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„Battlefield 2042“ : Runter vom Schlachtfeld, rein in den Tornado

Über den Wolken: In „Battlefield 2042“ kann man sich auch als menschliche Fledermaus bewegen. Bild: EA

Zu groß, um nicht zu scheitern: In „Battlefield 2042“ sollen die Schlachten der Zukunft geschlagen werden, doch das unfertige Videospiel leidet an den Fehlern aus der Vergangenheit.

          4 Min.

          Im Auge des Tornados ist vom Lärm des Schlachtfelds nichts mehr zu hören. Es ist viel lauter. Unerträglich laut. Ehrfürchtig ergibt man sich der Naturgewalt, alles dreht sich, Trümmerteile fliegen durch die Luft. Man kneift die Augen zu und denkt: Das war’s. Bis das Ding einen wieder ausspuckt, auf Wolkenhöhe über dem Erdboden. Von ganz oben betrachtet, ist das Schlachtfeld so übersichtlich. Die Grenze markieren die Windräder am Horizont. Für einen langen Moment steht die Zeit still, dann kommt der Boden schnell näher. In letzter Sekunde erinnert man sich an den Fallschirm und legt eine schmerzhafte Bruchlandung auf der Wiese hin. Man rappelt sich auf und schaut sich um. Feindliches Territorium. Man hört noch den Schuss, dann sind die Lichter aus. Die Ironie des Blockbusters für Zocker: den Tornado überlebt, im Kugelhagel gestorben.

          Patrick Schlereth
          Redakteur vom Dienst bei FAZ.NET.

          Die „Battlefield“-Reihe war schon immer der Superlativ unter den Egoshootern, mit „Battlefield 2042“ soll alles noch größer und ultimativer sein. Bis zu 128 Spieler passen auf die gigantischen Maps, Kampfjets sausen durch die Luft, Panzer legen ganze Stützpunkte in Schutt und Asche. Neu sind die Extremwetterphänomene, die für zusätzliches Chaos im Gefecht sorgen. In Indien und Singapur ziehen Tornados eine Schneise der Verwüstung, in Qatar verschlucken Sandstürme das Licht.

          Hitzige Neuauflage des Kalten Kriegs

          Der Kampf gegen den Klimawandel ist hier längst verloren. Der Meeresspiegel steigt, Lebensmittel und Trinkwasser sind knapp. Die Europäische Union ist nach dem Staatsbankrott der Bundesrepublik Deutschland Geschichte, der wirtschaftliche Ruin zahlreicher Nationen löst die größte Flüchtlingskrise der Menschheitsgeschichte aus. Aber wohin flüchten, wenn überall der Krieg tobt? Die USA und Russland verbleiben als letzte Supermächte und stürzen die Welt in eine Schlacht um die verbliebenen Ressourcen – eine hitzige Neuauflage des Kalten Kriegs sozusagen.

          Klingt größenwahnsinnig? Ist es. Aber vom apokalyptischen Plot im Stil eines Bestsellers von Frank Schätzing bekommt man eh nicht viel mit, denn „Battlefield 2042“ ist ein reiner Multiplayer-Titel ohne das erzählende Element einer sogenannten Kampagne. Wer blind drauflosstürmt, stirbt rasch an Bleivergiftung oder wird vom Panzer überrollt. Taktisches Vorgehen soll im Vordergrund stehen, jeder der zehn Spezialisten, die als Spielfigur zu Auswahl stehen, erfüllt seine eigene Aufgabe: „Angel“ heilt gefallene Kameraden per Defibrillator, „Boris“ stellt automatische Geschütze zur Verteidigung auf, und „Sundance“ überwindet riesige Distanzen und Höhenunterschiede als menschliches Flughörnchen mit ihrem Wingsuit.

          Zumindest in der Theorie – in der Praxis ist auf den gigantischen Schlachtfeldern jeder auf sich allein gestellt. Einen Sprach-Chat gibt es – noch – nicht, nur ein umständliches Ping-System, was taktische Absprachen ungemein erschwert. Die Strategiebesprechung fällt aus, alle rennen in verschiedene Himmelsrichtungen. Im klassischen „Battlefield“-Modus „Eroberung“ ist man minutenlang zu Fuß zum umkämpften Sektor unterwegs, nur um auf halber Strecke von einem Scharfschützen niedergeschossen zu werden. Auf freiem Feld ohne jegliche Deckung kann man noch so viel nach medizinischer Hilfe schreien, keiner der Teamkollegen will in die Schusslinie geraten. Nach dem Bildschirmtod kann sich der Spieler zwar direkt wieder vom Helikopter absetzen lassen, allerdings nur in einem der vom eigenen Team kontrollierten Sektoren. Wieder ist der Weg zur nächsten Schlacht weit, selbst im Hovercraft, das in der eigenen Basis herumsteht.

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