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Bankenkrise bei Plasberg : Vertrauen? Lieber nur der Sparkasse!

Schade nur, dass man diese Weisheit nach dem Kollaps des Finanzsystems im Fernsehen hören musste und nicht schon vorher in der Schalterhalle. Und auch bemerkenswert, dass Kopper die Gier für die Kundschaft reservierte - und für ein paar „hochspezialisierte Finanzexperten“ in den Zentralen der großen Banken, deren gigantische Bonuszahlungen aber nur berechtigt seien, weil sie ihre Geschäftserfolge ja nicht im Umgang mit dummen Kunden, sondern mit gleichfalls hochspezialisierten Bankern anderer Institute erzielt hätten. Bleibt wieder eine Frage: Wo sind all diese zwischen Spezialisten gehandelten Anleihenpakete und Kredite geblieben? Wurden sie nicht doch in anderer Form den Kunden angedreht? Denn soviel Eigengeschäft betreiben Banken doch nicht.

Eine undurchsichtige Welt, die nicht durchschaubarer wurde

Das Finanzgeschehen ist eine undurchsichtige Welt, und diesmal ist es Frank Plasberg in „Hart aber fair“ nicht geglückt, sie durchschaubarer zu machen. Das hatte vor allem mit den tausend Nebenaspekten zu tun, die zur Sprache kamen. Am schlimmsten war die Abschweifung vom eigentlichen Thema, als der Überraschungsgast Gerhart Baum, ehemaliger FDP-Innenminister und heute als Anwalt in Sachen Verbraucherschutz tätig, von Plasberg abseits der Runde befragt wurde und sich über den Weiterverkauf von Hypothekendarlehen an internationale Investoren erregte. Gut, auch das gehört zum Thema, wie die Banken unseren Wohlstand verzocken, aber es führt in zu spezielle Gefilde, als dass man dafür im Moment noch großes Interesse aufgebracht hätte.

Was man vielmehr wissen wollte, war, was der Zusammenbruch von Banken zu bedeuten hat. Die Heuschrecken-Debatte noch einmal zu führen, ist derzeit sinnlos, auch wenn es schon bemerkenswert zu hören war, wie selbstverständlich der frühere Kampfbegriff selbst einem Neoliberalen wie Stockheim von der Zunge ging, der ansonsten Professor Hickels Institut Geld spenden wollte, damit es sich eine weniger linksradikal dominierte Bibliothek anschaffen könne.

Keine Rechtfertigung der jüngsten Geschehnisse am Finanzmarkt

Immerhin waren weder Stockheim noch Kopper so vermessen, die billige Rede von der höheren Vernunft des Marktes anzustimmen. Außer Koppers Bemerkung, im Kapitalismus müssten geschäftsuntüchtige Banken eben verschwinden (eine Aussage, die für jedes Wirtschaftssystem gilt, sofern es rationale Ansprüche erhebt), gab es keine Rechtfertigung der jüngsten Geschehnisse am Finanzmarkt, und selbst Kopper ließ sich den Kalauer nicht nehmen, dass man den Namen der insolventen Lehman Brothers „Liehmän“ und nicht wie Layman ausspreche, „denn sonst wären es ja Laien, und die sind sie ja auch wirklich gewesen“. Der Wechsel vom Konjunktiv in den Indikativ zeigte, wie erschüttert das Finanzweltbild des ehemaligen Deutsch-Bank-Chefs sein muss.

Einig war sich die ganze Runde in noch etwas: Dass es höchste Zeit sei, wieder zu konservativen Anlagestrategien zurückzukehren. Damit war die moralische Komponente doch noch indirekt angesprochen. Denn der Vorzug einer möglichst sicheren vor einer möglichst hohen Rendite ist Ausweis einer praktischen Klugheit, die den Menschen als Gemeinschaftswesen begreift statt als Einzelkämpfer. Nicht im Wettbewerb, sondern in der Kooperation liegen die Grundlagen bleibender Werte. Der Markt als abstrakt vernünftige Größe, die scheinbar unbeeinflusst von äußeren Faktoren wie Leidenschaften oder krimineller Energie die Balance zwischen Angebot und Nachfrage herstellt (Kopper kleidete es leicht frivol in den aus dem Buch Hiob stibitzten Satz: „Die Börse gibt's, und die Börse nimmt's“), ist ein berückendes Modell, aber ein unmenschliches, weil damit just das ausgeblendet wird, was gemeinhin als das Motiv wirtschaftlichen Handelns gilt: Gewinnstreben - und damit auch die Immoralität des Marktes.

Dass nun eine gemäßigte Form des wirtschaftlichen Ehrgeizes triumphieren soll, die Nachhaltigkeit von Erfolg vor dessen Ausmaß setzt, das zeigt eine Rückkehr zum moralischen Diskurs, für den es angesichts der Ratlosigkeit der Finanzexperten angesichts des von ihnen angerichteten Debakels höchste Zeit ist. Ehrgefühl kostet wenigstens nichts.

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