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Straßenband „Meute“ : Die Rattenfänger von Hamburg

Elf professionelle Musiker, die auch in anderen Konstellationen auftreten, seien schwer zu koordinieren, sagt Thomas Burhorn, Mitbegründer, Kulturmanager und Trompeter. Sie arbeiten jetzt mit Zweitbesetzungen. Dem Zufall überlassen ist bei Meute für eine Straßenband erstaunlich wenig, auch wenn die Musiker darauf bestehen, dass es allein ums Vergnügen und die Spontanität gehe und dass hier kein Jazzer vom Techno bekehrt werden solle. Burhorn, der lange in einer Marching Band und dann mit Fettes Brot und Kettcar spielte, der 2016 nach einem gemeinsamen Nenner für möglichst viele Musikhörer suchte und die elektronische Musik, auf die sich nachts die meisten einigen können, dazu auserkor, die Marching-Band-Idee in die Gegenwart zu transportieren, sagt: „Ja, diese ungeplanten Straßenkonzerte sind anstrengend.“

Man macht ein paar Roboter arbeitslos

Das wissen auch andere. Lange vor Meute dirigierte die vom Chiemsee stammende Bläsertruppe LaBrassBanda hüpfende Mobs auf Festivals, die Münchner Brassband Moop Mama marschierte unangekündigt durch den Englischen Garten, Hunderte schlossen sich an. In New York spielen die Lucky Chops an U-Bahnhöfen aufrührerischen Jazz und Brassbands wie Random Control aus Vorarlberg stilisieren Bläsertradition in der deutschsprachigen Jazzszene zum Kult.

Was Meute für sich beanspruchen kann, ist die Art, Musik zu konstruieren: Elf Musiker können nur eine begrenzte Anzahl von Tonspuren abdecken. Burhorn schreibt sie für das Ensemble um. Während Elektro-Musiker Big-Band-Stücke auf Bläserparts abhören und diese mit dem Synthesizer nachbauen, während DJs den Klang eines Glockenspiels imitieren, kopiert Meute die Computer, inklusive „Humanize“-Funktion, die elektronische Musik menschlicher, unperfekter klingen lassen soll und Songs zum Leben bringt. Und natürlich passt es gut in die Zeit, von sich sagen zu können, man mache ein paar Roboter arbeitslos, nicht umgekehrt.

Vor einem Monat nahm Meute in Lissabon „Gula“ auf, den wuchtig überarbeiteten Song des kanadischen Elektro-DJs Deadmau5. Er gibt der Marching Band wie zuvor schon „You and Me“ etwas Neues, klingt nach Konzeptmusik, gewichtiger, und funktioniert auch deshalb auf der Bühne besser als Songs wie „Rej“.

Aber es gehört zur Vereinbarung des Spielmannszugs mit seinem Gefolge, dass jedes Konzert in der Menge endet, dass die Band in der Mitte steht und sich versenkt. Die Meute spielt also, hampelt ein wenig herum und bringt sich wieder in Form, manchmal knien sich die hin, deren Instrumente es zulassen, dann knien die Zuhörer mit ihnen, um, wenn der Beat es vorsieht, in die Höhe zu schnellen und ein paar Takte lang zu springen. Draußen würde sich jetzt ein zufällig vorbeikommender Flötist oder Trommler einmischen und versuchen, bei ihrem Tempo mitzuhalten.

Ansonsten geht es allein um die Musik, sie ist der Star, wie im Techno, wo wenig mehr passiert als ein Wippen des Kopfes oder ein Handgriff zum Pult. Hier hingegen passiert ja viel, man kann dabei zusehen, den Grimassen des Paukenspielers vor dem dumpfen Ton und den wie Libellenflügel auf und ab wirbelnden Sticks des Drummers. Und dann empfiehlt es sich zu tanzen.

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