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Bachmannpreis virtuell : „Es ist doch eigentlich eine schräge Geschichte“

  • -Aktualisiert am

Für Aufmerksamkeit sorgen: Rainald Goetz, nachdem er sich beim Bachmannpreis 1983 die Stirn aufgeritzt hat. Bild: Picture-Alliance

Die Tage der deutschsprachigen Literatur werden wegen Corona erstmals nicht in Klagenfurt, sondern virtuell ausgetragen. Petra Gruber vom ORF erklärt, wie man trotzdem Aufmerksamkeit erzeugen will.

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          Kommende Woche erleben wir die ersten Tage der deutschsprachigen Literatur, die nicht in Klagenfurt, sondern virtuell ausgetragen werden. Nun, da die Frankfurter Buchmesse doch stattfinden soll: Kamen Ihnen doch noch Zweifel, ob man den Bachmannpreis vielleicht vor Ort in Klagenfurt hätte ermitteln können?

          Jan Wiele

          Redakteur im Feuilleton.

          In solch einer Krise muss man zu einem bestimmten Zeitpunkt eine Entscheidung treffen, so eine Veranstaltung hat enormen planerischen Vorlauf. Ursprünglich dachten wir, es geht gar nichts. Dann haben wir überlegt, wie wir auch mit Hilfe der Infrastruktur unserer 3sat-Partner in Deutschland und der Schweiz doch noch etwas auf die Beine stellen können.

          Die Jurymitglieder sitzen nicht in der Runde, sondern jedes einzeln bei sich zu Hause. Das ist sehr ungewohnt, erinnert man sich an mehr als vierzig Jahre Bachmannpreis und manche hitzige Jurydiskussion im Plenum.

          Sie kennen ja die Dynamik des Preises – wir hätten es unfair gefunden, wenn etwa drei im Studio gesessen hätten, die brillant rüberkommen, und dann hat man andere nur zugeschaltet, die quasi zweidimensional sind. Wir haben jetzt Spezialkameras vor Ort bei jedem Jurymitglied, die ferngesteuert werden können.

          Was wird noch anders sein?

          Die Lesungen der Autoren werden dieses Jahr vorher aufgezeichnet, die Autoren bei der Diskussion aber via Skype zugeschaltet, weil es ja für uns ein wichtiges Element ist, dass sie sich auch dem Juryurteil stellen können.

          Für viele ist der Bachmannpreis längst ein Social-Media-Ereignis. Aber manche fürchten auch, er könne bald nur noch ein solches sein, mit Einbußen bei der Produktion.

          Insgesamt versuchen wir, so nah wie möglich an der gewohnten Form zu bleiben, weil der Bewerb so einzigartig ist. Es sollte keine Miniversion werden, und für den ORF ist es eine der wichtigsten Einbringungen ins 3sat-Programm, sechzehn Stunden Literatur live im Fernsehen zu übertragen. Der spezielle „Spirit“ soll erhalten bleiben, damit man sagen kann: Nächstes Jahr in alter Frische! Es wird aber auch dieses Jahr keine Situation entstehen wie zu Corona-Anfangszeiten, dass man da nur flache, optisch und technisch „unmögliche“ Viereck-Bildchen haben wird. Klaus Wachschütz, unser Regisseur und Technischer Leiter im Landesstudio Kärnten, hat sich vieles überlegt, um tatsächlich einer Fernsehregie in gewohnter Qualität nahezukommen.

          Ich finde es toll, dass es so etwas im Fernsehen noch gibt, und manch beliebter Podcast von epischer Länge heute zeigt, dass so etwas weiter gefragt ist. Aber man hört immer wieder, das Format sei unter Druck.

          Ich denke ja auch manchmal: Ist es nicht anachronistisch? Es hat schon etwas von „Slow TV“. Aber es kommt durchaus auch bei Jüngeren super an. Witzigerweise gibt es da Überschneidungsmengen mit den Hörern von FM4, dem Jugendsender des ORF. Es ist doch eigentlich eine schräge Geschichte, dass der Bachmannpreis die Altersgruppen zusammenbringt. Und „anders fernsehen“ heißt ja die Botschaft von 3sat. Natürlich muss man immer wieder darum kämpfen. Aber alle drei Länder bekennen sich dazu. Dafür nimmt man auch mal nicht ganz so tolle Quoten in Kauf.

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