der den Preis als bester Hauptdarsteller für seine Rollen in „Der Fall Barschel“, dem „Tatort“ aus Dresden und einer Episode der Reihe „Unter Verdacht“ bekam.

          Er müsse sich akribisch vorbereiten, sagte Brambach. Mal eben so im Vorbeigehen spielen, das sei nie sein Ding gewesen und meistens habe er nach Drehschluss noch einmal sein ganzes Spiel in Frage gestellt, lautete die ehrliche Antwort. Weil die Qualität der Fragen immer wieder von forciertem Nichtwissen zeugte und für Raunen im Publikum sorgte, war die rekordverdächtig kurze Abwicklung der Veranstaltung im Münchner Prinzregententheater binnen zwei Stunden auch eine der großen Leistungen der diesmal vom Bezahlsender Sky ausgerichteten 28. Verleihung des Blauen Panthers.

          Dabei zeigten Preisträger und Filme, dass es sich um keinen schlechten Fernsehjahrgang handelt. Für die neben Nina Kunzendorf nominierten Lisa Wagner und Annette Frier war halt nur Pech, das die für „Nacht der Angst“ (ZDF) ausgezeichnete Preisträgerin ihre Rolle als Hebamme so eindrucksvoll spielte, dass der Blaue Panther für die beste Schauspielerin fast schon automatisch in ihren Händen landete. Kunzendorf nutzte ihre kurze Dankrede, um auf die Lage der Hebammen in Deutschland hinzuweisen, die in ihrer Existenz bedroht seien. Dafür gab es großen Applaus.

          Den bekam Annette Frier für die originellste Laudatio des Abends, in der sie vor dem Gewinner in der Kategorie „Beste Regie“ Richard Huber („Zwei Leben. Eine Hoffnung“) regelrecht warnte: „Er ist kein Demokrat, er zieht sein Ding volle Suppe durch, arbeitet volle Kanne gegen das, was beschlossen wurde und ist dann doch nur wie Bruchschokolade und will geliebt werden.“ Der Überraschungserfolg der Vox-Serie „Club der Roten Bänder“ bescherte derweil dem Produzentengespann Gerda Müller und Jan Kromschröder einen Blauen Panther. Die Drehbuchautoren Ralf Husmann und Ralf Güde erhielten den Preis für das beste Drehbuch für „Vorsicht vor Leuten“. Olli Dittrich bekam den Preis für seinen Auftritt als „Schorch Aigner – der Mann, der Franz Beckenbauer war“.

          In der Sparte Information durfte Sky sich selbst feiern für seine Bundesliga-Konferenzschaltung. Antonia Rados wurde geehrt für ihr Interview mit einem IS-Kämpfer im RTL-„Nachtjournal extra“. Maike Conway bekam den Bayerischen Fernsehpreis für ihre ZDF-Reportage „Niemand darf es wissen – Corinne und ihr Geheimnis“, für die sie eine HIV-infizierte Schülerin zehn Jahre lang begleitet hatte. Das ZDF durfte sich zudem über einen Preis für Güner Balcis Dokumentarfilm „Der Jungfrauenwahn“ freuen. Für Kabel eins holte Dietmar Klumpp einen Panther mit der Reportage: „Kampf für den Frieden im Kongo – Die größte Uno-Mission der Welt“, und der BR kann sich mit dem mit 10 000 Euro dotierten Nachwuchsförderpreis für sein Kika-Format „Checker Tobi“ an Tobias Krell schmücken. Dessen unverkrampfter Umgang mit Flüchtlingskindern sorgte fast für den längsten Applaus im Prinzregententheater. Der wurde nur noch übertroffen von den standing ovations für Senta Berger, die den Ehrenpreis des Ministerpräsidenten erhielt. „Eine Frau mit Haltung“ fand die stellvertretende Ministerpräsidentin Ilse Aigner in ihrer Rede. Senta Berger entgegnete, sie habe von ihrer Tante gelernt, Knöpfe anzunähen, „von meiner Mutter das Kochen und alles andere von meinem Beruf“. Sie zitierte den Schriftsteller Frank Wedekind: Glück sei, „seinen Anlagen gemäß gebraucht zu werden“. Insofern habe sie Glück „in der flüchtigsten Kunst von allen“ so lange ihr Auskommen zu finden.

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