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History-Serie : Hauptsache, die Hühner sind echt

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Gestatten, Herman the German oder eher: Arminius der Cherusker (Tom Hopper). Bild: History Channel

So sieht das also aus, wenn Amerikaner die europäische Geschichte inszenieren: Bei History läuft der „Aufstand der Barbaren“. Hört man die versammelten Experten, meint man, es gehe um die Gegenwart.

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          „Du bist ein toter Mann.“ Dieser Satz ist der einzige, der auf Deutsch zu hören sein wird, wenn der amerikanische Sender History sein aufwendig gestaltetes Doku-Drama „Aufstand der Barbaren“ in mehr als 185 Ländern ausstrahlt – abgesehen von den deutsch synchronisierten Fassungen natürlich. „Du bist ein toter Mann“, sagt der Cheruskerführer Ansgar zu Arminius, dem römischen Offizier, der von Kaiser Augustus den Auftrag bekam, im Jahr acht nach Christus seine Landsleute endgültig dem Römischen Reich zu unterwerfen.

          Arminius ist einer von neun „Rebellen“, die gegen Rom antreten und rund zweitausend Jahre später von dem Sender History zu einer Serie in acht Teilen versammelt werden. „Rom fiel nicht an einem Tag“ lautet der Untertitel. Blickt man auf die Aufmachung und die Reihung, bekommt man den Eindruck, hier könnte die Geschichte Roms als Spiegelbild der Gegenwart der Vereinigten Staaten verhandelt werden. Es treten auf: Hannibal, Viriathus, Spartakus, Arminius, Boudicca, Fritigern, Alarich, Attila und Geiserich. Sie alle könnte man ob der aufs Heutige gerichteten Kommentare der Experten für Vorbilder aktueller Aufständischer halten. Die Macher von „Aufstand der Barbaren“ ziehen auch selbst fortwährend Parallelen zwischen damals und heute. So bezeugen Bürgerrechtler wie Jesse Jackson oder Clarence B. Jones, der Redenschreiber von Martin Luther King, die moralische Integrität des Spartakus, der den Sklavenaufstand in den Jahren 73 bis 71 vor Christus anführte.

          Um der amerikanischen Sicht auf europäische Geschichte gehörigen Aplomb zu geben, knüpft History freilich zunächst an eine fiktionale Sagenwelt an, mit welcher die Sender HBO und Sky seit Jahren ein großes Publikum für sich gewinnen. Will heißen: Was „Game of Thrones“ recht ist, ist dem „Aufstand der Barbaren“ billig – großer Aufwand, große Kulisse, große Schlachten, und die Besetzung ist zum Teil ebenfalls „Game of Thrones“-geschult. Richard Brake und Jefferson Hall sind in der Fantasy-Serie aufgetreten, hier spielen sie Vandalenkönig Geiserich und den Lusitanerführer Viriathus. Die Liste setzt sich fort. Tom Hopper, bekannt aus „Black Sails“ und „Merlin“, ist Arminius, Nicholas Pinnock („Captain America“) spielt Hannibal, Ben Batt („Shameless“) Spartakus, Kirsty Mitchell die englische Kriegerkönigin Boudicca und Steven Waddington, bekannt aus „The Imitation Game“, den Goten Fritigern. Bleiben noch Emil Hostina als Attila und Gavin Drea als Hunnenkönig Alarich.

          Nichts für Schulklassen

          In dem Film über Arminius steht dessen Schicksal für den gescheiterten Versuch Roms, die unterworfenen Völker mit dem in der Denkweise der Eroberer erzogenen „Barbarennachwuchs“ zu befrieden. Ausgerechnet bei dem Musterzögling Arminius geht diese Rechnung nicht auf. Der Fürstensohn entdeckt seine Wurzeln, stellt den Römern eine Falle und profitiert davon, wie die Stimme aus dem Off mehrfach wiederholt, dass er „die Guerrillataktik der Cherusker mit der Disziplin der Römer verbindet und so in der Lage ist, mit seinen 15.000 Barbaren eine römische Streitmacht von 20.000 Legionären zu vernichten“.

          Hätten die römischen Legionen einen anderen Weg genommen als den von Arminius vorhergesehenen, wäre der Aufstand der Cheruskerstämme gescheitert, lautet die These der History-Autoren. Wie die Schlacht sich im Einzelnen abgespielt haben könnte, wird den Zuschauern minutiös in Heeres-Anordnungen vor Augen geführt. Minutiös heißt aber leider auch: mit Bildern gefolterter Frauen, abgeschnittener Köpfe in Großaufnahme und Blutlachen in gekünstelter Schwarzweiß-Optik. „Selbstverständlich wollen wir auch das Publikum, das ,Game of Thrones‘ liebt und historische Videospiele kennt, für diese Reihe begeistern“, sagt die Produzentin Kristen Burns dazu beim Interview in London. So könnte das glatt gelingen.

          Auch die Folge über den Spartakus-Aufstand kommt nicht ohne Folterszenen aus und nicht ohne die ausgepeitschte Sklavin, die, kaum befreit, sich an ihrem römischen Peiniger blutig rächt. Das ist schwer auszuhalten und auch dramaturgisch nur insoweit nachzuvollziehen, als damit die scheinbare Begründung für das nächste Massaker geliefert wird. „Aufstand der Barbaren“ ist definitiv keine Serie, die Lehrer vor den Sommerferien mal eben noch im Schulunterricht zeigen können.

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