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Barbara Schönebergers Magazin : Weiß sie, was Frauen wirklich wollen?

Haben Sie das schon gesehen? Barbara Schöneberger präsentiert ihr Magazin im Berliner KaDeWe. Bild: dpa

Barbara Schöneberger hat jetzt eine eigene Zeitschrift, die ihr ganz und gar entspricht. Doch was steht drin? Diät-Tipps gibt es nicht. Aber es ist ganz schön was los: Es geht um Kohlrouladen und um Sexspiele im Kostüm.

          Wer immer noch nicht weiß, warum Barbara Schöneberger bloß so erfolgreich ist und in einer Umfrage, die „Frau im Spiegel“ Jahr für Jahr von einem Meinungsforschungsinstitut auflegen lässt, immer wieder als Deutschlands beliebteste Moderatorin dasteht, musste am Mittwochabend nur „Markus Lanz“ einschalten. Da saß sie, Wallemähne, Wallekleid, weiblich gerundet, wie immer bester Laune - und wartete darauf, über ihr neues, eigenes, die Schönebergersche Sicht aufs Frausein präsentierendes Magazin „Barbara“ zu sprechen.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          Lanz hatte gerade mit dem Populär-Philosophen Wilhelm Schmid die „Pandaisierung des Sexuallebens“ abgehandelt, nun schraubte er sich mit der ihm eigenen Empathie verbal an Barbara Schönebergers Seite. Er verstehe einfach nicht, warum es kein Ende nehme mit diesem Fitness-, Schönheits- und Perfektionswahn in Frauenzeitschriften. „Warum lassen sich Frauen das immer noch gefallen?“, fragte Lanz scheinbar betroffen und setzte einfühlsam nach: „Aus der Phase bist du wirklich raus, oder? Du arbeitest nicht mehr an deiner Figur.“ Woraufhin sie, ehrlich entsetzt, mit weit aufgerissenen Augen replizierte: „Doch! Wie verrückt! Ich mache alles!“

          Wenn das abgesprochen war, dann gut. Weil es Barbara Schöneberger perfekt als die Frauenfigur in Szene setzt, die zu verkörpern ihr „unique selling point“ ist: die stets nahbare Lebenslustige fern der Modelmaße, die Plumpheiten wie die von Lanz weglacht, weil sie sich selbst super findet. „Ich bin wirklich so gut gelaunt, deshalb bin ich auch authentisch, wahnsinnig flexibel und fleißig und zugleich auch wahnsinnig faul“, sprudelt sie Lanz ihre Selbsteinschätzung entgegen, dann ging es um fünfzehnjährige Models, die Erwachsenen weismachten, drei Minuten auf den Zehenspitzen beim Zähneputzen strafften das Bindegewebe, und um erotische Verkleidungsspiele und um Barbara Schönebergers Auftritt im eigenen Heft im verführerischen Krankenschwester-Dress, Größe 36. Lanz sagte nur: „Du sahst hammer aus.“ Man könnte auch sagen: Männer schätzen an Barbara Schöneberger die Figur und die Bombenstimmung, Frauen auch - aber aus unterschiedlichen Gründen.

          Die zweifache Mutter als Botschafterin fröhlicher weiblicher Unperfektion auf dem Zeitschriftenmarkt zu lancieren erscheint nicht als abwegige Idee von Gruner + Jahr. Gespür für Trends hat der Verlag schon mit dem Lifestyle-Grillheft „Beef!“ für Männer und dem Lifestyle-Kreativwellnesswohlfühlmagazin „Flow“ für Frauen bewiesen. Nun testet er mit „Barbara“ (Startauflage: 350.000), was noch geht in einem gleichermaßen überfüllten wie schwächelnden Segment. Und ob es Leserinnen gibt für etwas, das auf den ersten Blick wie ein Heft gewordener Egotrip wirkt, aber mit dem Untertitel „Kein normales Frauenmagazin“ verheißt, für 3,80 Euro etwas anders zu bieten als die übliche Mischung aus Mode, Beauty, Einrichtung, Frauengeschichten, Psychotests, Rezepten und Horoskopen. Sondern eine Zeitschrift, mit der Frauen sich wohl fühlen, so wie sie sind.

          Schon ist sie wieder weg: Hier durften sich Leserinnen neben Barbara Schöneberger für ihre ganz besondere Erstausgabe produzieren.

          Das Titelblatt verheißt allerdings nichts Gutes: Da strahlt Barbara Schöneberger, Editor in Large im Victoria-Beckham-Kleid, gephotoshopt und vor die Windmaschine gestellt wie alle anderen Cover-Models. Im Heft soll es keine Diäten, kein Workout und keine To-do-Listen geben, dafür Gewichtiges und Leichtes rund um „das erste Mal“. Womit nicht nur amouröse Erweckungserlebnisse gemeint sind, sondern Premieren aller Art. Etwa, wie es ist, wenn einem zum ersten Mal der Tod einen Menschen nimmt.

          Ein solcher Eröffnungsartikel überrascht tatsächlich, und das glückt dem Team um Chefredakteurin Brigitte Huber da und dort. „Barbara“ lästert über Trends auf Modenschauen, zeigt insgesamt wenig Mode, fährt lieber auf einen absurden Junggesellinnen-Abschied (gut, das ist keine neue Idee) und lässt eine Single-Frau einen Tag lang eine Großfamilie managen. Verführen will das Heft außerdem dazu, mal richtig zu kochen. Schweinekrustenbraten etwa. Oder Hummer.

          Spätestens an diesem Punkt ist es allerdings für viele Leserinnen wohl schon wieder vorbei mit: „Ich mache mich mal ganz locker.“ Und wenn im Selbstversuch „Oben ohne“ zwei makellose junge Frauen, mustergültig inszeniert und ausgeleuchtet, auch ohne Make-up neben einer Anzeige für Gesichtsreinigung glänzen, hat das Prinzip Unperfektheit sich längst als Pose entlarvt. Da können Barbara Schöneberger und Sarah Connor noch so lustig beim Mädelsabend-Gespräch herumturnen und Nichtigkeiten austauschen, die man lieber nicht gewusst hätte.

          Es ist aber auch schwierig. „Brigitte“ ohne Models ist kläglich gescheitert, Frauen blättern lieber in Traumbildern als Alltagsaussichten. „Barbara“ ist besser gemacht als einiges, mit dem es konkurriert. Und doch ein durch und durch ein ganz normales Frauenmagazin. Vielleicht reicht das ja schon für den Erfolg.

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