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Bauer-Verlag : Schiffbruch für den grünen Punkt

  • -Aktualisiert am

Der Bauer-Verlag darf seine 25 größten Zeitschriften nicht mehr mit dem Siegel „Top 100 Titel” vertreiben Bild: agata skowronek

Höchst umstritten und nicht mehr zulässig: Der grüne Punkt des Bauer-Verlags darf nicht mehr auf Zeitschriften gedruckt werden. Der Hamburger Verlag scheint aber weiter an sein Siegel zu glauben.

          Im Kampf um die Vormacht am Zeitungskiosk muss der Bauer-Verlag jetzt zurückstecken. Der Verlag darf seine 25 größten Zeitschriften nicht länger mit dem Siegel der „Top 100 Titel“ vertreiben. Gruner + Jahr erwirkte gegen diesen grünen Punkt nach Informationen dieser Zeitung am Montag vor dem Landgericht Hamburg eine einstweiligen Verfügung (Az. 315O99/10). Nicht nur das Siegel wird damit zum Tabu. Auch darf die Bauer Vertriebs KG nicht mehr Grossisten dazu aufrufen oder aufrufen lassen, an der Aktion teilzunehmen. Das bedeutet das Aus für die umstrittene „Top 100 Titel“-Markierung in der bisherigen Form.

          Jan Hauser

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Mit seinem grünen Punkt will Bauer eigentlich hoch hinaus. Das Siegel soll ein Werturteil sein und die hundert Zeitschriften kennzeichnen, die nach Angaben der Fachzeitschrift „dnv“ die umsatzstärksten Zeitschriften im Einzelverkauf im vergangenen Jahr waren. Einzelhändler sollen damit auf einen Blick die wichtigsten Titel erkennen und entsprechend prominent im Regal plazieren, damit möglichst viele Menschen sie sehen und kaufen (Mit dem grünen Punkt der Antipathie: der Bauer Verlag gefährdet mit den „Top 100 Titel“ die Pressevielfalt). In der Branche ist das jedoch höchst umstritten: Kein anderer Verlag schloss sich der Aktion an und druckte den grünen Punkt auch auf seine Titel.

          Mit der Entscheidung des Gerichts fühlt sich Gruner + Jahr und deren Vertriebstochter in ihren rechtlichen Positionen bestärkt. „Das bestätigt, dass wir das Siegel für den Handel als irreführend eingeschätzt haben und dass die Aktion die Neutralität im Presse-Grosso verletzt“, sagte ein Sprecher des Verlags. Gruner + Jahr wartet nun die Begründung des Urteils ab.

          Der feste Glaube an den grünen Punkt

          Bauer sieht das alles anders. Man habe sich in einer wichtigen Frage durchgesetzt, teilt der Verlag mit: Die „Top 100 Titel“ seien im Einzelhandel zulässig. Gruner + Jahr sei mit dem Versuch gescheitert, Bauer zu verbieten, die Einzelhändler zur Umsetzung der Top 100 Aktion im Einzelhandel aufzurufen. Die Entscheidung des Gerichts zeige, dass der Stellenwert des Einzelhandels steige. Doch deutet der Verlag an, dass nicht alles beim Alten bleiben könne. „Das Siegel der Bauer Media Group wird für den Endverbraucher noch deutlicher gestaltet“, heißt es.

          Der Rechtsstreit um den grünen Punkt wird nicht der letzte sein. Der Moderne Zeitschriften Vertrieb (MZV), an dem die WAZ-Gruppe und Burda gleichrangig beteiligt sind, klagt vor dem Landgericht München gegen die Aktion: Bauer soll das Siegel nicht weiterverwenden und Grossisten nicht über die „Top 100“ informieren. „Die Aktion ist eine Irreführung des Handels und verstößt gegen die Neutralität der Presse-Grossisten“, sagt MZV-Geschäftsführer Uwe Reynartz. Auch seien die „Top 100 Titel“ nicht generell die umsatzstärksten Zeitschriften, weil bei jedem Händler andere Medien gefragt seien. Zudem würden neue Magazine und Spezialzeitschriften verdrängt. „Das gefährdet auch die Pressefreiheit und Pressevielfalt“, sagt Reynartz. Das Münchner Urteil soll am nächsten Montag fallen. Doch darf Bauer schon nach der Hamburger Entscheidung sein Siegel nicht mehr verwenden. Der Verlag freilich scheint weiter an seinen grünen Punkt zu glauben. Jan Hauser

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