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Münchner Filmfest : Auf Tauchgang mit schwitzenden Männern

  • -Aktualisiert am

Drei Mann in einem Boot: Die Schauspieler August Wittgenstein, Rick Okon und Franz Dinda gehen im Herbst auf Tauchstation. Bild: obs

Machtmissbrauch und Systemkonformität: Ein verregnetes Münchner Filmfest feiert die einstigen Erfolge der Branche und wälzt die aktuellen Probleme. Dabei dominierte dieses Mal die weibliche Filmarbeit.

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          Wenn das 36. Münchner Filmfest heute die Pforten schließt, dann darf man es getrost als aus der Reihe gefallen betrachten. Und dass, obwohl die wirklich großen Veränderungen durch ein verdoppeltes Budget erst ab 2019 und den Folgejahren greifen dürften; wenn sich das Filmfest nach den Vorstellungen von Markus Söder zu einem allumfassenden Medienfest wandeln soll. In diesem Jahr begann das Filmfest im kalten Regen und es endete im kalten Regen. Der kurz gefühlte Vorsprung gegenüber der Berlinale war somit dahin. Zudem waren einige Beobachter der Auffassung, dass die eine oder andere Großveranstaltung nicht ganz so gut besucht war wie in der Vergangenheit.

          Auch schienen die Themen diesmal von besonderer Schwere. Wenn etwa ein Panel in der „Black Box“ eine der quälendsten und notwendigsten Debatten seit langem – jene um tradierte Machtstrukturen – auf die Drehverhältnisse an deutschen Sets herunterzubrechen versucht. Wenn dort ein ehemaliger Produzent, eine Autorin, eine ehemalige Arte-Redaktionsleiterin und der Justiziar des Bundesverbands Schauspiel beieinandersitzen und sich mit Anita Eckhardt vom Bundesverband Frauenberatungsstellen austauschen, werden die strukturellen Probleme um Machtgefälle und Machtmissbrauch anschaulich wie selten. In der Filmbranche stehen überwiegend festangestellte Redakteure der Sender einer enormen Anzahl freischaffender Künstler gegenüber. „Da steht der Begriff Qualität manchmal leider für Systemkonformität und künstlerische Freiheit wird mit sexueller Übergriffigkeit vertauscht“, sagte Eckhardt.

          Eine namhafte deutsche Schauspielerin bestätigt diesen Eindruck im Pausengespräch mit erschreckenden Beispielen aus ihrem Berufsleben. Der Erkenntnis, dass eine einzelne Frau die Schieflage in diesem System nicht korrigieren kann mochten sich alle anschließen. „MeToo bildet Banden“, sagt Eckhardt. Ab September soll die übergeordnete Vertrauensstelle gegen sexuelle Belästigung und Gewalt mit dem Namen Themis mit der Aufklärung, Prävention und Verfolgung von sexualisierter Gewalt beginnen.

          Vicky Krieps als Übersetzerin Simone Strasser in „Das Boot“

          Dabei dominierte weibliche Filmarbeit dieses Filmfest. Nicht nur, dass alle nominierten Filme beim Bernd-Burgemeister-Fernsehpreis hauptverantwortlich von Frauen gestemmt wurden – auch das mit viel Spannung erwartete Sky-Fortsetzung von „Das Boot“ – in Sachen Genese des Originals bisher eher ein Männerthema – entpuppte sich als phantastisches Vehikel für eine der großartigen Neuentdeckungen: Vicky Krieps hat in den wenigen Szenen, die aus dem achtstündigen Epos im Carl Orff Saal gezeigt wurden, eine so verletzliche Präsenz, dass allein ihr Spiel das Einschalten lohnen wird. Rick Okon, der den Nachfolger von „Kaleu“ Jürgen Prochnow an Bord des U-Boots spielt, wird es schwer haben sich gegen Krieps zu behaupten. Das Serienangebot erreichte die luxemburgische Schauspielerin als sie gerade mit Daniel Day Lewis gemeinsam für „Der seidene Faden“ vor der Kamera stand. Sie sagte zu, „weil die Figur aus Straßburg kommt. Ich bin aus Luxemburg. Mein Opa war im KZ. Auf der anderen Seite gab es in meiner Familie auch Nazi-Sympathisanten. Diese Dualität hat mich immer interessiert und ich habe mich meiner Figur fast ausschließlich über die Erzählungen meiner Oma genähert.“

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