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Deutsche Welle wird 65 : Stimme der Freiheit, bald auch auf Türkisch?

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Hat gute Argumente, um die wachsende Bedeutung des Auslandsrundfunks zu begründen: Peter Limbourg, Intendant der Deutschen Welle. Bild: EPA

Die Deutsche Welle feiert fünfundsechzigjähriges Bestehen. Die Bundeskanzlerin sagt, wie wichtig der Sender ist. Dessen Intendant Peter Limbourg hat einen Plan, der dem türkischen Präsidenten missfallen wird.

          Die Deutsche Welle sieht sich im Kampf gegen Zensur in einem „dauerhaften Wettrüsten“. In Iran, China oder Ägypten werde „ein enormer Aufwand betrieben, um uns zu blockieren“, sagte der Technik-Direktor des Senders, Guido Baumhauer. Man reagiere darauf ideenreich und sei dabei recht effektiv. Doch sei es ein „Hase-und-Igel-Spiel mit ständig wechselnden Rollen“.

          Der Einsatz für die Pressefreiheit sei Teil der Geschichte der Deutschen Welle, die gerade ihr Bestehen seit 65 Jahren feiert. Es sei „in unserer DNA“, sagte Baumhauer. Man begegne vielen Formen der Zensur. Neben dem „Jamming“, also der Störung von Radio- und Fernseh-Signalen und der Internetblockade, seien auch subtile Formen gängig, wenn etwa Journalisten keine Akkreditierung bekämen oder die Lizenz für die Ausstrahlung auf sich warten lasse. In Iran werde die Deutsche Welle seit 2009 mit all ihren Websites und Sprachangeboten blockiert. Allerdings sei die Bevölkerung jung und versiert im Umgehen von Zensur. „Unser Farsi-Angebot gehört daher trotz Zensur zu den am häufigsten abgerufenen Inhalten der Deutschen Welle.“ In China gebe es seit 2008 keine Lizenz, Sendungen über den Satelliten Sinosat anzubieten. In Ägypten mache sich die deutlich verschärfte Online-Zensur bemerkbar. Davon sei auch die mit Partnern gemeinsam betriebene Website Qantara betroffen, die seit August 2017 blockiert werde.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel würdigte bei einem Festakt zum fünfundsechzigjährigen Bestehen in Berlin die Bedeutung des Auslandssenders. Wir erlebten, „wie wichtig eine solche Stimme ist in einer Zeit, in der wir Verfälschungen in einer Weise kennenlernen, wie wir sie uns nicht hätten träumen lassen“. Merkel versprach, den Sender weiter zu fördern. Auch im Bundestag habe sich die Zahl der „DW-Fans“ erhöht. Der Intendant Peter Limbourg sagte, die Deutsche Welle wolle „noch besser Deutschland und Europa erklären“. Zur deutschen Identität gehöre „auch das Erinnern an die Ermordung von sechs Millionen europäischen Juden“. Darüber zu berichten, verstehe der Sender als Teil seines Auftrags. „Weder Extremisten noch Nationalisten werden unsere Haltung in dieser Frage ändern.“

          Bundeskanzlerin Angela Merkel und Kulturstaatsministerin Monika Grütters machen sich ein Bild vom Angebot der Deutschen Welle.

          Er betonte zugleich, der „schönste und nachhaltigste Ausdruck von Wertschätzung“ sei, „wenn es sich im Budget widerspiegelt“. Der internationale Wettbewerb sei stärker geworden, die Digitalisierung erfordere Antworten, und Autokraten weltweit machten die Arbeit nicht leichter. „Wir müssen neue Wege gehen“, sagte Limbourg und hob die Idee eines türkischsprachigen Fernsehsenders hervor, den die Deutsche Welle ins Werk setzen wolle.

          Die Deutsche Welle wird aus dem Haushalt der Bundeskulturbeauftragten finanziert, 2017 mit rund 325 Millionen Euro. Damit liegt der Sender hinter dem französischen Auslandsrundfunk (380 Millionen Euro pro Jahr) und der britischen BBC World (524 Millionen Euro). Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) will den Bundeszuschuss für die Deutsche Welle im kommenden Jahr um fast zehn Prozent auf 350 Millionen Euro erhöhen. Die Förderung muss aber noch vom Bundestag beraten werden.

          Die Deutsche Welle nahm ihr Programm am 3. Mai 1953 mit einer Ansprache des damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss (FDP) auf. Er wandte sich an die „geehrten und lieben Zuhörerinnen und Zuhörer im fernen Lande“. Der Sender strahlte zunächst ein dreistündiges deutsches Kurzwellenprogramm aus. Ein Jahr später gab es Radionachrichten auf Englisch, Französisch, Spanisch und Portugiesisch. Heute verbreitet der Sender über Fernsehen, Radio und Internet Programme in dreißig Sprachen. In Englisch, Deutsch und Spanisch gibt es ein Nonstop-Fernsehprogramm. Insgesamt erreicht der Sender weltweit rund 157 Millionen Menschen pro Woche.

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