https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/ausgehorchter-bundestag-sie-sind-jetzt-alle-erpressbar-13644194.html

Ausgehorchter Bundestag : Sie sind jetzt alle erpressbar

Da werden dunkelste Stasiträume wahr: Der Bundestag steht nackt da. Bild: Greser & Lenz

Der Bundestag ist ein digitaler Trümmerhaufen. Da will man Firmen zu mehr Sicherheit im Datenverkehr anregen, und steht für Hackerangriffe selbst offen wie ein Scheunentor.

          1 Min.

          Wenn das nicht peinlich ist: Da debattiert der Bundestag am Freitag über das IT-Sicherheitsgesetz, das Firmen auferlegt, für mehr Sicherheit im Datenverkehr zu sorgen, und das Parlament selbst – ist für Hackerangriffe offen wie ein Scheunentor. Ganz schön einfach ist das, wenn sich das Netzwerk über einen Mail-Anhang, den irgendjemand im Bundestag geöffnet hat, mit Malware infizieren lässt.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Ganz schön peinlich ist, dass die Bundestagsverwaltung den Abgeordneten bis jetzt keine hinreichenden Informationen dazu geben geschweige denn das Leck stopfen kann. Und ganz schön erstaunlich ist, dass der Angriff seit Wochen offenbar ungebremst läuft und das erst jetzt zu einer mittleren Aufregung führt, die in keinem Vergleich steht zu dem Brimborium, das bei sehr viel nichtigeren Anlässen gemacht wird. Und verantwortlich ist auch niemand.

          Ob man es in Großbuchstaben schreiben muss? Sämtliche Datenbestände des Parlaments können offenbar ausgelesen und manipuliert werden, nichts mehr ist vertraulich oder geheim, jede und jeder der 631 Abgeordneten ist nun erpressbar, die repräsentative Demokratie ist nackt und schutzlos. Und die Hacker, die, wie der Innenminister Thomas de Maizière meint, für einen ausländischen Geheimdienst arbeiten, womöglich für den russischen, können zu jedem Parlamentarier ein reichhaltiges Dossier erstellen, sie haben Material für Propaganda- und Rufmord-Attacken, die sie Dritten überlassen oder selbst lancieren können. Die Stasi hätte davon geträumt.

          Das IT-Sicherheitsgesetz soll übrigens vor allem „kritische Infrastrukturen“ schützen, also solche, von denen das Gemeinwohl abhängt. Der Deutsche Bundestag ist im Augenblick eine „kritische Infrastruktur“ in sehr kritischem Zustand.

          Weitere Themen

          Auf Kurs Richtung Sturm

          WDR-Rundfunkrat : Auf Kurs Richtung Sturm

          Stunksitzung in Köln: Auf der 646. Sitzung des WDR-Rundfunkrats wurde ungewöhnlich grundsätzlicher Unmut laut. Intendant Tom Buhrow sieht sich auf dem richtigen Weg.

          Topmeldungen

          Fumio Kishida und Joe Biden am 13. Januar in Washington

          Allianz gegen Peking : Ein Meilenstein bei der Eindämmung Chinas

          Die USA, Japan und die Niederlande schneiden China gemeinsam den Zugang zu hochmodernen Halbleitern ab. Pekings Vergeltungsoptionen sind begrenzt.
          Satiriker Jean-Philipp Kindler

          WDR-Rundfunkrat : Auf Kurs Richtung Sturm

          Stunksitzung in Köln: Auf der 646. Sitzung des WDR-Rundfunkrats wurde ungewöhnlich grundsätzlicher Unmut laut. Intendant Tom Buhrow sieht sich auf dem richtigen Weg.
          Mit diesem Foto sucht die Polizei nach der vermissten Julia.

          Jugendliche vermisst : Wo ist die 16 Jahre alte Julia W.?

          Sie nahm keine Zahnbürste mit und stellte beide Handys ab, dann verschwand sie: In Baden-Württemberg wird seit einer Woche die 16 Jahre alte Julia W. vermisst. Die letzte Spur führt zum Bahnhof Kirchheim/Teck.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.