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Bambi-Verleihung : Gold für den Mut

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Nie falsch ist es, Hape Kerkeling auszuzeichnen. Hier erhielt er die Auszeichnung im nicht näher spezifizierten Bereich Kultur, wofür er sich mit Blick auf Schmidt etwas apodiktisch bedankte: „Du, ich und Kulturbambi!“, bevor er eine Passage aus seinem Bestseller vorlas, allerdings auf Holländisch. Der Publikumspreis ging mit deutlicher Mehrheit (43 Prozent) an die ARD-Produktion „Die Flucht“. Unbekannt war bis zum gestrigen Abend, welcher Schauspieler und welche Schauspielerin, die in deutschen Filmen glänzten, einen Bambi erhalten: Die Wahl fiel auf Katja Riemann und Matthias Schweighöfer, wobei die zusammengestotterten Dankesworte des aufgeregten Schweighöfers nicht viel anders klangen als Kerkelings Niederländisch. Wenn Ulrich Wickert den Informations-Bambi an Maybrit Illner vergibt, dann hat das seine inhaltliche Richtigkeit und wirkt doch ein wenig so, als zappe man an einem beliebigen langweiligen Tag durch die Programme.

Es brauchte einen Querdenker und Weltstar wie ihn

Dass die Selbstbetrachtung des Fernsehens im Fernsehen schnell zu Rückkopplungen führt, mag systemtheoretisch erklärbar sein. Ohne blinde Flecken jedenfalls kommt man aus, sobald ein Medienwechsel stattfindet: in diesem Fall der Blick auf den Kinofilm. Und so lief der Abend erst, als die vorgesehene Sendezeit bereits überschritten war, auf seinen eigentlichen Höhepunkt zu, indem er sich zur internationalen Filmgeschichte hin öffnete. Der wichtigste Preisträger der diesjährigen Bambi-Verleihung war zweifellos Tom Cruise, der eine Auszeichnung in der wohl schönsten Kategorie erhielt: Courage. Mut habe Cruise bewiesen durch seinen Einsatz für den Film „Valkyrie“ und insbesondere durch die Übernahme der Rolle des Claus Schenk Graf von Stauffenberg.

Dass es in Deutschland Menschen gegeben hat, die im Kampf gegen das Regime Hitlers ihr Leben riskierten, hob Frank Schirrmacher, Mitherausgeber der F.A.Z., in seiner Laudatio hervor, finde im Ausland bis heute nur schwer Gehör. Da habe es einen Querdenker und Weltstar wie Tom Cruise gebraucht. Der Laudator prognostizierte, dass sich das Bild Deutschlands in der Welt durch diesen Film verändern werde, womit - so die Pointe - ein zentrales Anliegen Stauffenbergs selbst erfüllt würde.

Cruise verneigt sich vor Stauffenberg

In einer außergewöhnlich langen, geradezu aus ihm herausdrängenden Dankesrede, die den Übersetzer stellenweise abhängte, beschrieb Cruise, dass die vier Monate, die er im gastfreundlichen Deutschland lebte („ein Land, indem das erste Wort, das ich kennen lernte, 'Willkommen' heißt“), eine besondere, nie zuvor gemachte Erfahrung für ihn und seine Familie gewesen seien. Von seiner Kindheit berichtete der Schauspieler, um zu zeigen, dass wir stets eingebunden sind in Netzwerke und nur in diesen so etwas wie Mut entstehen kann. Es war Cruise ein Bedürfnis, sich von einer „abgedroschenen“ Aufstiegssemantik abzusetzen, die immer auch eine Autarkieerzählung ist: Es sei hier nicht um seinen Weg zum Superstar zu tun, sondern um den Siegeszug der Phantasie und der Fiktion. Schließlich verschob Cruise die Dimension der Courage mehr und mehr auf die Figuren, welche er verkörpert hat, bis sich die Rede zuletzt als Verneigung vor Stauffenberg erwies: „Möge sein Mut uns inspirieren“.

Den glamourösen Abschluss der Gala bildete die Verleihung des Lebenswerk-Bambis an eine Legende der Leinwand: Sophia Loren. Auf die Frage, ob sie Fremdsprachen beherrsche, hat die Schauspielerin einmal geantwortet, sie könne in zwölf Sprachen „Nein“ sagen, das genüge für eine Frau. Es ist ihr neunter Bambi - aber das genügt für diese Frau wohl noch lange nicht. Von der groß angekündigten, sehr teuren Werbeaktion der Stadt Düsseldorf - der Rhein sollte mittels Spezialscheinwerfern auf einer Länge von sechs Kilometern in einen roten Teppich verwandelt werden - hörte und sah man indes nichts: Schon die Generalprobe am Vortag war gescheitert und auch am Galaabend blieb der Rhein einfach dunkel. Man ist eben - da kann nicht einmal Hubert Burda Media etwas machen - doch nicht Hollywood. Aber eben das scheint den Gästen aus Hollywood ja besonders zu gefallen.

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