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Bambi-Verleihung : Die bleiben alle auf dem Teppich

  • -Aktualisiert am

Kitzträgerin Katja Riemann Bild: AP

Hungrige Reporter, hilflose Boxer, muskulöse Hostessen und der Fehltritt einer Schauspielerin, der Sabine Christiansens Kleid zerstörte: Beobachtungen am Rande der Bambi-Verleihung.

          4 Min.

          Ein Gang, ein Spalt, ein Blick hindurch, ein leises Schubsen und Kichern. Das ist, so wissen die Bücher: ein Geheimnis zur Vermittlung der reinsten Magie, und die Filmwelt weiß dies erst recht, mit dem Vorhang, mit dem Türspalt, mit dem verstohlenen Blick durchs Schlüsselloch ja ständig spielend. Dreihundertfünfzig Meter lang ist der rote Teppich, den sie, als sei dies ein kurfürstlicher Empfang, in Düsseldorf zur Verleihung des „Bambis“ ausrollen, des ältesten deutschen Medienpreises.

          Dreihundertfünfzig Meter!, raunen die Blätter, raunen ganze Wartezimmer bei Ärzten seit Tagen, und so kriecht dem Leser alsbald ein Schauer über den Nacken: Derart bedeutend, dieser Abend? Selbst im Regen stapfen treue Fernsehfans zum Kongresszentrum hinüber, wo zwei Scheinwerfer den Himmel nach Sternen absuchen und schwere Luxuskarossen vorfahren, Star-Gäste wie Gast-Stars, im Blitzlichtgewitter der Fotografen, entlang der pitschnassen Bewunderer der Fest-Gala entgegenhasten.

          Ein Fließband der Medienfabrik

          Drinnen freilich, nach den ersten fünfzig Metern, kaschieren die dreihundert Restmeter des Teppichs bloß einen überlangen, aber unumgänglichen Messeflur. Er führt von der Garderobe herüber zum Saal, ein Fließband gewissermaßen der scheppernden großen Medienfabrik, auf das sie vorne einige hundert Menschen legen, die immer dann zu Stars bearbeitet werden, wenn eine Kamera zwei Meter überblicken darf.

          Ein Preis als Belastung? Maybrit Illner

          Alles nur Show? Natürlich, banale Frage. Denn sie funktioniert, den implodierten Einfall der Stadt Düsseldorf, den Rhein als „größten roten Teppich der Welt“ per Künstlerhand zu illuminieren, einmal abgerechnet. Hinter den Stellwänden, beiderseits des Teppichs drücken sich wiederum Zaungäste die Nase platt, Hunderte von Hostessen, dienstmädchenhaft einen Blick durch die Fugen auf den Aufmarsch erhaschend. Und selbst die in feinsten Zwirn gewickelten Gäste werden sich an diesem Abend gelegentlich dabei ertappen, statt auf die Bühne zuweilen auf einen der Monitore zu schauen - weil wahrhaftig erst das ist, was im Fernsehen erscheint.

          Hinreißend! Bezaubernd!

          Unterwegs, auf einem Treppenabsatz, irgendwo bei Meter einhundertfünzig: Zwei aufgetakelte Boulevard-Journalisten, hinter denen zehn Meter für Fotografen reserviert sind. „Wie war noch mal Ihr Name?“, ruft die eine von ihnen immer wieder, und die andere schreibt den Namen auf. „Ist das Ihre neue Frau, dort? Ach, Ihre ...“, sie läuft rot an, „na dann: Was für ein Kleid, was für ein Parfüm? Hinreißend! Bezaubernd!“.

          Die Gäste auf dem Teppich bleiben artig stehen. Sie zuppen ihre Ausschnitte zurecht, als die ersten Kameras aufmerksam werden, sie atmen durch, fahren zu Hochform auf, antworten einige nichtssagende Phrasen und lächeln im Geschrei der Fotografen, unter denen sich die Namen allmählich ebenfalls herumgesprochen haben.

          Und schon ist es auf dem roten Teppich wieder still, staut sich der Star-Auflauf für eine Viertelstunde, gänzlich unbeobachtet, sehr entspannend.

          Stilvoll und ruhig

          Bis eine junge Frau die Namenskärtchen entgegennimmt, die jeder Gast am Eingang erhielt. Zwei Schritte eilt sie nach vorn. Dort steht der Gastgeber des Abends, Hubert Burda. Und der lächelt ein sehr freundliches, ein einnehmendes Lächeln. Liest dezent die Namen, nickt dabei, sucht persönliche Worte zu finden. Und dann sagt er „Herzlich willkommen“, zu jedem einzelnen, mit einem Handschlag. Sehr stilvoll und ruhig, wie fast alles an diesem Abend.

          Genau das, sagen die Freunde der Veranstaltung, macht den Unterschied aus zwischen einer „Bambi“-Verleihung und trubeligen Möchtegern-„Events“ wie dem „Deutschen Fernsehpreis“.

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